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Rückfall-Untersuchungen

Die noch im Aufbau befindliche Rubrik Rückfall-Untersuchungen soll dem interessierten Leser eine vertiefte Befassung mit der Frage ermöglichen, aus welchen Gründen und mit welcher Häufigkeit Straftäter rückfällig werden und inwieweit durch eine indizierte Therapien das Risiko eines Rückfalls reduziert werden kann.

Die Behandlungsinitiative Opferschutz setzt sich dafür ein, dass die bei gefährlichen Gewalt- und Sexualstraftätern zumeist vorliegenden Persönlichkeitsstörung während ihrer Inhaftierung behandelt wird, wenn eine solche Therapie erfolgsversprechend ist. Mit einer solchen Behandlung muss bereits zu Beginn der Haft begonnen und diese im Wege der ambulanten Nachsorge nach der Haftentlassung fortgeführt werden.

Denn durch eine erfolgreiche deliktsorientierte Behandlung kann erwiesenermaßen das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert werden. Dazu ein Beispiel: Bei einer allgemeinen Rückfallquote von 40 % - wie etwa bei Vergewaltigungen - können danach von 100 Straftaten zumindest 20 weitere Straftaten verhindert werden. Nach der nachfolgend abgedruckten Rückfall-Untersuchung des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) aus Zürich sind sogar lediglich 5% der auf diese Weise behandelten gefährlichen Gewalt- und Sexualstraftäter mit einem einschlägigen Delikt rückfällig geworden..

Erste Ergebnisse der Zürcher Forensik-Studie 2009 eingetroffen

Erste Ergebnisse der Zürcher Forensik-Studie Teil II eingetroffen.

Das Zürcher Modell und Ergebnisse der Zürcher Forensik-Studie
unter besonderer Berücksichtigung von Präventionsdefiziten in Deutschland

Erstellte und bislang unveröffentlichte Zusammenstellung der vorläufigen Ergebnisse der Zürcher Forensik-Studie Teil II aus 2009 des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Justizvollzugs des Kantons Zürich.

Zum Nachlesen als PDF:
Erste Ergebnisse der Zürcher-Forensik-Studie 2009

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Zahlen zur Gewaltkriminalität nach Polizeilicher Kriminalstatistik

Image

Ausgewählte Zahlen zur Gewaltkriminalität nach Polizeilicher Kriminalstatistik


Gewaltkriminalität nach PKS.pdf (39.55 KB)

Rückfalluntersuchung PPD-Zürich 2007 (Kurzfassung)

Prädiktoren für Rückfälligkeit

Rückfallraten

Insgesamt waren 2006 28.5% der untersuchten Gewalt- und Sexualstraftäter aus der Stichprobe mit einem neuen Eintrag im Strafregister verzeichnet.

Allerdings muss berücksichtigt werden, dass nicht alle Täter aus der Vollzugsstichprobe auch Gelegenheit hatten, delinquent in Erscheinung zu treten. Die Zeit in Freiheit, während derer die Legalbewährung beobachtet wird, wird in der empirischen Literatur auch „time at risk“ genannt.

Insgesamt hatten 64.8% der Stichprobe die Gelegenheit zu delinquieren und wurden für die nachfolgende Auswertung berücksichtigt. Nach Ausschluss der Probanden ohne Gelegenheit zu delinquieren ergibt sich eine andere Rückfallrate: 31.6% der Täter (n=80) wiesen eine Wiederverurteilung im Strafregister auf. Mit einem schweren Delikt, dass heisst mit einem Gewalt- oder Sexualdelikt mit einem Strafmass von mindestens 10 Monaten wurden 6.7% (n=17) der Täter rückfällig.

Darüber hinaus wurden auch laufende Verfahren als Rückfälle gewertet, sofern diese als laufende Verfahren im Strafregister aufgeführt waren. Nach dieser erweiterten Definition von Rückfälligkeit wiesen 39.8% (n=115) einen neuen Eintrag im auf.

Der Anteil derjenigen, die mit einem schweren Delikt (Gewalt- und / oder Sexualdelikt mit Strafmass von mindestens 10 Monaten) in Erscheinung traten, beläuft sich auf 11.8%. Die Rate der Rückfälligkeit mit einem Gewaltdelikt ist fast doppelt so hoch wie die mit einem Sexualdelikt (7.6% vs. 4.2%).

Abbildung 1:  Rückfallraten stratifiziert nach Deliktgruppen



Rückfallraten in Abhängigkeit von krimineller Vorgeschichte

Vorstrafen

Von jenen Straftätern, die Gelegenheit (nicht institutionell untergebracht und / oder ausgeschafft) hatten erneut zu delinquieren, lag der Anteil von vorbestraften Tätern bei 68.4% (n=196). Einschlägig vorbestraft waren ein Drittel der Täter (33.1%, n=95).

Der Anteil der vorbestraften Täter ist bei den Gewaltstraftätern mit 73.5% (n=125) signifikant höher als bei den Sexualstraftätern, bei denen 60.7% (n=71) vorbestraft waren (Chi2: p < 0.05). Hingegen ist der Unterschied zwischen der Häufigkeit einschlägiger Vorstrafen zwischen Gewalt- und Sexualstraftätern nicht signifikant (32.4% bzw. 34.2%).

Abbildung 2:  Allgemeine und spezifische Rückfälligkeit stratifiziert für Gewalt- und Sexualstraftäter

Vorstrafe und Rückfälligkeit

In der nachfolgenden Tabelle 1 wird deutlich, dass die Rückfallraten in der Gruppe der vorbestraften Täter höher war als in der Gruppe der nicht vorbestraften Täter: Dies sowohl für allgemeine Rückfälligkeit als auch für Rückfälligkeit mit einem Gewalt- und / oder Sexualdelikten.

So sind der Gruppe der vorbestraften Täter 49% rückfällig geworden - im Gegensatz zu 18.7% in der Gruppe der nicht vorbestraften Täter. Mit einem erneuten Gewalt- oder Sexualdelikt (Rückfall) sind in der Gruppe der vorbestraften Täter 15.8% in Erscheinung getreten. In der Gruppe der nicht vorbestraften Täter waren es nur 3.3%.

Der Unterschied zwischen der Rückfallrate der vorbestraften und der nicht-vorbestraften Täter ist sowohl für allgemeine Rückfälligkeit als auch für Rückfälligkeit mit einem Gewalt- oder Sexualdelikt statistisch signifikant (Chi2: p < 0.05) Vorbestrafte Täter haben somit ein höheres Rückfallrisiko für leichte und schwere Delinquenz.

Tabelle 1:  Rückfallraten stratifiziert nach Vorstrafe

Kriminelle Vorgeschichte

Rückfall

Rückfall

Gewalt- / Sexualdelikt

n

%

n

%

Nicht vorbestraft (N=91)

17

18.7*

3

3.3*

Vorbestraft (N=196)

96

49.0*

31

15.80*

Einschlägig vorbestraft (N=95)

56

59.0*

25

26.3*

 

 

 





*Chi2: p < 0.05

Wenn nur einschlägige Vorstrafen betrachtet werden, bleibt der Befund bestehen: Während in der Gruppe der einschlägig vorbestraften Täter der Anteil der Rückfälligen bei 59% liegt und für Rückfälle mit Gewalt- und Sexualdelikten bei 26.3%, ist der Anteil in der Gruppe der nicht einschlägig vorbestraften bei 29.7% respektive 4.7%. Die genannten Zusammenhänge sind in Abbildung 3 graphisch dargestellt.

Abbildung 3:  Rückfallraten in Abhängigkeit von der Delinquenzvorgeschichte



Rückfallraten in Abhängigkeit von Therapie-Parametern

Insgesamt befanden sich zum Zeitpunkt der Datenerhebung 49.8% der Täter in einer Therapie: 13.1% (n=37) nahmen an einer ambulanten Therapie beim Psychiatrisch-Psychologischen Dienst (PPD) des Justizvollzugs Zürich teil. Alle diese Therapien erfolgten unter einem deliktorientierten Fokus und wurden durch ein spezialisiertes Behandlungsteam durchgeführt.

Bei 29.8% (n=84) war eine ambulante Therapie bei einer anderen Institution in den Akten dokumentiert und bei 6% (n=17) ein stationärer Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Gewalt- und Sexualstraftäter unterschieden sich nicht hinsichtlich der Häufigkeit mit der sie an einer Therapie teilnahmen.

Die Häufigkeitsangaben zu den einzelnen Therapiesettings können der Tabelle 2 entnommen werden.

Tabelle 2:  Therapie PPD-intern und PPD-extern durchgeführt

 

n

%

Keine Therapie

144

51.1

Ambulante Therapie beim PPD

37

13.1

Andere ambulante Therapie

84

29.8

Andere stationäre Therapie

17

6.0

Gesamt

282

100

 

 

 

 




Therapie und Rückfallraten  

Keine Therapie: Die Rückfallrate mit allgemeiner Delinquenz liegt bei den Nicht-Therapierten bei 36.1% (n=47) und somit etwas niedriger als der Durchschnitt aller Täter (behandelt und unbehandelt) und deutlich niedriger als die Rückfallrate der Extern-Therapierten.

Die Rückfallrate mit einem Gewalt- und Sexualdelikt liegt in der Gruppe der nicht behandelten bei 14.2% (n=15).

Extern durchgeführte Behandlung: Die Rückfallraten der extern (also nicht durch den PPD) behandelten Täter liegt hingegen bei 46.5% (n=52) für allgemeine Delinquenz und bei 14.9% (n=15) für Rückfälligkeit mit einem Gewalt- und / oder Sexualdelikt.

Tabelle 3:  Rückfälligkeit stratifiziert nach Behandlung

 

Rückfall

Allgemein

Gewalt- /  

Sexualdelikt

 

n

%

n

%

Keine Therapie (N=144)

52

36.1

15

10.4

Therapie: PPD (N=37)

12

32.4

2

5.4

Therapie: Extern (Nicht-PPD) (N=101)

47

46.5

15

14.9

 

 

 

 




Therapie PPD: Die Rückfallrate der durch den PPD behandelten Klienten liegt sowohl für allgemeine Delinquenz als auch für Rückfälle mit Gewalt- und Sexualdelikten unterhalb der Rückfallraten der Nicht-Therapierten und auch unterhalb der andernorts Therapierten Straftäter. So wurden von den durch den PPD behandelten Tätern 32.4% mit allgemeiner Delinquenz rückfällig und 5.4% mit einem Gewalt- und / oder Sexualdelikt. Tabelle Tabelle 12 und Abbildung 30 geben einen Überblick über die Rückfallraten bei unterschiedlichen Interventionsformen.

Abbildung 4:  Rückfälligkeit stratifiziert nach Behandlung


Wenngleich die Rückfallraten der durch externe Institutionen behandelten Täter drei Mal häufiger rückfällig geworden sind als die durch den PPD behandelten Täter, ist dieser Unterschied nicht signifikant. Dies ist primär auf geringe Fallzahlen in den einzelnen Gruppen zurückzuführen. Je kleiner die Untersuchungspopulation ist, desto geringer ist auch die statistische „Power“ und desto schwieriger ist es bei vergleichbarer Datenlage signifikante Ergebnisse zu erlangen.


Therapie und Rückfallraten: Stratifiziert nach Vorstrafe

Die durch den PPD therapierten Straftäter unterscheiden sich von den andernorts behandelten Straftäter nicht hinsichtlich der Häufigkeit, mit der sie vorbestraft sind.

Die Rate der vorbestraften Täter liegt bei den extern behandelten Tätern bei 67.3% (n=68) im Vergleich zu 61.1% (n=22) bei den durch den PPD behandelten Tätern.

Wenn der Zusammenhang zwischen Rückfallrate und Therapie getrennt für vorbestrafte und nicht vorbestrafte Täter angeschaut wird, ergibt sich folgendes Bild: Die Rückfallraten der durch den PPD therapierten Täter weisen sowohl bei den vorbestraften Tätern als auch bei den einschlägig vorbestraften Tätern niedrigere Rückfallraten auf, als die nicht oder durch externe Therapeuten behandelten Täter. Hingegen ist die Quote der durch den PPD behandelten Täter ohne Vorstrafe gegenüber den anderen beiden Gruppen erhöht. Die genauen Rückfallraten der vorbestraften und nicht vorbestraften Täter können Tabelle 4 entnommen werden.

Tabelle 4:  Allgemeine Rückfälligkeit stratifiziert nach Vorstrafe und Therapie

 

Rückfall

Nicht vorbestraft

Vorbestraft

Einschlägig vorbestraft:

 

N

%

n

%

n

%

Keine Therapie

7

16.3

44

44.0

20

46..5

Therapie: PPD

4

28.6

7

31.8

5

41.7

Therapie: Extern (Nicht-PPD)

5

15.2

42

61.8

30

79.0

 

 

 

 

 



In Bezug auf Rückfälligkeit mit Gewalt- und Sexualdelikten ist der Befund ähnlich: Die durch den PPD behandelten Täter weisen - ungeachtet der Vorstrafe die geringsten Rückfallraten auf (Tabelle 5 ).

Tabelle5:  Rückfälligkeit mit Gewalt- oder Sexualdelikten stratifiziert nach Vorstrafe und Therapie

 

Schwerer Rückfall

Nicht vorbestraft

Vorbestraft

Einschlägig vorbestraft

 

n

%

n

%

n

%

Keine Therapie

1

2.3

14

14.0

9

20.9

Therapie: PPD

0

0

2

9.1

2

16.7

Therapie: Extern (Nicht-PPD)

2

6.1

13

 19.1

13

34.2

 


Abschlussbericht Rückfalluntersuchung PPD-Zürich 2007

Zürcher Forensik Studie Abschlussbericht des Modellversuchs:
Therapieevaluation und Prädiktorenforschung

Verfasst von: Jérôme Endrass, Astrid Rosegger, Frank Urbaniok

Stellungnahme des Fachausschusses für Modellversuche zum Schlussbericht
Zürcher Forensik Studie: "Therapieevaluation und Prädiktorenforschung"

Schlussbericht ForensikstudieZürich 2007.pdf (857.77 KB)

Therapie Evaluation.pdf (163.87 KB)


Verweis auf die Quelle (Internetadresse des Bundesamtes für Justiz: Schweiz)
http://www.bj.admin.ch/etc/medialib/data/sicherheit/straf_und_massnahmen/
ber-mv.Par.0064.File.tmp/schlussber-forensikstudie-zh-d.pdf

Rückfallprognose bei Gewalt- und Sexualstraftätern

Vortrag  Dr. Märthesheimer - JVA Offenburg
vom 28.10.2011 beim IKN in Stuttgart

„Rückfallprognose bei Gewalt- und Sexualstraftätern“ 

Bedeutung von Prognoseinstrumenten
für die psychotherapeutische Praxis

Referentin: Frau Dr. Märtesheimer, Leiterin der Sozialtherapeutischen Anstalt der Justizvollzugsanstalt Offenburg

  

Der Vortrag hier zum Nachlesen als pdf.

Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen

Jörg Martin Jehle, Wolfgang Heinz und Peter Sutterer

Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen
Eine kommentierte Rückfallstatistik

in Kooperation mit dem Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof -Dienststelle Bundeszentralregister-, dem Statistischen Bundesamt und der Kriminologischen Zentralstelle
Herausgegeben vom Bundesministerium der Justiz Berlin 2003

Rückfallstatistik.pdf (2.33 MB)

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