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SWR Berichtet über BIOS

SWR Bericht über Opferschutz

Am 22. Juni 2010 hat der SWR in der Landesschau einen aktuellen Beitrag zur Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V., dem am 3. März 2009 dem Bundesministerium der Justiz vorgelegten BIOS-Memorandum sowie der BIOS-Behandlungsabteilung für Sexualstraftäter in der JVA Mannheim ausgestrahlt.



Eine zielgerichtete Therapie für Gewalt- und Sexualtäter kann die Rückfallquote deutlich verringern, das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Deshalb ist eine Therapie als Ergänzung zum Regelstrafvollzug so wichtig, meint die "Behandlungs-Initiative Opferschutz". So kann auch der Opferschutz deutlich verbessert werden, denn ein Verbrechen, das nicht begangen wird, hat keine Opfer. Richter, Staatsanwälte, aber auch Psychiater, Psychotherapeuten und viele mehr engagieren sich in der Initiative Opferschutz - die Landesschau stellt sie vor.
 
 

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Sexobjekt Kind

NDR berichtet über "BIOS-Memorandum"

Am Dienstag, den 12.1.2010, strahlte das NDR-Fernsehen eine Dokumentation mit dem Titel "Sexobjekt Kind" aus, in welcher auch über die Behandlungsinitiative Opüferschutz (BIOS-BW) e.V. und das am 3.3.2009 dem Bundesministerium der Justiz vorgelegte "BIOS-Memorandum" berichtet wurde (vgl. zur Disskussion hierüber unter: BIOS-Memorandum - Diskussion).

Das Versagen staatlicher Systeme

Das ursprüngliche Konzept für die Dokumentation "Sexobjekt Kind" sah vor, die Arbeit der "Jäger", also der Ermittler bei Staatsanwaltschaft Kriminialpolizei, und die "Gejagten", Täter und Pädosexuelle, zu zeigen. Beziehungsweise den enormen Vorsprung der "Gejagten" aufzudecken. "Eine oberflächliche Betrachtungsweise" wie Autor Sebastian Bellwinkel heute findet.

Denn seine Recherchen für 45 Min haben ergeben, dass der Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt in Deutschland systembedingt auf mehreren Ebenen versagt. "Ich habe Missstände entdeckt, die ich nicht mal erahnt hätte und die auch vielen Zuschauern sicherlich noch unbekannt sein dürften", so der Journalist.

Das Gesundheitswesen ist nur unzureichend auf die Behandlung von Pädophilen eingestellt.

Durch Mängel im Strafrecht bekommen die häufig psychisch kranken Sexualstraftäter kaum eine medizinisch-psychologische Betreuung.
Nach verbüßter Haft verlassen sie die Gefängnisse "wie tickende Zeitbomben", so Bellwinkel.

Auch in Deutschland werden Kinder als Sexobjekte gehandelt. Kaum jemand nimmt das wahr oder bekämpft diesen Zustand.

 

Versagen des Strafrechts

Das Strafrecht in Deutschland versagt, weil Sexualstraftäter vor Gericht nicht auf ihre Gefährlichkeit und ihre Therapierbarkeit hin untersucht werden. Wenn ein Richter ein Gutachten zu einem Täter einholt, wird nur die Frage der Schuldfähigkeit geklärt. Das heißt, es geht nur um den Blick zurück: Was hat er getan und wie ist diese Tat zu sanktionieren. Wie Taten in der Zukunft verhindert werden können, ist dagegen keine Frage.

Das Strafrecht in der Schweiz ist da weiter: Im Kanton Zürich werden Sexualstraftäter vor Gericht auf ihr Risikopotential hin untersucht und sofort in eine Therapie überwiesen. Das Ziel: zukünftige Taten vermeiden. Das Zürcher Modell ist sehr erfolgreich: Studien zeigen, dass die Rückfallgefahr um 50 Prozent gesenkt werden kann. Das bedeutet deutlich weniger Opfer.

Versagen der Politik

Obwohl dem Bundesjustizministerium das Schweizer Modell bekannt ist, geschieht nichts. Auch dem Bundesgesundheitsministerium und der Bundesärztekammer liegen Vorschläge vor, wie unterschiedliche Mängel zu beseitigen wären, ohne dass etwas passiert. Die Frage, warum das so ist, hat gegenüber "45 Min" niemand beantwortet.

In manchen Fällen kostet der effektive Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt schlicht mehr Geld, um Ermittler, Sozialpädagogen, Präventionsprojekte besser auszustatten. Die rechtzeitige Therapie von Sexualstraftätern wäre eine präventive Maßnahme und würde am Ende sogar Geld sparen, denn neben dem Opferleid sind die Kosten für Inhaftierung, Therapie und anderes deutlich höher.

Die von der früheren Bundes-Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) initiierte Internetsperre gegen Kinderpornographie ist umstritten. Viele Kritiker sagen, es sei sinnvoller, die Seiten im Internet ganz zu löschen anstatt diese nur zu sperren. So argumentiert auch die FDP, die die Umsetzung des Gesetzes in der schwarz-gelben Regierungskoalition blockiert.

Einige Ermittler meinen jedoch, eine solche Internetsperre sei immerhin ein Anfang und könne die dümmsten Kinderporno-Nutzer davon abhalten, auf die Seiten zu gelangen. Die technische Umgehung der Sperre sei zwar möglich, einige schlichte Gemüter zumindest seien damit aber überfordert.


weinendeskind


Die NDR-Dokumentation ist nunmehr in der NDR-Mediathek "Sendungen 45 Minuten"

unter Sexobjekt Kind eingestellt und kann durch Anklicken dieses Links angesehen werden.

Auch können auf der NDR-Homepage Zuschauerreaktionen nachgelesen werden.



Bild-Quelle: NDR Mediathek

Die am 12.01.2010 im NDR-Fernsehen ausgestrahlte Reportage "Sexobjekt Kind"
wurde wegen des großen Erfolges der Erstausstrahlung in leicht veränderter Fassung
am 19.04.2010 im ARD-Fernsehen um 21.00 Uhr wiederholt.


Video-Bericht Einweihung FAB

Video-Bericht zur Einweihung der
Forensischen Ambulanz Baden
am 11.11.2008

Spieldauer: 04:59

Ganz Herzlichen Dank für diesen Video-Beitrag an
Herrn Ritzert von der Kropp & Ritzert CREATE GmbH Durmersheim!

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Videobericht SWR Landesschau

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/1108056

Sendung vom: 11.11.08 | 18:45 Uhr
Getreu dem Leitsatz "Täter-Therapie ist Opferschutz" wurde heute in Karlsruhe eine neue ambulante Nachsorgeeinrichtung für Sexual- und Gewaltstraftäter eröffnet: In der "Forensischen Ambulanz Baden" - neben Stuttgart die zweite ihrer Art im Land! - werden verurteilte Täter nach ihrer Entlassung aus der Haft mindestens 1 Jahr lang psychotherapeutisch behandelt.


Landesschau Baden-Württemberg

Tiickende Zeitbomben - Report Mainz 08.09.08

http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=3818984/1xj7xa0/index.html


Tickende Zeitbomben

Viele Sexualstraftäter in Deutschland nicht diagnostiziert und therapiert



Moderation Fritz Frey:

Sie heißen Mitja, Carolin oder Desirée, und ihr Schicksal lässt niemanden kalt. Denn als sie starben, waren sie noch Kinder.
Und – was besonders tragisch ist – ihre Mörder sind keine Erst- sondern Wiederholungstäter. In solchen Fällen kocht die Volksseele dann schnell hoch und das Wort vom Abschaum, der an den Galgen gehört, macht die Runde.

Doch radikale Parolen helfen nicht, wenn es um den richtigen Umgang mit Sexualstraftätern geht. Und da kann Deutschland noch eine Menge lernen. Z. B. indem wir uns genau ansehen, wie die Justiz mit Sexualstraftätern umgeht. Einen von ihnen hat Oliver Heinsch getroffen.

Bericht:

Die forensische Psychiatrie Ochsenzoll in Hamburg. Hier treffen wir Stefan, einen Sexualstraftäter, einen, der Kinder missbraucht hat. Hier in der geschlossen Abteilung wird er therapiert. Doch es hat lange gedauert, bis es so weit war.

Nach seinem ersten Kindesmissbrauch kam er in den ganz normalen Knast. Was hat diese Strafhaft gebracht?

O-Ton:
»Die Strafhaft hat eigentlich gar nichts gebracht, sie war mehr für die Katz gewesen.«

Denn ob er droht, rückfällig zu werden, interessiert im Gefängnis niemand. Keine Diagnose, keine Therapie. Stefan wird entlassen.

O-Ton:
»Ich hatte schon ein ungutes Gefühl und auch innerlich gespürt, dass das nicht gut geht. Das ist ja auch nicht gut gegangen, sondern ich habe ja wieder eine Tat begangen. Und daraufhin bin ich dann wieder verurteilt worden.«

Stefan wird wegen Kindesmissbrauchs wieder in den Knast gesteckt. Wieder keine Diagnose. Wieder keine Therapie. Erst auf sein Drängen hin wird er begutachtet. Erst jetzt stellt man die hohe Rückfallgefahr fest. Erst jetzt kommt er hier in den Maßregelvollzug.

Frage: Wie wäre es mit Ihrer Geschichte weitergegangen, wenn Sie nicht diese Therapie erkämpft hätten?

O-Ton:
»Dann wäre ich wieder rückfällig geworden. Weil ich innerlich so aufgewühlt war und mich nach irgendwelchen Opfern sehnte.«

Immer wieder erschüttern schreckliche Fälle von Kindesmissbrauch die Öffentlichkeit, und immer wieder sind es auch Wiederholungstäter, deren Gefährlichkeit nicht erkannt wurde. Wie kann das sein?

An der Uni Kiel treffen wir Professor Bosinski. In einer aktuellen, bislang unveröffentlichten Studie kommt er zu einem erschütternden Ergebnis. Nur knapp 15 Prozent der Erst-Täter werden vor Gericht auf ihre Rückfallgefahr hin untersucht. Schlimmer noch.

O-Ton, Prof. Hartmut A.G. Bosinski, Sexualmediziner, Uni Kiel:

»Was uns ja doch schon schockiert hat, ist die Tatsache, dass das auch gilt für Täter, die schon eine mal eine einschlägige Vorstrafe, eine einschlägige Vorbestrafung haben. Also Kindesmissbraucher, die Rückfällig sind, auch die werden nur zu ca. 33 Prozent im nächsten Gerichtsverfahren begutachtet.«

Also: Zwei Drittel der Wiederholungstäter landen in Deutschland ohne Prüfung ihrer Rückfallgefahr im Gefängnis. Der Grund:
Zwingend ist die Begutachtung durch einen Psychiater nur vorgeschrieben, wenn die Richter Zweifel an der Schuldfähigkeit eines Angeklagten haben oder eine schwere psychische Störung vermuten.

Nur dann werden Täter in den Maßregelvollzug, also die geschlossenen Psychiatrie, eingewiesen. Der weitaus größte Teil landet aber im normalen Strafvollzug.

O-Ton, Prof. Hartmut A.G. Bosinski, Sexualmediziner, Uni Kiel:

»Das bedeutet in der Konsequenz, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine ganze Anzahl von Tätern verurteilt wird, die gehen dann in Strafhaft oder bekommen eine Bewährungsstrafe, entziehen sich etwaigen therapeutischen Angeboten, werden damit dann auch nicht diagnostiziert und gehen unerkannt in ihrer Gefährlichkeit wieder in Freiheit.«

Das müsste nicht sein, sagt Frank Urbaniok. Er ist Therapeut in der Schweiz in der Haftanstalt Pöschwies. Wer hier im Kanton Zürich wegen Kindesmissbrauchs in den Knast wandert, wird fast ausnahmslos auf seine Gefährlichkeit hin untersucht.

O-Ton, Dr. Frank Urbaniok, Chefarzt des psychiatrisch-psychologischen Dienstes, Kanton Zürich:

»Um zu wissen welche Maßnahmen bei einem Täter angemessen sind, muss man zunächst wissen, was ist das Risiko der Person, was ist die Gefährlichkeit, das heißt die Gefährlichkeitsbeurteilung ist der Ausgangspunkt dafür, zu wissen, ob zum Beispiel Therapie angezeigt ist, ob Therapie notwendig ist, ob sie durchführbar ist oder ob es sich bei unbehandelbaren hochgefährlichen Straftätern darum handelt, dass ein Täter vielleicht auch lebenslang gesichert werden muss.«

Mit ihrem Modell aus frühzeitiger Prognose und Therapie haben die Schweizer erstaunliche Erfolge. Die Rückfallgefahr von Sexualstraftätern konnte hier von 40 auf gerade einmal 5 Prozent verringert werden.

Wir hätten von der deutschen Justizministerin gerne gewusst, warum nicht auch hier jeder Täter untersucht wird. Schriftlich erklärt man uns, dass Richter schon jetzt solche Gutachten einholen könnten.

Zitat:
»Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gesetz schon heute vorsieht, dass in Fällen mittlerer und schwerer Sexualdelikte (…) das Gericht die Gefährlichkeit des Täters zu prüfen hat.«

Ob die Richter dazu aber einen Gutacher hinzuziehen, liegt in den meisten Fällen in ihrem Ermessen. Zur Erinnerung: Nur ein Drittel der Wiederholungstäter werden tatsächlich untersucht. Jetzt schlagen auch Richter Alarm und fordern selbst ein klare gesetzliche Regelung.

O-Ton, Klaus Michael Böhm, Richter OLG Karlsruhe, Behandlungsinitiative Opferschutz:


»Es ist zwar nach meiner Auffassung möglich, dass das Gericht ein solches Prognosegutachten einholt, aber da es der Gesetzgeber nicht ausdrücklich vorsieht, unterbleibt es halt in vielen Fällen.«

Es bleibt dabei, dass Diagnose und Therapie in vielen Fällen nur dann erfolgen, wenn Sexualstraftäter, wie Stefan, selbst auf eine Therapie drängen, der Schutz der Kinder also von der Einsichtsfähigkeit der Täter abhängt.


O-Ton, Dr. Frank Urbaniok, Chefarzt des psychiatrisch-psychologischen Dienstes, Kanton Zürich:

»Das bedeutet, dass es mehr Straftaten gibt, mehr Rückfälle gibt, als es eigentlich sein müsste. Und da kann man sagen: Den Preis zahlen am Schluss Frauen und Kinder und andere betroffene Opfer von Gewalttaten.«

Sendetermin: 08.09.2008, 21.45 Uhr, REPORT MAINZ, Das Erste

Bildmaterial © SWR 2008

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RNF-Bericht Forensische Ambulanz

http://www.rnf.de/videoportal/sendung/modellprojekte_zur_resozialisierung_von_strafgefangenen


fab_logo_klein.jpgVideo-Bericht - Rhein-Neckar Fernsehen

Modellprojekte zur Resozialisierung von Strafgefangenen


Therapiemöglichkeiten für Sexualstraftäter und andere Schwerkriminelle sind noch immer selten, auch wenn längst sicher ist, dass sie die Gefahr der Rückfälligkeit erheblich verringern können. In der Mannheimer Justizvollzugsanstalt ist vor kurzem eine Modellprojekt zur Behandlung von Strafgefangenen angelaufen. Auch in Karlsruhe startet jetzt ein Projekt für Gewalt- und Sexualstraftäter nach der Haft. Es ist eine Anlaufstelle für Straftäter aus ganz Nordbaden

Veröffentlicht: 12.08.2008
Spielzeit: 02:44


Dem Bösen begegnen - 3Sat.de

http://www.3sat.de/mediathek/frameless.php?url=/kulturzeit/themen/123969/index.html

3sat Kulturzeit: Bericht vom 10.07.2008

Hier finden Sie den Beitrag von Nina Gladitz zur
Behandlungsinitiative Opferschutz und dem
Modellprojekt in der JVA-Mannheim

"Wegsperren, und zwar für immer", postulierte Exbundeskanzler Gerhard Schröder 2001 über Sexualverbrecher. Kaum ein anderes Delikt schürt den Volkszorn so sehr wie Sexualstraftaten vor allem an Kindern. Experten wissen seit langem, dass dem Phänomen des Sexualdeliktes mit härteren Strafen nicht beizukommen ist. Nur mit Hilfe von Therapien lässt sich die Rückfallquote vermindern. Häufig fehlen dafür aber die finanziellen Mittel, beziehungsweise der politische Wille.

Die Rückfallquote nach dem üblichen Verwahrvollzug
von Sexualstraftätern beträgt 40 Prozent
.


(6:06 min)

Strafvollzug mit "höchstmöglichem Nutzen"

"Wir wollen Therapien im Strafvollzug, Psychotherapien, fördern, die einen höchstmöglichen Nutzen haben und opferschützend sind" sagt Klaus Böhm, Richter am OLG Karlsruhe. "Wir kombinieren nach dem Züricher Modell die so genannte Gruppentherapie mit einer einzeltherapeutischen zusätzlichen Betreuung des Gefangenen und wir sorgen dafür, dass die im Vollzug begonnenen Therapien im Wege der ambulanten Nachsorge nach der Entlassung fortgesetzt werden können. Unser Ziel ist, dass jeder Straftäter, der eine Therapie aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung benötigt, eine solche auch erhält, und dass die Kosten auch vom Staat übernommen werden."

Therapie als Opferschutz: Richter Klaus Böhm ist der Initiator eines bisher einmaligen Pilotprojektes in Baden-Württemberg, das Sexualstraftäter über die Haftzeit hinaus therapiert. Reiner Verwahrvollzug führt zu einer Rückfallquote von 40 Prozent. Therapie und Nachsorge drücken die Quote auf fünf Prozent. Sexueller Missbrauch schockiert, besonders wenn Kinder davon betroffen sind. Dreiviertel der Täter stammt aus dem familieren Umfeld. "Ich bin Richter", sagt Klaus Böhm, "und meine Haltung ist da sehr differenziert. Einerseits ist tatsächlich festzustellen, dass in den letzten Jahren die Haft- und Sanktionspraxis zugenommen hat.
Die Strafen und Sanktionen für gefährliche Straftäter werden härter. Nur, in einem Rechtsstaat geht 'Wegsperren für immer' nicht. Wegsperren können sie allenfalls auf viele Jahre hinaus hochgefährliche Straftäter, die wiederholt bereits auffällig geworden sind, und von denen schwere und schwerste Straftaten drohen. Aber um diese Personen geht es hier nicht allein. Denn auch derjenige der erstmals Straffällig wird, bedarf einer Therapie und es muss verhindert werden, dass er die nächste Tat begeht."

Kein Wellness-Programm für Straftäter

Das Projekt "Opferschutz" kostet das Land Baden-Württemberg 100.000 Euro pro Jahr. Ein Zeitungskommentar über einen Missbrauch verrät:

"Die Oma hat es gewusst, zumindest geahnt und nicht geholfen. Sie hatte sie sogar immer wieder mit 'dem Alten' zum Einkaufen geschickt. Auf dem Weg im Auto, sagt die Anwältin, habe Rainer P. das Mädchen mehrmals missbraucht."

Ein Umfeld, das wegschaut, wird zum Teil des Bösen. "Das Bemühen um die Täter und die Einsicht, dass Tätertherapie Opferschutz ist, ist neu", sagt Böhm. "Jedenfalls neu, da es sich auch in der Öffentlichkeit erst langsam verbreitet. Ein Wellness-Programm für Straftäter ist eine Therapie nicht. Mitnichten. Es ist für einen Straftäter, der etwas angestellt hat eine ganz schwierige Situation, wenn er sich mit den Ursachen seiner Tat auseinander setzen muss. In der Regel negieren die Leute das. Sie finden irgendwelche Ausreden, und nun werden sie von den Psychotherapeuten auf die bei ihnen individuell vorliegende Störung angesprochen und sie müssen sich damit beschäftigen. Das ist sehr, sehr unangenehm. Von Wellness-Programm kann dabei beim besten Willen keine Rede sein. Das ist Stress pur."


(5:43 min)

Kein Ausweichen geduldet

In einem alten Gefängnisgebäude wie dem von Mannheim heißt Strafe, zu dritt auf neun Quadratmetern eingepfercht zu sein. Durchs Fensterloch sieht man nur den Himmel. Sexualstraftäter stehen in der Hierarchie ganz unten. Wer sich aber freiwillig der Therapie stellt, kann in einen eigenen Trakt umziehen. Viele Täter macht alleine der Anreiz kooperationsbereit, zu zweit auf zwölf Quadratmeter leben zu können, in einer lichtdurchfluteten Zelle, einen Baum vor dem Fenster zu sehen, und nicht mehr von anderen Gefangenen malträtiert zu werden. Hier herrschen dieselben Gefängnisregeln, aber zusätzlich gehören vier wöchentliche Therapiestunden dazu, die kein Ausweichen vor der Tat mehr dulden. Wer sich ihr nicht stellt, muss in den normalen Vollzug zurück. Die Wirksamkeit der Therapie ist in der Schweiz bereits erprobt. Mancher Täter bekommt erst durch das Therapieangebot ein Bewusstsein für die Schwere seiner Tat, ein Gefühl für das Opfer und nähert sich seinen Abgründen.

"Ich habe das früher etwas zu leicht genommen", sagt ein Insasse. "Und wenn man sich dann einmal selbst in das Opfer hineinversetzt, in die Situation, die man völlig falsch interpretiert hat, hat man noch ganz schön zu arbeiten. Ich hätte vielleicht, wenn ich damals den Mut gehabt hätte, mich der Sache selbst zu stellen, vielleicht doch etwas verändern können. Da bin ich ganz ehrlich und muss sagen, dafür war ich zu feige. Weil, über so ein Thema zu reden, ist mir auch erst hier leichter gefallen."

Verleugnen ist nicht nur die übliche Haltung von Tätern, auch die Gesellschaft und Justiz verleugnen - und werden so zu Komplizen. Ein Zeitungskommentar:

"Das Jugendamt Neuruppin hat bei der Staatsanwalt nachgefragt, ob man sich um die Kinder, die zeitweilig bei Rainer P. wohnen, sorgen müsse. Der Staatsanwalt antwortete, es handle sich um eine bloße Behauptung, die nicht geeignet sei, den Anfangsverdacht einer Straftat zu begründen. Außerdem sei 'das Aufsuchen eines Kellers mit einem Kind nicht strafbar'."

10.07.2008 / Nina Gladitz für Kulturzeit / se

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