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SWR-Bericht JVA-Mannheim 03-2008



SWR 4 Radio-Mitschnitt

Mittschnitt SWR-Bericht JVA-Mannheim

Hier finden Sie den Mittschnitt des kurzen Beitrags, der im März 2008 im Regionalprogramm von SWR 4 Baden-Württemberg Kurpfalz Radio ausgestrahlt wurde.



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Dem Bösen begegnen - 3Sat.de

http://www.3sat.de/mediathek/frameless.php?url=/kulturzeit/themen/123969/index.html

3sat Kulturzeit: Bericht vom 10.07.2008

Hier finden Sie den Beitrag von Nina Gladitz zur
Behandlungsinitiative Opferschutz und dem
Modellprojekt in der JVA-Mannheim

"Wegsperren, und zwar für immer", postulierte Exbundeskanzler Gerhard Schröder 2001 über Sexualverbrecher. Kaum ein anderes Delikt schürt den Volkszorn so sehr wie Sexualstraftaten vor allem an Kindern. Experten wissen seit langem, dass dem Phänomen des Sexualdeliktes mit härteren Strafen nicht beizukommen ist. Nur mit Hilfe von Therapien lässt sich die Rückfallquote vermindern. Häufig fehlen dafür aber die finanziellen Mittel, beziehungsweise der politische Wille.

Die Rückfallquote nach dem üblichen Verwahrvollzug
von Sexualstraftätern beträgt 40 Prozent
.


(6:06 min)

Strafvollzug mit "höchstmöglichem Nutzen"

"Wir wollen Therapien im Strafvollzug, Psychotherapien, fördern, die einen höchstmöglichen Nutzen haben und opferschützend sind" sagt Klaus Böhm, Richter am OLG Karlsruhe. "Wir kombinieren nach dem Züricher Modell die so genannte Gruppentherapie mit einer einzeltherapeutischen zusätzlichen Betreuung des Gefangenen und wir sorgen dafür, dass die im Vollzug begonnenen Therapien im Wege der ambulanten Nachsorge nach der Entlassung fortgesetzt werden können. Unser Ziel ist, dass jeder Straftäter, der eine Therapie aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung benötigt, eine solche auch erhält, und dass die Kosten auch vom Staat übernommen werden."

Therapie als Opferschutz: Richter Klaus Böhm ist der Initiator eines bisher einmaligen Pilotprojektes in Baden-Württemberg, das Sexualstraftäter über die Haftzeit hinaus therapiert. Reiner Verwahrvollzug führt zu einer Rückfallquote von 40 Prozent. Therapie und Nachsorge drücken die Quote auf fünf Prozent. Sexueller Missbrauch schockiert, besonders wenn Kinder davon betroffen sind. Dreiviertel der Täter stammt aus dem familieren Umfeld. "Ich bin Richter", sagt Klaus Böhm, "und meine Haltung ist da sehr differenziert. Einerseits ist tatsächlich festzustellen, dass in den letzten Jahren die Haft- und Sanktionspraxis zugenommen hat.
Die Strafen und Sanktionen für gefährliche Straftäter werden härter. Nur, in einem Rechtsstaat geht 'Wegsperren für immer' nicht. Wegsperren können sie allenfalls auf viele Jahre hinaus hochgefährliche Straftäter, die wiederholt bereits auffällig geworden sind, und von denen schwere und schwerste Straftaten drohen. Aber um diese Personen geht es hier nicht allein. Denn auch derjenige der erstmals Straffällig wird, bedarf einer Therapie und es muss verhindert werden, dass er die nächste Tat begeht."

Kein Wellness-Programm für Straftäter

Das Projekt "Opferschutz" kostet das Land Baden-Württemberg 100.000 Euro pro Jahr. Ein Zeitungskommentar über einen Missbrauch verrät:

"Die Oma hat es gewusst, zumindest geahnt und nicht geholfen. Sie hatte sie sogar immer wieder mit 'dem Alten' zum Einkaufen geschickt. Auf dem Weg im Auto, sagt die Anwältin, habe Rainer P. das Mädchen mehrmals missbraucht."

Ein Umfeld, das wegschaut, wird zum Teil des Bösen. "Das Bemühen um die Täter und die Einsicht, dass Tätertherapie Opferschutz ist, ist neu", sagt Böhm. "Jedenfalls neu, da es sich auch in der Öffentlichkeit erst langsam verbreitet. Ein Wellness-Programm für Straftäter ist eine Therapie nicht. Mitnichten. Es ist für einen Straftäter, der etwas angestellt hat eine ganz schwierige Situation, wenn er sich mit den Ursachen seiner Tat auseinander setzen muss. In der Regel negieren die Leute das. Sie finden irgendwelche Ausreden, und nun werden sie von den Psychotherapeuten auf die bei ihnen individuell vorliegende Störung angesprochen und sie müssen sich damit beschäftigen. Das ist sehr, sehr unangenehm. Von Wellness-Programm kann dabei beim besten Willen keine Rede sein. Das ist Stress pur."


(5:43 min)

Kein Ausweichen geduldet

In einem alten Gefängnisgebäude wie dem von Mannheim heißt Strafe, zu dritt auf neun Quadratmetern eingepfercht zu sein. Durchs Fensterloch sieht man nur den Himmel. Sexualstraftäter stehen in der Hierarchie ganz unten. Wer sich aber freiwillig der Therapie stellt, kann in einen eigenen Trakt umziehen. Viele Täter macht alleine der Anreiz kooperationsbereit, zu zweit auf zwölf Quadratmeter leben zu können, in einer lichtdurchfluteten Zelle, einen Baum vor dem Fenster zu sehen, und nicht mehr von anderen Gefangenen malträtiert zu werden. Hier herrschen dieselben Gefängnisregeln, aber zusätzlich gehören vier wöchentliche Therapiestunden dazu, die kein Ausweichen vor der Tat mehr dulden. Wer sich ihr nicht stellt, muss in den normalen Vollzug zurück. Die Wirksamkeit der Therapie ist in der Schweiz bereits erprobt. Mancher Täter bekommt erst durch das Therapieangebot ein Bewusstsein für die Schwere seiner Tat, ein Gefühl für das Opfer und nähert sich seinen Abgründen.

"Ich habe das früher etwas zu leicht genommen", sagt ein Insasse. "Und wenn man sich dann einmal selbst in das Opfer hineinversetzt, in die Situation, die man völlig falsch interpretiert hat, hat man noch ganz schön zu arbeiten. Ich hätte vielleicht, wenn ich damals den Mut gehabt hätte, mich der Sache selbst zu stellen, vielleicht doch etwas verändern können. Da bin ich ganz ehrlich und muss sagen, dafür war ich zu feige. Weil, über so ein Thema zu reden, ist mir auch erst hier leichter gefallen."

Verleugnen ist nicht nur die übliche Haltung von Tätern, auch die Gesellschaft und Justiz verleugnen - und werden so zu Komplizen. Ein Zeitungskommentar:

"Das Jugendamt Neuruppin hat bei der Staatsanwalt nachgefragt, ob man sich um die Kinder, die zeitweilig bei Rainer P. wohnen, sorgen müsse. Der Staatsanwalt antwortete, es handle sich um eine bloße Behauptung, die nicht geeignet sei, den Anfangsverdacht einer Straftat zu begründen. Außerdem sei 'das Aufsuchen eines Kellers mit einem Kind nicht strafbar'."

10.07.2008 / Nina Gladitz für Kulturzeit / se

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