BIOS schließt Kooperationsvertrag mit der Evangelischen Landeskirche Baden.

fab logo

Opferschutz-Partner


BIOS-Newsletter Empfange HTML?
Besucher heute:1
Besucher gestern:7
Besucher diesen Monat:243
Besucher dieses Jahr:2808
Tägliche Besucher:5716
Montliche Besucher:8421

Therapie für Sexualstraftäter (stimme.de)

http://stimme.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/art1960,1128535


Therapie für Sexualstraftäter

Von Panja Schollbach
Hinter den orangefarbenen Zellentüren im
Behandlungszentrum der JVA Mannheim setzen sich
die Gefangenen mit ihrer Straftat auseinander.
Foto: AP
Image

Mannheim - Das neue Behandlungszentrum „Gewalt- und Sexualstraftäter“ im Mannheimer Gefängnis wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies für Straftäter. Die Gefangenen leben in wohnlichen, geräumigen Zimmern mit großen Fenstern und Vorhängen, die Zellentüren sind in einem warmen Orangeton gestrichen. Doch der erste Eindruck trügt. Die Fenster in dem Spezialtrakt sind vergittert, wenn die Türen hinter den Beamten ins Schloss fallen, werden die Schlüssel umgedreht.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt will durch eine zweijährige Therapie die Rückfallquote von Gewalt- und Sexualstraftätern senken. „Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz“, erklärt der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim, Romeo Schüssler. „Der Preis, den die Gefangenen für die schönen Hafträume bezahlen, ist, sich intensiv mit ihrer Straftat auseinanderzusetzen “, betont der Jurist. Er warnt vor voreiligen Schlüssen: „Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo.“

Keine Pädophilen Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter, die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt wurden. Darunter seien aber keine Pädophilen.

Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, war Überzeugungsarbeit nötig. „Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist - es wäre keiner in dieser Abteilung“, sagt Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Er ist einer von drei Psychotherapeuten, die mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln. Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen.

Auf Anregung der „Behandlungsinitiative Opferschutz“ hatte der Landtag 200 000 Euro zur Behandlung gefährlicher Straftäter in Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung gestellt. Nach Mannheim fließen rund 70 000 Euro. Für das Zentrum wurde ein Stockwerk des alten JVA-Wirtschaftsgebäudes umgebaut. Nun stehen vier Einzel- und vier Gemeinschaftszellen, eine Küche und ein Gruppenraum zur Verfügung .

„Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie“, so Freunscht. „Unsere Therapie findet auch zwischen den Sitzungen statt. Die neuen Erkenntnisse muss man im Alltag umsetzen können.“ Im ersten Teil sollen soziale Kompetenzen erworben werden. Die zweite Etappe werde steiniger, prophezeit der Psychologe. „In der Gruppentherapie ist der Straftäter gezwungen, in sich hineinzusehen und das Deliktszenario in Einzelteilen vor den anderen Teilnehmern darzustellen.“ Für die meisten ein Problem. „Diejenigen, die sich die Tat eingestehen, sind der Meinung, dass das nie wieder vorkommt.“ Oft eine Fehleinschätzung mit Folgen. Impulskontrolle und der Umgang mit Aggressionen stehen unter anderem auf dem Therapieplan.

Nachsorge „Von der Therapie erwarte ich mir die Antwort auf die Frage Warum?“, sagt ein Bewohner. Wegen versuchter Vergewaltigung seiner Frau wurde der 42-Jährige zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. In Zukunft will sich die JVA auch um die Nachsorge der Straftäter kümmern. „Wir wollen eine Ambulanz einrichten, um die Betreuung der Straftäter auch nach der Haftentlassung fortsetzen zu können“, so Schüssler.

Copyright © 2007 by stimme.de
QR-Code dieser Seite