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Neues Therapiezentrum für Gewalttäter in Mannheim (neuro-online.de)

http://www.neuro-online.de/news/kliniken_praxen/
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Täter und Tat - Neues Therapiezentrum für Gewalttäter in Mannheim

Bild: MEV

16.11.2007 MANNHEIM (dpa/lsw) - Das neue Behandlungszentrum «Gewalt- und Sexualstraftäter» im Mannheimer Gefängnis wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies für Straftäter. Die Gefangenen leben in wohnlich eingerichteten, geräumigen Zimmern mit großen Fenstern und Vorhängen, die Zellentüren sind in einem warmen Orangeton gestrichen. Doch der erste Eindruck trügt.


Die Fenster in dem Spezialtrakt sind vergittert, abends werden die Schlüssel umgedreht, die schweren Zellentüren fallen hinter den Beamten ins Schloss.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt, das am Donnerstag nachmittag mit der Eröffnung des Zentrums an den Start gehen sollte, will durch eine spezielle Therapie die Rückfallquote von Sexualstraftätern und anderen Gewalttätern senken. «Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz», erklärt der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim, Romeo Schüssler. «Der Preis, den die Gefangenen für die schönen Hafträume bezahlen, ist sich intensiv mit ihrer Straftat auseinanderzusetzen », betont der JVA- Chef. Der Jurist warnt vor voreiligen Schlüssen: «Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo.»

Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt wurden. Unter den Teilnehmern der auf zwei Jahre ausgelegten Therapie seien aber keine Pädophilen, sagt Schüssler.

Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, war im Vorfeld viel Überzeugungsarbeit nötig. «Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir als Therapeuten nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist - es wäre definitiv keiner in dieser Abteilung», sagt der Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Der JVA- Therapeut ist einer von insgesamt drei Psychotherapeuten, die das Projekt betreuen und mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln. Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen.

Auf Anregung der «Behandlungsinitiative Opferschutz» hatte der baden-württembergische Landtag 200 000 Euro zur Behandlung gefährlicher Straftäter in Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung gestellt. In die Justizvollzugsanstalt Mannheim fließen davon rund 70 000 Euro. Für das Behandlungszentrum wurde ein Stockwerk des alten JVA-Wirtschaftsgebäudes umgebaut, nun stehen vier Einzel- und vier Gemeinschaftszellen, eine Küche und ein Gruppenraum zur Verfügung - Platz für zwölf Teilnehmer.

«Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie», so Freunscht. «Unsere Therapie findet auch zwischen den Sitzungen statt. Die neuen Erkenntnisse muss man im Alltag mit den anderen umsetzen können.» Die Mannheimer JVA habe bisher vor allem Einzeltherapien angeboten. «Das ist oft wie eine Turnübung im luftleeren Raum », glaubt Freunscht.

In einem ersten Teil der Therapie soll es um den Erwerb sozialer Kompetenzen gehen. Die zweite Etappe werde steiniger, prophezeit der Psychologe. «In der Gruppentherapie ist der Straftäter gezwungen, in sich hineinzusehen und das Deliktszenario in Einzelteilen vor den anderen Teilnehmern darzustellen.» Für die meisten ein Problem.
«Diejenigen, die sich die Tat eingestehen sind der Meinung, dass das nie wieder vorkommt.» Oftmals eine Fehleinschätzung mit Folgen. Impulskontrolle und der Umgang mit Aggressionen stehen unter anderem auf dem Therapieplan.

«Von der Therapie erwarte ich mir die Antwort auf die Frage Warum?», erklärt einer der neuen Bewohner des Behandlungszentrums.
Wegen versuchter Vergewaltigung seiner Frau wurde der 42-Jährige zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

In Zukunft will sich die größte Haftanstalt im Land nicht nur um Prävention, sondern auch um die Nachsorge der im Behandlungszentrum therapierten Straftäter kümmern. «Wir wollen eine Ambulanz einrichten, um die Betreuung der Straftäter auch nach der Haftentlassung fortsetzen zu können», betont JVA-Chef Schüssler.

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