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Neue Therapie soll Rückfallrisiko senken (hnp-online.de)

http://www.hnp-online.de/index.php?mode=full&cat=173&open=&open_u=&&minDate=&begin=
0&id=358089&s_id=e4a80ec5a15aba7b0ba6ba361d50a0ed

Rubrik 'Südwest-Umschau' - SWP - 17.11.2007


JUSTIZ / Spezialabteilung für gefährliche Sextäter
Neue Therapie soll Rückfallrisiko senken

Ziel ist ein Leben ohne neue Straftaten. Sexualtäter können im Mannheimer Gefängnis eine Therapie machen. "Das ist kein Streichelzoo", versichert der Anstaltsleiter.


In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim gibt es ein neues Pilotprojekt zur Therapie von Sexualstraftätern. Als erste Regelvollzugsanstalt im Land will das Gefängnis mit gezielten Einzel- und Gruppentherapien das Rückfallrisiko senken. Auch in den Gefängnissen Heilbronn und Heimsheim (Enzkreis) soll es in Zukunft solche Abteilungen geben. Auf Anregung der "Behandlungsinitiative Opferschutz" hatte der Landtag die Haushaltsmittel zur Behandlung gefährlicher Sexualtäter zur Verfügung gestellt. "Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz", sagte Romeo Schüssler, Leiter des Mannheimer Gefängnisses. Bewährte Methoden würden in der Therapie mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kombiniert. Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter, die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch Strafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verbüßen.

In einem sanierten Zellentrakt außerhalb des Hauptgebäudes hat die JVA vier Einzel- und vier Doppelzimmer für die Spezialabteilung geschaffen. Die modernisierten Hafträume sollen keine falschen Eindrücke vermitteln: "Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo", sagte Anstaltsleiter Schüssler. In der Therapie gehe es um das Aufarbeiten der Verbrechen - und das Erlernen sozialer Kompetenzen. Den Patienten sollen Methoden an die Hand gegeben werden, um sich in bestimmten Situationen korrekt zu verhalten zu können, ohne erneut straffällig zu werden. Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, mussten sie erst überzeugt werden. "Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir als Therapeuten nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist, es wäre definitiv keiner in dieser Abteilung", sagte der Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Er ist einer der Psychotherapeuten des Projekts, die mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln. Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen. Zwei Anstaltspsychologen und ein externer Psychologe betreuen die Straftäter in Mannheim. Nach einer späteren Entlassung sollen die Patienten außerdem nicht plötzlich ohne Psychotherapie dastehen. Auch eine Nachbetreuung steht auf dem Programm. "Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie", sagte Psychologe Freunscht. Die neu gewonnenen Erkenntnisse aus der Therapie könnten die verurteilten Straftäter sofort im Alltag mit den anderen Gruppenmitgliedern umsetzen. Opfer besser schützen Die "Behandlungsinitiative Opferschutz" ist ein Zusammenschluss unter anderen von Richtern, Staatsanwälten, Psychiatern, Sozialarbeitern, Bewährungshelfern, Rechtsanwälten und Journalisten, die sich dafür einsetzen, dass den Opfern besser geholfen wird als bisher.

Die vom Landtag zugewiesenen Finanzmittel - 200 000 Euro für 2007 und 2008 - reichten bei weitem nicht aus zur Deckung des Therapiebedarfs, kritisierte die Initiative. In Mannheim, der größten Haftanstalt in Baden-Württemberg, und in der Außenstelle des Gefängnisses in Heidelberg verbüßen derzeit rund 750 Gefangene ihre Haftstrafen, darunter sind rund 70 Sexualstraftäter. Zum neuen Therapieprojekt gehören auch Pläne zur Einrichtung einer Ambulanz. Schwerpunkt hier soll dann die Täter-Betreuung nach der Haftentlassung werden.

(c)  LSW - hnp-online.de

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