BIOS schließt Kooperationsvertrag mit der Evangelischen Landeskirche Baden.

fab logo

Opferschutz-Partner


BIOS-Newsletter Empfange HTML?
Besucher heute:26
Besucher gestern:10
Besucher diesen Monat:360
Besucher dieses Jahr:3745
Tägliche Besucher:5716
Montliche Besucher:8421

Einfach nur wegsperren ist keine Lösung (rnz.de)

http://www.rnz.de/zusammen10/00_20071116085200_Einfach_nur_wegsperren_ist_keine_Loesung.html


„Einfach nur wegsperren ist keine Lösung"

Hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt Mannheim werden gefährliche Straftäter seit gestern in der neuen Behandlungsabteilung therapiert. Neben vier Einzel- und vier Doppelzellen gibt es auch einen Gruppenraum (Bild). Fotos: vaf
Hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt Mannheim werden gefährliche Straftäter seit gestern in der neuen Behandlungsabteilung therapiert. Neben vier Einzel- und vier Doppelzellen gibt es auch einen Gruppenraum (Bild). Fotos: vaf

Von Stefan Hagen

"Die Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Resozialisierung. Einfach nur wegsperren ist keine Lösung". Regierungsdirektor Romeo Schüssler, Leiter der Justizvollzugsanstalt Mannheim (JVA), machte gestern unmissverständlich deutlich, dass die Gesellschaft ein Recht auf den bestmöglichen Schutz vor Straftätern hat. Und dazu gehöre auch eine wirkungsvolle Therapie, um die Rückfallquote nachhaltig zu senken.

Denn irgendwann öffnen sich die Tore wieder", sagte Schüssler anlässlich der gestrigen Eröffnung der Behandlungsabteilung für Gewalt- und Sexualstraftäter. Mit diesem Projekt geht die JVA Mannheim als erste Regelvollzugsanstalt in Baden-Württemberg bei der Therapie von Straftätern neue Wege.

Mit gezielten Einzel- und Gruppentherapien soll das Rückfallrisiko vermindert werden, denn "bisher wurden rund 50 Prozent der Gewalt- und Straftäter ohne Therapie aus der Haft entlassen", kritisierte Richter Klaus Böhm von der "Behandlungsinitiative Opferschutz". Deshalb habe man immer wieder neue Maßnahmen gefordert und sei damit im Stuttgarter Landtag auf offene Ohren gestoßen. "Das nenne ich verantwortungsvolle Politik", sagte Böhm.

So stellt der Landtag nun erstmals Mittel zur Behandlung von gefährlichen Straftätern in den Haftanstalten Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung. Die auf zwei Jahre ausgelegte Therapie wird vom Land mit 100 000 Euro pro Jahr finanziert. "Die restlichen Mittel sollen durch Spenden zusammenkommen", hofft Böhm auf weitere Geldgeber. "Ein Großteil der Straftäter bekommt bis heute keine individuelle Behandlung. Da haben wir einen großen Nachholbedarf", unterstrich auch CDU-Landtagsfraktionschef Stefan Mappus die Notwendigkeit des neuen Projekts.

"Dieser Ansatz muss unterstützt und gefördert werden", betonte der CDU-Politiker. Schließlich wolle man den Schutz der Bevölkerung optimieren. Ins gleiche Horn stieß Ministerialdirektor Michael Steindorfner vom Justizministerium. "Für die Landesregierung hat der Schutz der Bürger vor Sexualstraftätern oberste Priorität". Mannheim sei im Gesamtkonzept ein wichtiger Baustein. Er sei überzeugt, sagte Steindorfner, "dass die Abteilung über die Pilotphase hinaus eine anerkannte Einrichtung wird". Die neuen Maßnahmen sollen die Gefangenen in erster Linie dazu befähigen, nach der Entlassung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Dazu werden in der Therapie allgemeine rückfallverhütende Einstellungen, Fähigkeiten und Ressourcen aufgebaut beziehungsweise gefestigt. Außerdem wird eine intensive Deliktberatung mit Rückfallprophylaxe durchgeführt. Für die Realisierung des Modellversuchs hat die JVA Mannheim gesonderte Räumlichkeiten mit mehreren Zellentrakten innerhalb der Anstalt eingerichtet. Dort sind die zunächst zehn Gefangenen dauerhaft untergebracht.

"Aber eine Wunderheilung darf man nicht erwarten", zeigte sich Anstaltsleiter Schüssler realistisch. Auch werde man mit der Therapie nicht jeden Täter erreichen. "Das zu denken, wäre blauäugig". Aber für die Gefangenen werde die Therapie "kein Zuckerschlecken".

Copyright (c) rnz-online
QR-Code dieser Seite