BIOS schließt Kooperationsvertrag mit der Evangelischen Landeskirche Baden.

fab logo

Opferschutz-Partner


BIOS-Newsletter Empfange HTML?
Besucher heute:13
Besucher gestern:13
Besucher diesen Monat:294
Besucher dieses Jahr:4659
Tägliche Besucher:5716
Montliche Besucher:8421

Therapieren ist billiger als Wegsperren

"Therapieren ist billiger als Wegsperren" 

Karlsruhe (epd). Die Diskussion um das deutsche Strafrecht zur nachträglichen Sicherungsverwahrung ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Brüssel gerügt worden. Was dazu führte, dass das Bundesverfassungsgericht im Februar 2011 die komplette Rechtssprechung der vergangenen Jahre zu diesem Thema kippte. Jetzt liegt eine Studie aus der Schweiz vor, wonach im Kanton Zürich durch eine konsequente psychotherapeutische Behandlung die Rückfallquote bei Gewalt- und Sexualstraftätern um mehr als 60 Prozent gesunken sei und sich dadurch sehr viel Geld einsparen ließe.

"Das ist ein fantastisches Ergebnis", meint der Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe, Klaus Böhm. Seit Jahren fordert er mit der in Karlsruhe ansässigen Opferschutzinitiative BIOS in Baden-Württemberg, dass das deutsche Strafrecht im Umgang mit Schwerstkriminellen verändert werden müsse. So wie in der Schweiz, wo ein Richter die Verpflichtung zur umfangreichen Begutachtung von Gewalt- und Sexualstraftätern und etwaige therapeutische Maßnahmen schon in der gerichtlichen Hauptverhandlung anordnen kann.

"Das gibt es in Deutschland nicht, wird aber mit Sicherheit in zwei bis drei Jahren von Brüssel kommen", prognostiziert Böhm. Im März 2009 hatte die Initiative dem Bundesjustizministerium ein Memorandum zur Verbesserung des präventiven Opferschutzes vorgelegt mit all diesen Forderungen, derzeit werde es in den entsprechenden politischen Gremien diskutiert. In dem Memorandum weist der Verein auch darauf hin, dass die Kosten für eine frühe therapeutische Behandlung wesentlich geringer seien als bei einer Rückfälligkeit mit anschließenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und einer erneuten Inhaftierung.

Bei einem Vortrag in Freiburg habe man ihm im vergangenen Jahr "inhaltlich zwar recht gegeben", ihn zugleich aber darauf hingewiesen, dass eine Gesetzesänderung in Deutschland nur möglich sei, "wenn es auch viel Geld einspart". Die Zürcher Studie belegt nun diese BIOS-These. In der Schweiz wurden aufgrund der dort seit 1997 konsequent durchgeführten psychotherapeutischen Behandlungen von straffällig gewordenen Gewalt- und Sexualstraftätern in oder außerhalb des Strafvollzugs die ansonsten angefallenen Haftkosten um mehr als die Hälfte reduziert, die Rückfallquote dieser Straftäter sank um 63 Prozent auf nun nur noch drei Prozent.

"Mit Wegsperren ist es nicht getan", sagt auch der 72-jährige Manfred Lautenschläger. Auch ein Schwerstkrimineller wie Gewalt- und Sexualstraftäter sei ein Mensch, um den man sich kümmern müsse, ist der gebürtige Karlsruher und deutsche Unternehmer überzeugt. Deshalb will er "den Finger in die Wunde legen und der Politik noch mehr den Spiegel vor Augen halten".

Mit einer sechsstelligen Summe unterstützt die Manfred Lautenschläger Stiftung den Opferschutzverein deshalb beim Aufbau zweier Behandlungsabteilungen in den Justizvollzugsanstalten Adelsheim und Offenburg. Wenn ein aus der Sicherheitsverwahrung entlassener Straftäter durch die nachträgliche Bewachung "rund eine halbe Million Euro im Jahr" koste, eine erfolgreiche Therapie aber nicht mal ein Zehntel, dann schüttelt der Wirtschaftsexperte nur den Kopf. "Jeder Investor würde hier anlegen, wenn er weiß, dass man jährlich mehrere Millionen Euro einspart", sagt Lautenschläger.

Therapieren ist billiger als wegsperren - Karlsruher Opferschutzinitiative sieht in neuen Therapieansätzen für gefährliche Gewalt- und Sexualstraftäter eine riesige Kostenentlastung

 

Von Ralf Schick (epd) (1593/15.07.2011)

  

 

 

QR-Code dieser Seite