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Psychotherapie gegen hohe Rückfallquote (morgenweb.de)

http://www.morgenweb.de/nachrichten/politik/20071215_srv0000001899126.html

Pilotprojekt: Gewalttäter werden in Heimsheim behandelt

Psychotherapie gegen hohe Rückfallquote

Heimsheim. Drei Pilotprojekte in Gefängnissen in Baden-Württemberg sollen die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren. Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU), zeigte sich gestern in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim (Enzkreis), überzeugt, dass die Programme von Erfolg gekrönt sein und sich landesweit etablieren werden. Die "Behandlungsinitiative Opferschutz" hatte das Projekt angestoßen, um die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Straftäter zu verringern. Die CDU im Landtag fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100 000 Euro.

Erinnerung an Fall Carolin

Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Michael Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnerten an den tragischen Fall der ermordeten 16-jährigen Carolin: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt, erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

In Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht. Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie durch interne und externe Therapeuten.

Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen. Weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Männer weiter Kontakt zu den externen Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Doch auch bei Gewalttaten habe man mit psychotherapeutischen Behandlungen gute Erfahrungen gemacht, sagte Steindorfner. Diese sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. In Mannheim werden seit etwa einem Monat Sexualstraftäter behandelt, in Heilbronn sollen ab 2008 weniger schwere Gewalttäter therapiert werden.

Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht in Karlsruhe, sagte, ein Projekt wie in Heimsheim sei im Schweizer Kanton Zürich bereits Standard, in Deutschland jedoch noch Neuland. Er hoffe, dass das Land die Mittel auch nach 2008 weiter bereit stellen werde. Auch bei schweren Gewalttätern könne durch Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

Hälfte erhält keine Therapie

Wenn auch der dritte Teil des Projekts in Heilbronn läuft, werden im Südwesten etwa 35 Straftäter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult. Das ist nicht viel: Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden-Württemberg 450 Täter in Haft. Mehr als die Hälfte aller rund 8300 Strafgefangenen in Baden-Württemberg erhalten überhaupt keine Behandlung, sagt Böhm. lsw

© Mannheimer Morgen
15. Dezember 2007


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