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Keine Chance auf Therapie? (suedwest-aktiv.de)

http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/suedwestumschau/
3501414/artikel.php?SWAID=332aab2f42da1f5b4536f33ac0452732


Keine Chance auf Therapie?

Initiative spricht von schlimmen Zuständen in Gefängnissen

Gefährliche Verbrecher werden ohne Therapie entlassen. Experten beklagen daher "schlimme Zustände" im Strafvollzug, das Ministerium widerspricht.

HANS GEORG FRANK



Karlsruhe  In den Gefängnissen des Landes sitzen immer mehr Gewaltstraftäter ein. Die meisten von ihnen haben während der Haft keine Chance auf eine Therapie. "Es ist nicht zu verantworten, wenn man einen hochgefährlichen Mann nach fünf oder sechs Jahren springen lässt, ohne etwas zu tun", kritisierte Klaus Michael Böhm (52), "der kommt ja nicht besser raus." Der Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe ist einer der Gründer der "Behandlungsinitiative Opferschutz" (Bios), er spricht von "schlimmen Zuständen".

"In Baden-Württemberg herrschen keine schlimmen Zustände", sagte dagegen Stefan Wirz, Sprecher von Justizminister Ulrich Goll (FDP). Er verwies auf "vielfältige interne und externe Möglichkeiten". Demnach gibt es neben Sozial- und Drogentherapien eine "deliktspezifische Psychotherapie" in Bruchsal, Freiburg, Heilbronn und Ravensburg mit insgesamt 60 Plätzen. In Offenburg entstünden ab 2009 weitere 60 Plätze.

Böhms seit 2005 bestehende Interessengemeinschaft von rund 200 Gleichgesinnten, überwiegend Juristen, Vollzugsangehörige, Psychiater, Psychologen, Polizisten und Politiker, genügen diese Anstrengungen nicht. Sie will mehr und hat bereits drei Erfolge aufzuweisen. Seit 15. November 2007 gibt es in der Justizvollzugsanstalt Mannheim eine Therapiegruppe für Sexualstraftäter, seit 14. Dezember 2007 werden an der JVA Heimsheim schwere Gewalttäter wie Mörder betreut. An diesem Freitag folgt eine "sozialtherapeutisch ausgerichtete Wohn- und Behandlungsabteilung für Gewaltstraftäter" in Heilbronn.

Damit wird reagiert auf die erhebliche Zunahme von Gewaltstraftaten, deren Anzahl sich in den letzten 20 Jahren beinahe verdoppelt habe. Allein in Heilbronn gehören von den derzeit fast 500 Inhaftierten 150 zu dieser Klientel, die wegen ihrer Aggressivität als "dringend behandlungsbedürftig" gilt. In die neue Gruppe können zehn Delinquenten aufgenommen werden.

Bezahlt wird das Heilbronner Projekt über Sondermittel des Landes, aus Zuwendungen von "Bios" und über Geldbußen in Höhe von 10 000 Euro, die die örtliche Staatsanwaltschaft dafür überweisen lässt. Diese Form der Finanzierung, so Böhm, sei bundesweit einmalig.

Die Landesregierung hatte überzeugt werden können, dass dieser Bereich des Strafvollzugs besonderer Förderung bedarf. Deshalb wurden einmalig 100 000 Euro bereitgestellt. "Dieses Geld langt aber hinten und vorne nicht", sagte Böhm der SÜDWEST PRESSE. Für eine optimale Arbeit seien jährlich zwei bis drei Millionen Euro nötig. "Doch auch mit 400 000 Euro könnten wir schon viel erreichen." Erstrebenswert seien zwei zusätzliche Planstellen für Psychotherapeuten in jeder der sechs großen Haftanstalten.

Dass etwas getan werden müsse, hätten die Politiker erkannt, erklärte Böhm, "aber wir haben halt das Problem der leeren Kassen". Deshalb würden nicht einmal zehn Prozent der Sexualstraftäter behandelt, bei Gewaltstraftätern sehe die Lage noch schlechter aus.

Für ideal hält Richter Böhm das "Schweizer Vorbild". In Zürich sei dank gezielter, "deliktorientierter" Betreuung die Rückfallquote bei Vergewaltigern von 40 auf fünf Prozent gesenkt worden: "Das ist wirklicher Opferschutz." Denn allein durch immer schärfere Haft- und Sanktionspraxis sei ausreichende Sicherheit vor gefährlichen Verbrechern nicht zu erreichen.

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