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Wegsperren allein reicht nicht (pforzheimer-zeitung)

Pforzheimer Zeitung

Wegsperren allein reicht nicht

Spezielle Therapie soll die Rückfallquote schwerer Gewalttäter verringern – Landesweiter Modellversuch auch in Heimsheim


Die Psychologen Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg wenden im Heimsheimer Knast eine neuartige kombinierte Einzel- und Gruppentherapie an, um knapp zehn schwere Gewalttäter nach der Entlassung vor einem Rückfall zu bewahren.  Foto: Seibel


HEIMSHEIM Die Zahl der Gewaltstraftaten in Baden-Württemberg ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen. Ein Pilotprojekt im Heimsheimer Gefängnis für schwere Gewalttäter soll die Rückfallquote senken.

PZ-REDAKTEUR
RALF STEINERT

Zwei Richter aus Pforzheim, die sich in der Initiative Opferschutz engagieren, haben den landesweiten Modellversuch in den Gefängnissen in Heimsheim, Mannheim und demnächst in Heilbronn auf den Weg gebracht. „Psychologen versuchen mit einer kombinierten Einzel- und Gruppentherapie, Sexualstraftäter und schwere Gewalttäter vor einem Rückfall zu bewahren“, sagen Hermann Meyer und Klaus Michael Böhm. „Wir wollen verhindern, dass es nach der Entlassung erneut Opfer gibt“, so Meyer, Vorsitzender Richter der Pforzheimer Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe, und Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe.

Die Schweiz als Vorbild

„Das darf doch nicht wahr sein“, sagten Meyer und Böhm, als sie entdeckten, dass es keine spezielle Therapie für Gewalttäter gibt. Die Behandlung von Straftätern diene nicht nur der Wiedereingliederung, sondern vor allem dem Opferschutz. Die Schweiz sei auf diesem Weg weiter als Deutschland. „Eine Studie des psychiatrisch-psychologische Dienstes im Justizvollzug in Zürich hat gezeigt, dass die Rückfallquote sogar halbiert werden kann, wenn die Täter ihre Straftat therapeutisch aufarbeiten“, sagt Klaus Michael Böhm. Nur die wenigsten Straftäter bleiben lebenslang im Knast. Die meisten kommen wieder raus, doch die Persönlichkeitsstörungen haben sich nicht in Luft aufgelöst. Wegsperren allein genügt nicht.

„In Zürich erhält jeder gefährliche Straftäter, der behandlungswillig und -fähig ist, bereits zu Beginn der Haft eine Therapie, die individuell auf ihn zugeschnitten ist“, lobt Böhm das Schweizer Konzept. Hierzulande fehle es in Zeiten leerer Kassen am Geld, ähnliche Behandlungskonzepte einzuführen. „Das darf doch nicht wahr sein“, sei es auch dem Pforzheimer Stefan Mappus entfahren, als Hermann Meyer mit ihm über die Lücke im Vollzug sprach. Mappus, Chef der CDU-Landtagsfraktion, handelte schnell – und die Regierungskoalition machte für die Jahre 2007 und 2008 jeweils 100 000 Euro für ein Pilotprojekt in drei baden-württembergischen Gefängnissen locker.

Jetzt musste auch die Opferschutz-Initiative schnell schalten. Richter, Staatsanwälte, Psychologen, Rechtsanwälte und Mitarbeiter im Vollzug, die in der Basisbewegung aktiv sind, tauschten ihre Ideen via Internet aus, um das Modell zu starten. Im November begann in Mannheim das Projekt für Sexualstraftäter, gestern war Heimsheim an der Reihe. „Erstmals können wir Tätern, die eine über vierjährige Strafe verbüßen, eine passende und Erfolg versprechende Therapie anbieten“, sagte Gefängnisleiter Hubert Fluhr. Die Behandlung ist kein Zuckerschlecken für die Knackis. „Nicht jeder ist dafür geeignet“, so Fluhr. Die externe Diplom-Psychologin Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg, Psychotherapeut im Heimsheimer Gefängnis, betreuen zwei Jahre lang knapp zehn Täter. Beide leiten gemeinsam die wöchentliche Gruppentherapie. Köhler übernimmt einmal pro Woche die Einzeltherapie.

PZ Modellversuch Straftäter Heimsheim.pdf (545.59 KB)
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