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Therapie für Gewalttäter (bietigheimerzeitung.de)

http://www.bietigheimerzeitung.de/bz/html/news/artikel_suedwestumschau.php4?artikel=3289975

HEIMSHEIM, 15. DEZEMBER 2007

STRAFVOLLZUG / PILOTPROJEKT IN DREI GEFÄNGNISSEN

Therapie für Gewalttäter

Rückfallquote soll verringert werden - Gute Erfahrungen

Ein Modellprojekt soll die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Gewalt- und Sexualstraftäter vermindern helfen. In Mannheim, Heimsheim und Heilbronn werden die Betroffenen zwei Jahre lang einer kombinierten Einzel- und Gruppenpsychotherapie unterzogen.

Ein Pilotprojekt in drei Gefängnissen im Land soll die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren. Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU), zeigte sich gestern in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim (Enzkreis) überzeugt, dass die Programme von Erfolg gekrönt sein und sich landesweit etablieren werden. Die Behandlungsinitiative Opferschutz hatte das Projekt angestoßen, um die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Straftäter zu verringern. Das Land fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100 000 Euro, die Initiative hat 20 000 Euro eingeworben.

In Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht.

Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie durch interne und externe Therapeuten. Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen; weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Strafgefangenen weiter Kontakt zu den externen Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Neuland in Deutschland

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Doch auch bei Gewalttaten habe man mit psychotherapeutischen Behandlungen gute Erfahrungen gemacht, sagte Steindorfner. Diese sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. In Mannheim werden seit etwa einem Monat Sexualstraftäter behandelt, in Heilbronn sollen von 2008 an weniger schwere Gewalttäter therapiert werden.

Das Projekt in Heimsheim erhält 30 000 Euro der Landesmittel und 5000 Euro von der Initiative Opferschutz. Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht in Karlsruhe und Mitbegründer der Initiative Opferschutz, sagte, ein solches Projekt sei im Schweizer Kanton Zürich bereits Standard, in Deutschland jedoch noch Neuland. Er hoffe, dass das Land die Mittel auch nach 2008 weiter bereitstellen werde. Auch bei schweren Gewalttätern könne durch solche Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

Böhm und der Strafrichter Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Rostocker Mordfall Carolin. Der Mörder der 16-Jährigen war nach sieben Jahren Haft wegen Vergewaltigung erst zwei Wochen vor der Tat im Juli 2005 entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt. Erst ein Jahr vor seiner Haftentlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren. Der 29-Jährige wurde für den Mädchenmord schließlich zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

VON LSW
© Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim mbH

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