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Beim Menschen geht es nicht wie... (stuttgarter-zeitung.de)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1591212

Beim Menschen geht es nicht wie bei der Autoreparatur

Bundesweites Pilotprojekt startet im Heimsheimer Gefängnis - Lob für die besonderen Therapieansätze und Lacherfolg für den Bürgermeister

Heimsheim. In der Justizvollzugsanstalt ist gestern ein bundesweit einzigartiges Projekt vorgestellt worden: Gewalttäter sollen intensiv therapiert werden - und so ihre Zukunft in den Griff bekommen. Hochrangige Justizpolitiker und Experten haben sich dazu in Heimsheim getroffen.

Von Peter Meuer

So viel Justiz ist selten in einem Gefängnis versammelt: Generalstaatsanwälte, Richter, Justizpolitiker aller Couleur aus dem Landtag waren nach Heimsheim gekommen, um den Startschuss für ein besonderes Konzept zu geben. Schwere Gewalttäter, Mörder und Totschläger sollen ab Januar intensive Therapie erfahren. Der Verein Behandlungsinitiative Opferschutz hat das baden-württembergische Projekt ins Leben gerufen, das gleichzeitig noch in den Gefängnissen Mannheim und Heilbronn startet - dort allerdings mit Sexualstraftätern und leichten Gewalttätern (siehe auch Seite 8).

Gruppentherapien und eine regelmäßige psychotherapeutische Betreuung nach der Entlassung sollen Straftäter davon abhalten, später wieder gewalttätig zu werden. Die Psychotherapeutin Maria-Friederike Köhler gestaltet das Programm mit. Die 38-jährige hat in Jena und Leipzig Psychologie studiert und wird künftig an drei Tagen in der Woche zunächst acht Gewalttäter in Heimsheim betreuen. Sie hat schon vorher als Psychologin in der Sozialtherapie, im Strafvollzug und im Maßregelvollzug gearbeitet. Neu ist für sie eher, aus der bundesdeutschen Hauptstadt in die schwäbische Idylle zu ziehen. "Aber es fängt schon an, mir hier zu gefallen", sagt sie lächelnd, "sonst würde ich schließlich nicht herkommen." An dem Behandlungsprogramm waren mehrere baden-württembergische Justizvollzugsanstalten interessiert. Wieso ist die Wahl aber neben Mannheim und Heilbronn auf Heimsheim gefallen? "Das hat im Wesentlichen zwei Gründe, erklärt Richter Klaus Michael Böhm vom Oberlandesgericht Karlsruhe von der Behandlungsinitiative Opferschutz. "Es gibt hier einen entsprechenden Bedarf, andererseits haben wir in Heimsheim schon hervorragende Therapeuten mit viel Erfahrung." Diese Erfahrung in Heimsheim rührt nicht zuletzt daher, dass die Heimsheimer Anstaltspsychologen schon seit fast zehn Jahren ähnliche Gruppentherapien für Sexualstraftäter anbieten.

Die Ansätze zur Therapie für Gewalttäter sind ähnlich. "Die Täter müssen die Behandlung wollen, sich mit ihren eigenen dunklen Seiten auseinandersetzen", sagt der Psychologe Bert Mäckelburg vom Heimsheimer Gefängnis. "Sie müssen erkennen, wie sie zum Täter geworden sind." Das sei aber nicht wie eine Autoreparatur. Man könnte nicht einfach Teile eines Menschen austauschen.

Ein besonderes aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept sei in dieser Art bundesweit einzigartig. "Bei Vergewaltigungen wissen wir, dass nach solchen Therapien die Zahl der Rückfälle von etwa 40 Prozent auf 5 Prozent sinken kann", sagt der Richter Klaus Michael Böhm. Neben all den juristischen und politischen Schwergewichten, die sich gestern in der Justizvollzugsanstalt trafen, machte der Heimsheimer Bürgermeister Uwe Rupp eine gute Figur.

Er hatte die Lacher auf seiner Seite, weil er das Gefängnis mit seinen 500 Insassen als "Heimsheimer Höhenstadtteil" anpries. Tatsächlich sei die "JVA mittlerweile fester Bestandteil unserer Schleglerstadt", sagte Rupp auch mit Blick auf die vielen ehrenamtlichen Initiativen, die den Knastalltag erhellen.

15.12.2007 - aktualisiert: 15.12.2007 06:03 Uhr
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