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Festakt Justizvollzugsanstalt Heimsheim (stratfrecht-online.de)

http://www.strafrecht-online.de/?id=708


Festakt anlässlich der Einführung des
Behandlungsprogramms für schwere Gewaltstraftäter im Regelvollzug
in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim

Zeit: 14.12.2007, 10.30 Uhr

Ort: Justizvollzugsanstalt Heimsheim


Neben dem bereits seit 1998 bestehenden Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter wird jetzt in der JVA Heimsheim zusätzlich ein Behandlungsprogramm für schwere Gewaltstraftäter eingerichtet.

Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass das Ende Januar 1998 in Kraft getretene Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straftaten zwar zu einer Ausweitung der Behandlung von Sexualstraftätern führte, andere nicht minder gefährliche Täter, wie vor allem schwere Gewaltstraftäter, hiervon aber weitgehend unberücksichtigt blieben. Die Maßnahme dient dem Opferschutz, denn nach gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen kann durch eine indizierte Therapie das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert werden.

Bei dieser Maßnahme handelt es sich landesweit um das erste Projekt einer umfassenden psychotherapeutischen Behandlung schwerer Gewaltstraftäter im Regelstrafvollzug.

Dabei kombiniert es mehrere bewährte und wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethoden und stützt sich neben den eigenen, in fast 10-jähriger Therapiearbeit mit Sexualstraftätern gewonnenen Erfahrungen auf die Erkenntnisse mehrerer im Strafvollzug, in der Sozialtherapie sowie im Maßregelvollzug tätiger Fachleute. So erhalten die Strafgefangenen neben einer auf dem bewährten „Behandlungsprogramm für Straftäter (BPS)“ von Wischka u.a. (2002) basierenden Gruppenpsychotherapie zusätzlich eine durch die Psychotherapeutische Ambulanz des Bewährungshilfevereins Stuttgart e. V übernommene einzelpsychotherapeutische Behandlung, in welcher die mit dem Delikt in Zusammenhang stehenden psychischen Störungen behandelt werden.

Eine solche Kombination verschiedener psychotherapeutischer Ansätze bietet nach Erfahrungen aus der bundesdeutschen Sozialtherapie sowie aus dem Strafvollzug der Schweiz - dem psychiatrisch-psychologischen Dienst - PPD – des Züricher Amtes für Justizvollzug - eine verlässliche Grundlage für eine deutliche Reduzierung des Rückfallrisikos und damit einem effektiven Opferschutz. Durch die Anbindung der externen Psychotherapie an die Psychotherapeutische Ambulanz des Bewährungshilfevereins Stuttgart e.V. wird auf die seit 1998 bestehende enge Zusammenarbeit bei der Behandlung von Sexualstraftätern aufgebaut. Somit ist sichergestellt, dass die in der Haft begonnene Behandlung auch nach der Entlassung im Wege der ambulanten Nachsorge fortgesetzt werden kann.

Bundesweit einmalig ist das Projekt auch im Hinblick auf seine Finanzierung. Es reiht sich ein in insgesamt drei in Baden Württemberg durchgeführte Modelversuche zur Behandlung gefährlicher Gewalt- und Sexualstraftäter, deren Kosten aus Sondermitteln des Landtages von Baden Württemberg und aus Zuwendungen (zu 20 %) der Behandlungsinitiative Opferschutz - und damit von Bürgern –  getragen werden.

An der Eröffnungsfeierlichkeit werden zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Justiz teilnehmen.

 

Zum Projekt in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim im Einzelnen:

Die Gruppe besteht aus acht Teilnehmern, welche alle Strafen von mehr als vier Jahren zu verbüßen haben. Die bei diesen vorhandenen psychischen Störungen sind bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar geworden, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht. Die Einzelpsychotherapien finden einmal wöchentlich bei einer externen Psychotherapeutin innerhalb der JVA Heimsheim statt, wohingegen die einmal wö-chentlich stattfindenden Gruppenpsychotherapiesitzungen dort gemeinsam von der externen Psychotherapeutin und einem Anstaltspsychologen geleitet werden.

Die Behandlungskonzeption lehnt sich an bestehende Therapiemanuale, wie etwa das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter (BPS, Wischka et al., 2002), an. Als Therapieziele sind unter anderem vorgesehen: die Verantwortungsübernahme für die Straftat, die Entwicklung von Schuld- und Konfliktbewusstsein, die Übernahme der Opferperspektive, das Erkennen eigener Defizite bzw. Schwachpunkte insbesondere in Zusammenhang mit der Tatbegehung, der Aufbau von Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle und sozialen Fertigkeiten, die Aufarbeitung sonstiger tatrelevanter Defizite sowie vor allem die Rückfallvermeidung. Die Unterbringung der Strafgefangenen in einer gesonderten Behandlungsabteilung wird angestrebt, ist aber wegen der baulichen Voraussetzungen derzeit noch nicht möglich. Sämtliche Gefangene gehen einer Arbeit innerhalb der Anstalt nach. Die Kernbehandlungszeit ist auf zwei Jahre angelegt.

 

Organisatorische Hinweise:

Aus Sicherheitsgründen ist eine vorherige namentliche Anmeldung der Teilnehmer unter 07033-3001-105 oder -210 oder durch Rückmail an die Behandlungsinitiative Opferschutz erforderlich.

Eine google-map-Wegbeschreibung zur JVA Heimsheim finden Sie unter:  www.behandlungsinitiative-opferschutz.de (Standorte)

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