BIOS schließt Kooperationsvertrag mit der Evangelischen Landeskirche Baden.

fab logo

Opferschutz-Partner


BIOS-Newsletter Empfange HTML?
Besucher heute:25
Besucher gestern:10
Besucher diesen Monat:359
Besucher dieses Jahr:3744
Tägliche Besucher:5716
Montliche Besucher:8421

Sozialtherapie für Sexual- und Gewaltstraftäter (swr.de)

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=3383770/1ksn2so/index.html


 Sozialtherapie für Sexual- und Gewaltstraftäter

Eine neue Abteilung für Sozialtherapie soll im Heilbronner Gefängnis die Rückfallquote von Gewaltstraftätern senken. Eine soziale Wiedereingliederung sei der wirksamste Schutz vor weiteren Rechtsbrüchen, sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP), der das Pilotprojekt vorstellte.



Teilnahme an der Therapie freiwillig
Die neue Abteilung in Heilbronn wird laut Goll auf zehn Plätze angelegt und ergänzt das sozialtherapeutische Gesamtkonzept des Landes-Justizvollzugs. Finanziert werde das Pilotprojekt durch das Land und durch die 2005 gegründete "Behandlungsinitiative Opferschutz".

Die Justizanstalt Heilbronn hat mit Sozialtherapie von Sexualstraftätern eine über zehnjährige Erfahrung.

Der Eintritt in die speziellen Wohn- und  Behandlungsabteilungen für Sexual- und Gewaltstraftäter sei freiwillig, sagte ein Gefängnissprecher. Es würden drei Anti-Gewalttrainer ausgebildet, die in den bis zu zweijährigen Maßnahmen mit den Straftätern arbeiteten.

Das Heilbronner Modell ist, nach Mannheim und Heimsheim, das letzte Pilotprojekt im Strafvollzug, das mit zusätzlichen Landesmitteln finanziert werde, sagte Goll.

Eröffnung der Behandlungsabteilung in der JVA Heilbronn (strafrecht-online.de)

http://www.strafrecht-online.de/?id=871

Veranstaltungshinweis

Eröffnung der Behandlungsabteilung für Gewaltstraftäter in der JVA Heilbronn

Behandlungsinitiative Opferschutz

Zeit: 11. April 2008, 10.00 Uhr
Ort: JVA Heilbronn

Neben der bereits seit 1997 bestehenden Wohn- und Behandlungsabteilung für Sexualstraftäter wird jetzt in der JVA Heilbronn zusätzlich ein Behandlungsprogramm für Gewaltstraftäter eingerichtet.

Die neue Abteilung trägt der erheblichen Zunahme von Gewaltstraftaten Rechnung, deren Anzahl sich in den letzen 20 Jahren fast verdoppelt hat. Allein in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn befinden sich derzeit 150 verhaltensauffällige und wegen einer Gewaltstraftat verurteilte Strafgefangene, welche aufgrund vorhandener Aggressivität dringend behandlungsbedürftig sind. Die Maßnahme dient dem Opferschutz, denn durch eine erfolgreiche Behandlung kann das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert werden. Hauptaugenmerk der neuen Abteilung ist dabei die Verhinderung von Straftaten gegen Leib und Leben, da gerade bei diesen Delikten die Folgen für das Opfer oftmals besonders drastisch ausfallen.

Bundesweit einmalig ist das Projekt auch im Hinblick auf seine Finanzierung. Es reiht sich ein in mehrere in Baden-Württemberg durchgeführte Modellversuche zur Behandlung gefährlicher Gewalt- und Sexualstraftäter, deren Kosten aus Sondermitteln des Landtages von Baden-Württemberg und aus Zuwendungen der Behandlungsinitiative Opferschutz - und damit von Bürgern - getragen werden. Auch wird das Projekt von den Justizbehörden in Heilbronn, insbesondere der örtlichen Staatsanwaltschaft, besonders gefördert, ohne deren zusätzliche finanzielle Unterstützung die dem Opferschutz dienende Abteilung nicht eingerichtet hätte werden können.

Die JVA Heilbronn ist das erste Pilotprojekt im württembergischen Landesteil.

An der Eröffnungsfeierlichkeit werden zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Justiz teilnehmen. Auch der Justizminister des Landes Baden-Württemberg, Herr Professor Dr. Goll, hat seine Teilnahme an dem Festakt zugesagt.

Zum Projekt in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn im Einzelnen:
Die Gruppe ist auf zehn Teilnehmer angelegt, welche in einer gemeinsamen Abteilung untergebracht sind. Neben einer Gruppentherapie erhalten diese eine gezielte einzeltherapeutische Betreuung, wenn sie einer solchen bedürfen. Sämtliche Gefangene gehen einer Arbeit innerhalb der Anstalt nach. Die Kernbehandlungszeit ist auf ein Jahr angelegt.

Wegsperren allein reicht nicht (pforzheimer-zeitung)

Pforzheimer Zeitung

Wegsperren allein reicht nicht

Spezielle Therapie soll die Rückfallquote schwerer Gewalttäter verringern – Landesweiter Modellversuch auch in Heimsheim


Die Psychologen Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg wenden im Heimsheimer Knast eine neuartige kombinierte Einzel- und Gruppentherapie an, um knapp zehn schwere Gewalttäter nach der Entlassung vor einem Rückfall zu bewahren.  Foto: Seibel


HEIMSHEIM Die Zahl der Gewaltstraftaten in Baden-Württemberg ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen. Ein Pilotprojekt im Heimsheimer Gefängnis für schwere Gewalttäter soll die Rückfallquote senken.

PZ-REDAKTEUR
RALF STEINERT

Zwei Richter aus Pforzheim, die sich in der Initiative Opferschutz engagieren, haben den landesweiten Modellversuch in den Gefängnissen in Heimsheim, Mannheim und demnächst in Heilbronn auf den Weg gebracht. „Psychologen versuchen mit einer kombinierten Einzel- und Gruppentherapie, Sexualstraftäter und schwere Gewalttäter vor einem Rückfall zu bewahren“, sagen Hermann Meyer und Klaus Michael Böhm. „Wir wollen verhindern, dass es nach der Entlassung erneut Opfer gibt“, so Meyer, Vorsitzender Richter der Pforzheimer Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe, und Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe.

Die Schweiz als Vorbild

„Das darf doch nicht wahr sein“, sagten Meyer und Böhm, als sie entdeckten, dass es keine spezielle Therapie für Gewalttäter gibt. Die Behandlung von Straftätern diene nicht nur der Wiedereingliederung, sondern vor allem dem Opferschutz. Die Schweiz sei auf diesem Weg weiter als Deutschland. „Eine Studie des psychiatrisch-psychologische Dienstes im Justizvollzug in Zürich hat gezeigt, dass die Rückfallquote sogar halbiert werden kann, wenn die Täter ihre Straftat therapeutisch aufarbeiten“, sagt Klaus Michael Böhm. Nur die wenigsten Straftäter bleiben lebenslang im Knast. Die meisten kommen wieder raus, doch die Persönlichkeitsstörungen haben sich nicht in Luft aufgelöst. Wegsperren allein genügt nicht.

„In Zürich erhält jeder gefährliche Straftäter, der behandlungswillig und -fähig ist, bereits zu Beginn der Haft eine Therapie, die individuell auf ihn zugeschnitten ist“, lobt Böhm das Schweizer Konzept. Hierzulande fehle es in Zeiten leerer Kassen am Geld, ähnliche Behandlungskonzepte einzuführen. „Das darf doch nicht wahr sein“, sei es auch dem Pforzheimer Stefan Mappus entfahren, als Hermann Meyer mit ihm über die Lücke im Vollzug sprach. Mappus, Chef der CDU-Landtagsfraktion, handelte schnell – und die Regierungskoalition machte für die Jahre 2007 und 2008 jeweils 100 000 Euro für ein Pilotprojekt in drei baden-württembergischen Gefängnissen locker.

Jetzt musste auch die Opferschutz-Initiative schnell schalten. Richter, Staatsanwälte, Psychologen, Rechtsanwälte und Mitarbeiter im Vollzug, die in der Basisbewegung aktiv sind, tauschten ihre Ideen via Internet aus, um das Modell zu starten. Im November begann in Mannheim das Projekt für Sexualstraftäter, gestern war Heimsheim an der Reihe. „Erstmals können wir Tätern, die eine über vierjährige Strafe verbüßen, eine passende und Erfolg versprechende Therapie anbieten“, sagte Gefängnisleiter Hubert Fluhr. Die Behandlung ist kein Zuckerschlecken für die Knackis. „Nicht jeder ist dafür geeignet“, so Fluhr. Die externe Diplom-Psychologin Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg, Psychotherapeut im Heimsheimer Gefängnis, betreuen zwei Jahre lang knapp zehn Täter. Beide leiten gemeinsam die wöchentliche Gruppentherapie. Köhler übernimmt einmal pro Woche die Einzeltherapie.

PZ Modellversuch Straftäter Heimsheim.pdf (545.59 KB)

Mehr Sicherheit durch Therapie n-tv.de

http://www.n-tv.de/893365.html

 



Experten zufolge reichen harte
Strafen alleine nicht aus
 
Sonntag, 16. Dezember 2007

Gewaltverbrecher
Mehr Sicherheit durch Therapie

 

Es sind grauenvolle Morde wie jener an der 16-jährigen Carolin im Sommer 2005, die Forderungen nach mehr Härte gegen Gewaltverbrecher seit Jahren Konjunktur verleihen. Forderungen, die längst erfüllt sind: Der Gesetzgeber hat die Strafen für Sexualdelikte deutlich nach oben geschraubt, und die Richter greifen härter durch - Haftstrafen über fünf Jahre für Vergewaltiger werden heute doppelt so häufig verhängt wie vor wenigen Jahren. Gegen den Mörder von Carolin, einen vorbestraften und dann nicht austherapierten Vergewaltiger, packte die Justiz gar das gesamte Instrumentarium aus: lebenslang, besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung.
 
Doch machen härtere Strafen die Welt wirklich sicherer? Die Expertenkritik am Trend zum Wegsperren wird lauter. Richter, Gefängnisleiter und Psychologen mahnen seit langem, dass sich eine psychische Störung des Täters nicht in Luft auflöst, nur weil er ein paar Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und weil nur drei Prozent der Täter zu lebenslang verurteilt werden, verlassen die meisten irgendwann das Gefängnis - nicht selten als tickende Zeitbomben, wenn sie zuvor nicht behandelt und therapiert worden sind. Einige der Kritiker haben nun in Baden-Württemberg die "Behandlungsinitiative Opferschutz" gegründet: Mit drei Modellprojekten wollen sie die Therapiemöglichkeiten verbessern.
 
Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Anfang der Carolin-Tragödie: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er immer wieder hatte er eine Sozialtherapie beantragt, war aber als nicht therapiefähig eingestuft worden - erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung. Zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

 


Carolin wurde 2005 von einem
vorbestraften und nicht austherapierten Vergewaltiger ermordet.
 

 

Dass Therapien kein Wellnessprogramm im Wohlfühlknast sind, sondern messbar Sicherheit schaffen, lässt sich wissenschaftlich belegen. Eine Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Justizvollzug Zürich unter 300 Häftlingen stellte eine Senkung der Rückfallquote um 50 Prozent fest, wenn Täter mit einer speziell auf sie zugeschnittenen Therapie behandelt werden. Andere Untersuchungen, wie die des Psychiaters Hans-Ludwig-Kröber von der Berliner Charité, kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
 

Den in Zürich erprobten Ansatz einer "deliktsorientierten" Mischung aus Gruppen- und Einzeltherapie will die Behandlungsinitiative nun in Baden-Württemberg umsetzen. Vor kurzem wurde das Therapieprojekt für Sexualstraftäter in der Vollzugsanstalt Mannheim gestartet, am Freitag folgte Heimsheim mit einem Programm für Gewalttäter. Wenn auch das dritte Projekt in Heilbronn läuft, werden etwa 35 Täter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult.
 
Das ist nicht viel. Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden- Württemberg 450 Täter in Haft. Andererseits ist der Preis gering: Je 100.000 Euro für 2007 und 2008 hat die CDU-Landtagsfraktion aus ihren Haushaltsmitteln locker gemacht, etwa 20.000 Euro hat die Initiative eingeworben. Dennoch bleibt das vorerst ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn mehr als die Hälfte aller 8300  Strafgefangenen in Baden- Württemberg erhält überhaupt keine Behandlung, wie Böhm in einer Fachzeitschrift schreibt.
 
Bundesweit sind zwar in den vergangenen Jahren viele neue Plätze in speziellen sozialtherapeutischen Anstalten geschaffen worden. Schwierigkeiten bereitet den Therapeuten aber ein anderer Trend. In den letzten zehn Jahren haben viele Bundesländer sogenannte Vollzugslockerungen zusammengestrichen. Der offene Vollzug wurde in Hamburg auf weniger als ein Drittel zurückgefahren, ähnlich in Hessen, in Bremen hat sich die Zahl halbiert. Auch Hafturlaube werden reduziert - obwohl die ersten vorsichtigen Schritte in die Freiheit eigentlich zum therapeutischen Konzept gehören, wie der Leiter der Sozialtherapie im Gefängnis Lingen, Bernd Wischka, kritisiert: "Wir haben immer mehr Leute, die nicht auf ihre Entlassung vorbereitet sind."
 
Von Wolfgang Janisch, dpa

© n-tv.de

 

Therapie soll mehr Sicherheit bringen (gea.de)

http://www.gea.de/sixcms/detail.php?id=881470

Justizvollzug - Fachleute gegen Trend zum Wegsperren. »Behandlungsinitiative Opferschutz« will neue Wege gehen

Therapie soll mehr Sicherheit bringen

VON WOLFGANG JANISCH

KARLSRUHE. Es sind grauenvolle Morde wie jener an der 16-jährigen Carolin im Sommer 2005, die den Forderungen nach mehr Härte gegen Gewaltverbrecher seit Jahren Auftrieb verleihen. Forderungen, die längst erfüllt werden: Der Gesetzgeber hat die Strafen für Sexualdelikte deutlich nach oben geschraubt, und auch die Richter greifen härter durch - Haftstrafen über fünf Jahre für Vergewaltiger werden heute doppelt so häufig verhängt wie noch vor wenigen Jahren. Gegen den Mörder von Carolin, einen vorbestraften und dann nicht austherapierten Vergewaltiger, packte die Justiz gar das gesamte Instrumentarium aus: lebenslang, besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung.

Richter und Psychologen warnen

Doch machen härtere Strafen die Welt wirklich sicherer? Die Expertenkritik am Trend zum Wegsperren wird lauter. Richter, Gefängnisleiter und Psychologen mahnen seit Langem, dass sich eine psychische Störung des Täters nicht in Luft auflöst, nur weil er ein paar Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und weil eben nur drei Prozent der Täter zu lebenslang verurteilt werden, verlassen die allermeisten irgendwann das Gefängnis - nicht selten als tickende Zeitbomben, wenn sie zuvor nicht behandelt und therapiert worden sind. Einige der Kritiker haben nun in Baden-Württemberg die »Behandlungsinitiative Opferschutz« gegründet: Mit drei Modellprojekten wollen sie die Therapiemöglichkeiten im Südwesten verbessern.

Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Anfang der Carolin-Tragödie: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er Anträge zur Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt, erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

Dass Therapien kein Wellnessprogramm im Wohlfühlknast sind, sondern messbar Sicherheit schaffen, das lässt sich inzwischen wissenschaftlich belegen. Eine Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Justizvollzug in Zürich unter 300 Häftlingen stellte eine Senkung der Rückfallquote um 50 Prozent fest, wenn Täter mit einer speziell auf sie zugeschnittenen Therapie behandelt werden. Andere Untersuchungen, wie die des Psychiaters Hans-Ludwig-Kröber von der Berliner Charité, kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Den in Zürich erprobten Ansatz einer »deliktsorientierten« Mischung aus Gruppen- und Einzeltherapie will die Behandlungsinitiative nun in Baden-Württemberg umsetzen. Vor kurzem wurde das Therapieprojekt für Sexualstraftäter in der Vollzugsanstalt Mannheim gestartet, am Freitag folgte Heimsheim mit einem Programm für Gewalttäter. Wenn auch der dritte Teil des Projekts in Heilbronn läuft, werden etwa 35 Straftäter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult.

CDU-Fraktion macht Geld locker

Das ist nicht viel. Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden-Württemberg 450 Täter in Haft. Andererseits ist der Preis der erhöhten Sicherheit verblüffend gering: Je 100 000 Euro für 2007 und 2008 hat die CDU-Landtagsfraktion aus ihr zustehenden Haushaltsmitteln locker gemacht, etwa 20 000 Euro hat die »Behandlungsinitiative« eingeworben.

Dennoch bleibt das vorerst ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mehr als die Hälfte aller 8 300 Strafgefangenen im Land erhalten überhaupt keine Behandlung. Auch CDU-Fraktionschef Stefan Mappus, der den Weg für das Engagement seiner Fraktion ebnete, sieht im Südwesten »Nachholbedarf«, weil ein Großteil der inhaftierten Sexualstraftäter nicht individuell behandelt werde.

Bundesweit sind zwar in den vergangenen Jahren viele neue Plätze in speziellen sozialtherapeutischen Anstalten geschaffen worden. Schwierigkeiten bereitet den Therapeuten aber ein anderer Trend: In den letzten zehn Jahren haben viele Bundesländer sogenannte Vollzugslockerungen drastisch zusammengestrichen. (dpa)

Psychisch gestörte Täter sollen Schuldbewusstsein entwickeln
Pilotprojekte in Gefängnissen in Baden-Württemberg sollen die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren: So werden in Heimsheim acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar gewesen sein. Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie. Ziele: Die Häftlinge sollen Verantwortung für die Straftat übernehmen, Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen. Sie sollen lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. (dpa)

©  Reutlinger General-Anzeiger

Psychotherapie gegen hohe Rückfallquote (morgenweb.de)

http://www.morgenweb.de/nachrichten/politik/20071215_srv0000001899126.html

Pilotprojekt: Gewalttäter werden in Heimsheim behandelt

Psychotherapie gegen hohe Rückfallquote

Heimsheim. Drei Pilotprojekte in Gefängnissen in Baden-Württemberg sollen die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren. Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU), zeigte sich gestern in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim (Enzkreis), überzeugt, dass die Programme von Erfolg gekrönt sein und sich landesweit etablieren werden. Die "Behandlungsinitiative Opferschutz" hatte das Projekt angestoßen, um die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Straftäter zu verringern. Die CDU im Landtag fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100 000 Euro.

Erinnerung an Fall Carolin

Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Michael Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnerten an den tragischen Fall der ermordeten 16-jährigen Carolin: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt, erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

In Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht. Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie durch interne und externe Therapeuten.

Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen. Weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Männer weiter Kontakt zu den externen Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Doch auch bei Gewalttaten habe man mit psychotherapeutischen Behandlungen gute Erfahrungen gemacht, sagte Steindorfner. Diese sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. In Mannheim werden seit etwa einem Monat Sexualstraftäter behandelt, in Heilbronn sollen ab 2008 weniger schwere Gewalttäter therapiert werden.

Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht in Karlsruhe, sagte, ein Projekt wie in Heimsheim sei im Schweizer Kanton Zürich bereits Standard, in Deutschland jedoch noch Neuland. Er hoffe, dass das Land die Mittel auch nach 2008 weiter bereit stellen werde. Auch bei schweren Gewalttätern könne durch Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

Hälfte erhält keine Therapie

Wenn auch der dritte Teil des Projekts in Heilbronn läuft, werden im Südwesten etwa 35 Straftäter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult. Das ist nicht viel: Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden-Württemberg 450 Täter in Haft. Mehr als die Hälfte aller rund 8300 Strafgefangenen in Baden-Württemberg erhalten überhaupt keine Behandlung, sagt Böhm. lsw

© Mannheimer Morgen
15. Dezember 2007


Beim Menschen geht es nicht wie... (stuttgarter-zeitung.de)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1591212

Beim Menschen geht es nicht wie bei der Autoreparatur

Bundesweites Pilotprojekt startet im Heimsheimer Gefängnis - Lob für die besonderen Therapieansätze und Lacherfolg für den Bürgermeister

Heimsheim. In der Justizvollzugsanstalt ist gestern ein bundesweit einzigartiges Projekt vorgestellt worden: Gewalttäter sollen intensiv therapiert werden - und so ihre Zukunft in den Griff bekommen. Hochrangige Justizpolitiker und Experten haben sich dazu in Heimsheim getroffen.

Von Peter Meuer

So viel Justiz ist selten in einem Gefängnis versammelt: Generalstaatsanwälte, Richter, Justizpolitiker aller Couleur aus dem Landtag waren nach Heimsheim gekommen, um den Startschuss für ein besonderes Konzept zu geben. Schwere Gewalttäter, Mörder und Totschläger sollen ab Januar intensive Therapie erfahren. Der Verein Behandlungsinitiative Opferschutz hat das baden-württembergische Projekt ins Leben gerufen, das gleichzeitig noch in den Gefängnissen Mannheim und Heilbronn startet - dort allerdings mit Sexualstraftätern und leichten Gewalttätern (siehe auch Seite 8).

Gruppentherapien und eine regelmäßige psychotherapeutische Betreuung nach der Entlassung sollen Straftäter davon abhalten, später wieder gewalttätig zu werden. Die Psychotherapeutin Maria-Friederike Köhler gestaltet das Programm mit. Die 38-jährige hat in Jena und Leipzig Psychologie studiert und wird künftig an drei Tagen in der Woche zunächst acht Gewalttäter in Heimsheim betreuen. Sie hat schon vorher als Psychologin in der Sozialtherapie, im Strafvollzug und im Maßregelvollzug gearbeitet. Neu ist für sie eher, aus der bundesdeutschen Hauptstadt in die schwäbische Idylle zu ziehen. "Aber es fängt schon an, mir hier zu gefallen", sagt sie lächelnd, "sonst würde ich schließlich nicht herkommen." An dem Behandlungsprogramm waren mehrere baden-württembergische Justizvollzugsanstalten interessiert. Wieso ist die Wahl aber neben Mannheim und Heilbronn auf Heimsheim gefallen? "Das hat im Wesentlichen zwei Gründe, erklärt Richter Klaus Michael Böhm vom Oberlandesgericht Karlsruhe von der Behandlungsinitiative Opferschutz. "Es gibt hier einen entsprechenden Bedarf, andererseits haben wir in Heimsheim schon hervorragende Therapeuten mit viel Erfahrung." Diese Erfahrung in Heimsheim rührt nicht zuletzt daher, dass die Heimsheimer Anstaltspsychologen schon seit fast zehn Jahren ähnliche Gruppentherapien für Sexualstraftäter anbieten.

Die Ansätze zur Therapie für Gewalttäter sind ähnlich. "Die Täter müssen die Behandlung wollen, sich mit ihren eigenen dunklen Seiten auseinandersetzen", sagt der Psychologe Bert Mäckelburg vom Heimsheimer Gefängnis. "Sie müssen erkennen, wie sie zum Täter geworden sind." Das sei aber nicht wie eine Autoreparatur. Man könnte nicht einfach Teile eines Menschen austauschen.

Ein besonderes aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept sei in dieser Art bundesweit einzigartig. "Bei Vergewaltigungen wissen wir, dass nach solchen Therapien die Zahl der Rückfälle von etwa 40 Prozent auf 5 Prozent sinken kann", sagt der Richter Klaus Michael Böhm. Neben all den juristischen und politischen Schwergewichten, die sich gestern in der Justizvollzugsanstalt trafen, machte der Heimsheimer Bürgermeister Uwe Rupp eine gute Figur.

Er hatte die Lacher auf seiner Seite, weil er das Gefängnis mit seinen 500 Insassen als "Heimsheimer Höhenstadtteil" anpries. Tatsächlich sei die "JVA mittlerweile fester Bestandteil unserer Schleglerstadt", sagte Rupp auch mit Blick auf die vielen ehrenamtlichen Initiativen, die den Knastalltag erhellen.

15.12.2007 - aktualisiert: 15.12.2007 06:03 Uhr
© 2007 STUTTGARTER ZEITUNG online

Therapie für Gewalttäter (bietigheimerzeitung.de)

http://www.bietigheimerzeitung.de/bz/html/news/artikel_suedwestumschau.php4?artikel=3289975

HEIMSHEIM, 15. DEZEMBER 2007

STRAFVOLLZUG / PILOTPROJEKT IN DREI GEFÄNGNISSEN

Therapie für Gewalttäter

Rückfallquote soll verringert werden - Gute Erfahrungen

Ein Modellprojekt soll die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Gewalt- und Sexualstraftäter vermindern helfen. In Mannheim, Heimsheim und Heilbronn werden die Betroffenen zwei Jahre lang einer kombinierten Einzel- und Gruppenpsychotherapie unterzogen.

Ein Pilotprojekt in drei Gefängnissen im Land soll die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren. Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU), zeigte sich gestern in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim (Enzkreis) überzeugt, dass die Programme von Erfolg gekrönt sein und sich landesweit etablieren werden. Die Behandlungsinitiative Opferschutz hatte das Projekt angestoßen, um die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Straftäter zu verringern. Das Land fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100 000 Euro, die Initiative hat 20 000 Euro eingeworben.

In Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht.

Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie durch interne und externe Therapeuten. Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen; weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Strafgefangenen weiter Kontakt zu den externen Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Neuland in Deutschland

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Doch auch bei Gewalttaten habe man mit psychotherapeutischen Behandlungen gute Erfahrungen gemacht, sagte Steindorfner. Diese sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. In Mannheim werden seit etwa einem Monat Sexualstraftäter behandelt, in Heilbronn sollen von 2008 an weniger schwere Gewalttäter therapiert werden.

Das Projekt in Heimsheim erhält 30 000 Euro der Landesmittel und 5000 Euro von der Initiative Opferschutz. Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht in Karlsruhe und Mitbegründer der Initiative Opferschutz, sagte, ein solches Projekt sei im Schweizer Kanton Zürich bereits Standard, in Deutschland jedoch noch Neuland. Er hoffe, dass das Land die Mittel auch nach 2008 weiter bereitstellen werde. Auch bei schweren Gewalttätern könne durch solche Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

Böhm und der Strafrichter Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Rostocker Mordfall Carolin. Der Mörder der 16-Jährigen war nach sieben Jahren Haft wegen Vergewaltigung erst zwei Wochen vor der Tat im Juli 2005 entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt. Erst ein Jahr vor seiner Haftentlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren. Der 29-Jährige wurde für den Mädchenmord schließlich zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

VON LSW
© Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim mbH

Pilotprojekt für Gewaltstraftäter (swr.de)

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=2940664/10oji2/index.html

Heimsheim
Landesweites Pilotprojekt für Gewaltstraftäter

Ein psychotherapeutisches Pilotprojekt in mehreren Gefängnissen in
Baden-Württemberg soll die Rückfallquote bei Gewalttätern reduzieren.
Die Initiative Opferschutz hat das Projekt angeregt.

Quelle: SWR
Korridor mit Zellentüren in Haftanstalt

Bei dem Projekt werde eine kombinierte Einzel- und Gruppentherapie angewandt, erklärte Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU). Das Land fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100.000 Euro.

In der Justizvollzugsanstalt Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht.

Schuldbewusstsein soll entwickelt werden

Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen; weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Strafgefangenen weiter Kontakt zu den Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Die psychotherapeutischen Behandlungen sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. Auch bei Gewalttätern könne durch solche Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden, hieß es. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

© SWR 2007

Therapieren statt nur wegsperren (stuttgarter-zeitung.de)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1591021?lastupdate=2007-12-14_16:03:51

Therapieren statt nur wegsperren

 



Sexualstraftäter einfach wegsperren? Um die Rückfallquote zu senken,
will eine Initiative die Therapie im Knast ausbauen. Foto: dpa

Kritiker des praktizierten Systems, Täter einfach wegzusperren, gründen die
"Behandlungsinitiative Opferschutz"

Karlsruhe - Es sind grauenvolle Morde wie jener an der 16- jährigen Carolin im Sommer 2005, die Forderungen nach mehr Härte gegen Gewaltverbrecher seit Jahren Konjunktur verleihen. Forderungen, die längst erfüllt werden: Der Gesetzgeber hat die Strafen für Sexualdelikte deutlich nach oben geschraubt und auch die Richter greifen härter durch - Haftstrafen über fünf Jahre für Vergewaltiger werden heute doppelt so häufig verhängt wie noch vor wenigen Jahren. Gegen den Mörder von Carolin, einen vorbestraften und dann nicht austherapierten Vergewaltiger, packte die Justiz gar das gesamte Instrumentarium aus: lebenslang, besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung.

Doch machen härtere Strafen die Welt wirklich sicherer? Die Expertenkritik am Trend zum Wegsperren wird lauter. Richter, Gefängnisleiter und Psychologen mahnen seit langem, dass sich eine psychische Störung des Täters nicht in Luft auflöst, nur weil er ein paar Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und weil eben nur drei Prozent der Täter zu lebenslang verurteilt werden, verlassen die allermeisten irgendwann das Gefängnis - nicht selten als tickende Zeitbomben, wenn sie zuvor nicht behandelt und therapiert worden sind. Einige der Kritiker haben nun in Baden-Württemberg die "Behandlungsinitiative Opferschutz" gegründet: Mit drei Modellprojekten wollen sie die Therapiemöglichkeiten im Südwesten verbessern.

Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Anfang der Carolin-Tragödie: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt, erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

Therapien sind kein Wohlfühlprogramm

Dass Therapien kein Wellnessprogramm im Wohlfühlknast sind, sondern messbar Sicherheit schaffen, das lässt sich inzwischen wissenschaftlich belegen. Eine Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Justizvollzug in Zürich unter 300 Häftlingen stellte eine Senkung der Rückfallquote um 50 Prozent fest, wenn Täter mit einer speziell auf sie zugeschnittenen Therapie behandelt werden. Andere Untersuchungen, wie die des Psychiaters Hans-Ludwig-Kröber von der Berliner Charité, kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Den in Zürich erprobten Ansatz einer "deliktsorientierten" Mischung aus Gruppen- und Einzeltherapie will die Behandlungsinitiative nun in Baden-Württemberg umsetzen. Vor kurzem wurde das Therapieprojekt für Sexualstraftäter in der Vollzugsanstalt Mannheim gestartet, am Freitag folgte Heimsheim mit einem Programm für Gewalttäter. Wenn auch der dritte Teil des Projekts in Heilbronn läuft, werden etwa 35 Straftäter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult.

450 Sexualstraftäter allein im Land

Das ist nicht viel. Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden-Württemberg 450 Täter in Haft. Andererseits ist der Preis der erhöhten Sicherheit verblüffend gering: Je 100.000 Euro für die Jahre 2007 und 2008 hat die CDU-Landtagsfraktion aus ihr zustehenden Haushaltsmitteln locker gemacht, etwa 20.000 Euro hat die "Behandlungsinitiative" eingeworben.

Dennoch bleibt das vorerst ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mehr als die Hälfte aller rund 8300 Strafgefangenen in Baden-Württemberg erhalten überhaupt keine Behandlung, schreibt Böhm in einer Fachzeitschrift. Auch CDU-Fraktionschef Stefan Mappus, der den Weg für das Engagement seiner Fraktion ebnete, sieht im Südwesten "Nachholbedarf", weil ein Großteil der inhaftierten Sexualstraftäter nicht individuell behandelt werde.

Bundesweit sind zwar in den vergangenen Jahren viele neue Plätze in speziellen sozialtherapeutischen Anstalten geschaffen worden. Schwierigkeiten bereitet den Therapeuten aber ein anderer Trend. In den letzten zehn Jahren haben viele Bundesländer sogenannte Vollzugslockerungen drastisch zusammengestrichen. Der offene Vollzug wurde in Hamburg auf weniger als ein Drittel zurückgefahren, ähnlich sieht es im ehemals liberalen Hessen aus, und in Bremen hat sich die Zahl halbiert. Auch Hafturlaube werden reduziert - obwohl die ersten vorsichtigen Schritte in die Freiheit eigentlich zum therapeutischen Konzept gehören, kritisiert Bernd Wischka, Leiter der Sozialtherapie in der Justizvollzugsanstalt Lingen: "Wir haben immer mehr Leute, die nicht auf ihre Entlassung vorbereitet sind."

dpa/lsw
14.12.2007 - aktualisiert: 14.12.2007 16:03 Uhr


Unterkategorien

QR-Code dieser Seite