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Therapie für Sexualstraftäter (stimme.de)

http://stimme.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/art1960,1128535


Therapie für Sexualstraftäter

Von Panja Schollbach
Hinter den orangefarbenen Zellentüren im
Behandlungszentrum der JVA Mannheim setzen sich
die Gefangenen mit ihrer Straftat auseinander.
Foto: AP
Image

Mannheim - Das neue Behandlungszentrum „Gewalt- und Sexualstraftäter“ im Mannheimer Gefängnis wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies für Straftäter. Die Gefangenen leben in wohnlichen, geräumigen Zimmern mit großen Fenstern und Vorhängen, die Zellentüren sind in einem warmen Orangeton gestrichen. Doch der erste Eindruck trügt. Die Fenster in dem Spezialtrakt sind vergittert, wenn die Türen hinter den Beamten ins Schloss fallen, werden die Schlüssel umgedreht.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt will durch eine zweijährige Therapie die Rückfallquote von Gewalt- und Sexualstraftätern senken. „Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz“, erklärt der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim, Romeo Schüssler. „Der Preis, den die Gefangenen für die schönen Hafträume bezahlen, ist, sich intensiv mit ihrer Straftat auseinanderzusetzen “, betont der Jurist. Er warnt vor voreiligen Schlüssen: „Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo.“

Keine Pädophilen Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter, die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt wurden. Darunter seien aber keine Pädophilen.

Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, war Überzeugungsarbeit nötig. „Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist - es wäre keiner in dieser Abteilung“, sagt Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Er ist einer von drei Psychotherapeuten, die mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln. Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen.

Auf Anregung der „Behandlungsinitiative Opferschutz“ hatte der Landtag 200 000 Euro zur Behandlung gefährlicher Straftäter in Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung gestellt. Nach Mannheim fließen rund 70 000 Euro. Für das Zentrum wurde ein Stockwerk des alten JVA-Wirtschaftsgebäudes umgebaut. Nun stehen vier Einzel- und vier Gemeinschaftszellen, eine Küche und ein Gruppenraum zur Verfügung .

„Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie“, so Freunscht. „Unsere Therapie findet auch zwischen den Sitzungen statt. Die neuen Erkenntnisse muss man im Alltag umsetzen können.“ Im ersten Teil sollen soziale Kompetenzen erworben werden. Die zweite Etappe werde steiniger, prophezeit der Psychologe. „In der Gruppentherapie ist der Straftäter gezwungen, in sich hineinzusehen und das Deliktszenario in Einzelteilen vor den anderen Teilnehmern darzustellen.“ Für die meisten ein Problem. „Diejenigen, die sich die Tat eingestehen, sind der Meinung, dass das nie wieder vorkommt.“ Oft eine Fehleinschätzung mit Folgen. Impulskontrolle und der Umgang mit Aggressionen stehen unter anderem auf dem Therapieplan.

Nachsorge „Von der Therapie erwarte ich mir die Antwort auf die Frage Warum?“, sagt ein Bewohner. Wegen versuchter Vergewaltigung seiner Frau wurde der 42-Jährige zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. In Zukunft will sich die JVA auch um die Nachsorge der Straftäter kümmern. „Wir wollen eine Ambulanz einrichten, um die Betreuung der Straftäter auch nach der Haftentlassung fortsetzen zu können“, so Schüssler.

Copyright © 2007 by stimme.de

Neues Therapiezentrum für Gewalttäter in Mannheim (neuro-online.de)

http://www.neuro-online.de/news/kliniken_praxen/
,navigation_id,151,artikel_id,115345,_psmand,8.html



Täter und Tat - Neues Therapiezentrum für Gewalttäter in Mannheim

Bild: MEV

16.11.2007 MANNHEIM (dpa/lsw) - Das neue Behandlungszentrum «Gewalt- und Sexualstraftäter» im Mannheimer Gefängnis wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies für Straftäter. Die Gefangenen leben in wohnlich eingerichteten, geräumigen Zimmern mit großen Fenstern und Vorhängen, die Zellentüren sind in einem warmen Orangeton gestrichen. Doch der erste Eindruck trügt.


Die Fenster in dem Spezialtrakt sind vergittert, abends werden die Schlüssel umgedreht, die schweren Zellentüren fallen hinter den Beamten ins Schloss.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt, das am Donnerstag nachmittag mit der Eröffnung des Zentrums an den Start gehen sollte, will durch eine spezielle Therapie die Rückfallquote von Sexualstraftätern und anderen Gewalttätern senken. «Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz», erklärt der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim, Romeo Schüssler. «Der Preis, den die Gefangenen für die schönen Hafträume bezahlen, ist sich intensiv mit ihrer Straftat auseinanderzusetzen », betont der JVA- Chef. Der Jurist warnt vor voreiligen Schlüssen: «Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo.»

Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt wurden. Unter den Teilnehmern der auf zwei Jahre ausgelegten Therapie seien aber keine Pädophilen, sagt Schüssler.

Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, war im Vorfeld viel Überzeugungsarbeit nötig. «Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir als Therapeuten nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist - es wäre definitiv keiner in dieser Abteilung», sagt der Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Der JVA- Therapeut ist einer von insgesamt drei Psychotherapeuten, die das Projekt betreuen und mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln. Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen.

Auf Anregung der «Behandlungsinitiative Opferschutz» hatte der baden-württembergische Landtag 200 000 Euro zur Behandlung gefährlicher Straftäter in Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung gestellt. In die Justizvollzugsanstalt Mannheim fließen davon rund 70 000 Euro. Für das Behandlungszentrum wurde ein Stockwerk des alten JVA-Wirtschaftsgebäudes umgebaut, nun stehen vier Einzel- und vier Gemeinschaftszellen, eine Küche und ein Gruppenraum zur Verfügung - Platz für zwölf Teilnehmer.

«Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie», so Freunscht. «Unsere Therapie findet auch zwischen den Sitzungen statt. Die neuen Erkenntnisse muss man im Alltag mit den anderen umsetzen können.» Die Mannheimer JVA habe bisher vor allem Einzeltherapien angeboten. «Das ist oft wie eine Turnübung im luftleeren Raum », glaubt Freunscht.

In einem ersten Teil der Therapie soll es um den Erwerb sozialer Kompetenzen gehen. Die zweite Etappe werde steiniger, prophezeit der Psychologe. «In der Gruppentherapie ist der Straftäter gezwungen, in sich hineinzusehen und das Deliktszenario in Einzelteilen vor den anderen Teilnehmern darzustellen.» Für die meisten ein Problem.
«Diejenigen, die sich die Tat eingestehen sind der Meinung, dass das nie wieder vorkommt.» Oftmals eine Fehleinschätzung mit Folgen. Impulskontrolle und der Umgang mit Aggressionen stehen unter anderem auf dem Therapieplan.

«Von der Therapie erwarte ich mir die Antwort auf die Frage Warum?», erklärt einer der neuen Bewohner des Behandlungszentrums.
Wegen versuchter Vergewaltigung seiner Frau wurde der 42-Jährige zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

In Zukunft will sich die größte Haftanstalt im Land nicht nur um Prävention, sondern auch um die Nachsorge der im Behandlungszentrum therapierten Straftäter kümmern. «Wir wollen eine Ambulanz einrichten, um die Betreuung der Straftäter auch nach der Haftentlassung fortsetzen zu können», betont JVA-Chef Schüssler.

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Neue Therapie soll Rückfallrisiko senken (hnp-online.de)

http://www.hnp-online.de/index.php?mode=full&cat=173&open=&open_u=&&minDate=&begin=
0&id=358089&s_id=e4a80ec5a15aba7b0ba6ba361d50a0ed

Rubrik 'Südwest-Umschau' - SWP - 17.11.2007


JUSTIZ / Spezialabteilung für gefährliche Sextäter
Neue Therapie soll Rückfallrisiko senken

Ziel ist ein Leben ohne neue Straftaten. Sexualtäter können im Mannheimer Gefängnis eine Therapie machen. "Das ist kein Streichelzoo", versichert der Anstaltsleiter.


In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim gibt es ein neues Pilotprojekt zur Therapie von Sexualstraftätern. Als erste Regelvollzugsanstalt im Land will das Gefängnis mit gezielten Einzel- und Gruppentherapien das Rückfallrisiko senken. Auch in den Gefängnissen Heilbronn und Heimsheim (Enzkreis) soll es in Zukunft solche Abteilungen geben. Auf Anregung der "Behandlungsinitiative Opferschutz" hatte der Landtag die Haushaltsmittel zur Behandlung gefährlicher Sexualtäter zur Verfügung gestellt. "Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz", sagte Romeo Schüssler, Leiter des Mannheimer Gefängnisses. Bewährte Methoden würden in der Therapie mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kombiniert. Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter, die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch Strafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verbüßen.

In einem sanierten Zellentrakt außerhalb des Hauptgebäudes hat die JVA vier Einzel- und vier Doppelzimmer für die Spezialabteilung geschaffen. Die modernisierten Hafträume sollen keine falschen Eindrücke vermitteln: "Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo", sagte Anstaltsleiter Schüssler. In der Therapie gehe es um das Aufarbeiten der Verbrechen - und das Erlernen sozialer Kompetenzen. Den Patienten sollen Methoden an die Hand gegeben werden, um sich in bestimmten Situationen korrekt zu verhalten zu können, ohne erneut straffällig zu werden. Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, mussten sie erst überzeugt werden. "Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir als Therapeuten nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist, es wäre definitiv keiner in dieser Abteilung", sagte der Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Er ist einer der Psychotherapeuten des Projekts, die mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln. Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen. Zwei Anstaltspsychologen und ein externer Psychologe betreuen die Straftäter in Mannheim. Nach einer späteren Entlassung sollen die Patienten außerdem nicht plötzlich ohne Psychotherapie dastehen. Auch eine Nachbetreuung steht auf dem Programm. "Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie", sagte Psychologe Freunscht. Die neu gewonnenen Erkenntnisse aus der Therapie könnten die verurteilten Straftäter sofort im Alltag mit den anderen Gruppenmitgliedern umsetzen. Opfer besser schützen Die "Behandlungsinitiative Opferschutz" ist ein Zusammenschluss unter anderen von Richtern, Staatsanwälten, Psychiatern, Sozialarbeitern, Bewährungshelfern, Rechtsanwälten und Journalisten, die sich dafür einsetzen, dass den Opfern besser geholfen wird als bisher.

Die vom Landtag zugewiesenen Finanzmittel - 200 000 Euro für 2007 und 2008 - reichten bei weitem nicht aus zur Deckung des Therapiebedarfs, kritisierte die Initiative. In Mannheim, der größten Haftanstalt in Baden-Württemberg, und in der Außenstelle des Gefängnisses in Heidelberg verbüßen derzeit rund 750 Gefangene ihre Haftstrafen, darunter sind rund 70 Sexualstraftäter. Zum neuen Therapieprojekt gehören auch Pläne zur Einrichtung einer Ambulanz. Schwerpunkt hier soll dann die Täter-Betreuung nach der Haftentlassung werden.

(c)  LSW - hnp-online.de

Spezielle Therapien für Sex-Täter im Gefängnis (morgenweb.de)

http://www.morgenweb.de/region/mannheim/artikel/20071116_srv0000001745232.html


Strafvollzug: Neue Behandlungsabteilung in der JVA soll Rückfallquote deutlich senken

Spezielle Therapien für Sex-Täter im Gefängnis

Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm

eit gestern verfügt das Mannheimer Gefängnis über eine gesonderte Abteilung für die Therapie von Sexualstraftätern. In Anwesenheit von Vertretern aus Justiz und Politik eröffnete Romeo Schüssler, Chef der Justizvollzugsanstalt (JVA), die Einrichtung. Hier sollen Gefangene therapiert werden, um das Risiko einer erneuten Straftat nach ihrer Freilassung zu reduzieren.

In den Räumen, die außerhalb des Haupttraktes der JVA liegen, können künftig zehn bis zwölf Straftäter jeweils zwei Jahre lang untergebracht werden - im Fokus stehen Männer, die wegen sexuellen Missbrauchs oder Vergewaltigung verurteilt wurden. In Einzel- und Gruppentherapien sollen sie auf ein möglichst straffreies Leben vorbereitet werden. Außergewöhnlich ist an dem Modellprojekt besonders die Finanzierung: 70 000 Euro kommen vom Land, etwa 20 Prozent der Kosten trägt die Behandlungsinitiative Opferschutz. Der private Verein will das Geld über Spenden und Sponsoring einwerben. "Aus unseren eigenen Mitteln", sagte JVA-Chef bei der Eröffnung gestern, "könnten wir diese Abteilung nicht finanzieren."

Diese bisher einzigartige Art der Kostenübernahme hob Michael Steindorfer, Ministerialdirektor im Justizministerium, hervor. Im Interesse der Gesellschaft wünsche er dem Projekt alles Gute.

Nachholbedarf im Land

Dem schloss sich auch Stefan Mappus, Chef der CDU-Landtagsfraktion, an. Er sah durchaus Nachholbedarf in vielen Haftanstalten im Land. "Es ist bedauerlich, dass oftmals Täter aus der Haft entlassen werden, ohne dass sie ihre psychischen Störungen überwunden haben." Auch Bürgermeister Rolf Schmidt betonte die Verantwortung des Strafvollzugs auch für die Zeit nach der Haft.

An diesem Punkt setzt die Behandlungsabteilung der JVA an. Die Rückfall-Risiken könnten durch die Therapien um die Hälfte reduziert werden, sagte Klaus Böhm, Richter am Karlsruher Oberlandesgericht und einer der Initiatoren der Behandlungsinitiative Opferschutz. Zwar seien auch die Behandlungen keine Wundermittel, trotzdem gelte es, jede Möglichkeit zu nutzen, um eventuelle Rückfälle zu verhindern.

Auch Schüssler betonte, das Projekt diene dauerhaft dem Schutz potenzieller Opfer. Auch werde das Gefängnis mit dem neuen Therapieangebot für Sexualstraftäter "keine unnötigen Risiken eingehen". "Wir sind nicht blauäugig", so Schüssler.

Mannheimer Morgen
16. November 2007

Therapie für Sexualstraftäter (Stuttgarter Nachrichten.de)


 

Neues Projekt in Mannheim soll Rückfallquote senken.

Mannheim - Der jüngste Fall wurde erst vorige Woche abgeschlossen. Der Mörder der 13-jährigen Mirjam aus Auggen kommt für die nächsten 15 Jahre hinter Gitter. Und danach? "Sind die meisten Sexualstraftäter nicht therapiert", sagt der Strafrichter Michael Böhm. Ein Projekt in Mannheim setzt daran an.


VON GREGOR PREISS

aus Mannheim

Fast heimelig wirkt es. Eine geräumige Küche, die Zweier- und Einzelzellen frisch gewienert. Grüne Wände, orangefarbene Türen, große Fenster. Jede mit eigener Nasszelle. Jugendherbergsatmosphäre. Im Vergleich zum 90 Jahre alten Haupttrakt des Mannheimer Gefängnisses "gehobener Standard", wie ein Justizbeamter meint.

Abgetrennt von allen anderen Gefangenen, sitzen hier künftig zehn Sexualstraftäter ein. Acht wegen Kindesmissbrauchs, einer wegen Vergewaltigung, einer wegen sexueller Nötigung. Gefängnispsychologe Matthias Freunscht bezeichnet sie als "soziologisch sehr heterogene Gruppe". Gemeinsam - und freiwillig - werden sie sich in den kommenden Jahren intensiv mit ihren Taten auseinandersetzen. Behandlungabteilung Gewalt- und Sexualstraftäter nennt sich das am Donnerstag vorgestellte Projekt, das zum Ziel hat, die Rückfallquote von Sextätern zu minimieren. Nach Angaben der Initiatoren, der Behandlungsinitiative Opferschutz, handelt es sich bundesweit um das erste Projekt dieser Art.

Die Therapie besteht im Wesentlichen aus drei Elementen: Einzelgespräche, Gruppengespräche und Nachbehandlung im Anschluss an die Haftzeit. "Zunächst einmal geht es darum, dass die Täter begreifen, was sie angerichtet haben", erklärt Psychologe Freuntsch die Grundzüge der Behandlung. In Rollenspielen sollen sich die Täter in ihr Opfer hineinversetzen und erkennen, dass es sich um kein Bagatellverbrechen gehandelt hat, wie viele annehmen. Zweiter Schritt ist die Normenkontrolle ihrer sexuellen Fantasien. "Dabei geht es um die Wahrnehmung von Gefühlen, um die Geschlechterrolle, um sexuelle Aufklärung im ursprünglichen Sinne", so Freuntsch. Auch hier sei es so, dass sich viele der Abartigkeit ihrer Vorstellungen nicht bewusst seien. Zu guter Letzt wird ein "Rückfallverhütungsplan" aufgestellt, ein Notfallkoffer für die Zeit nach der Haft. Dabei werde versucht, den Tätern Selbstwertgefühl und Spaß an einem "normalen Leben" zu vermitteln.

Banale Dinge eigentlich, doch selbstverständlich sind sie nicht. Von den 453 Sexualstraftätern, die Stand März 2006 in baden-württembergischen Gefängnissen einsaßen, wurden nur 38 in sozialtherapeutischen Einrichtungen betreut. Allen anderen wurde der normale Strafvollzug auferlegt. "Das führt am Ziel vorbei", sagt Michael Böhm von der Behandlungsinitiative Opferschutz.

Dass nur durch immer strengere gerichtliche Sanktionen und durch nachträgliche Sicherungsverwahrungen dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung getragen werden kann, sei eine verfehlte Sichtweise, meint Böhm, der zugleich Richter am Oberlandesgericht in Karlsruhe ist. Vielmehr seien Therapieformen, wie sie nun in Mannheim zur Anwendung kommen, das geeignete Mittel, die Rückfallquote von 40 Prozent zu minimieren. Eine Studie aus der Schweiz, wo Sexualstraftäter schon seit längerem von Haftbeginn an individuell betreut werden, belegt dies: Dort hat sich die Rückfallquote halbiert.

"Wenn nur einer der zehn Teilnehmer dauerhaft geheilt wird, hat sich das Projekt schon gelohnt", findet der Psychologe Freuntsch. 100 000 Euro wurden dafür veranschlagt; auf Initiative der CDU-Fraktion steuert das Land 70 000 Euro bei, der Rest speist sich aus Spenden an die Behandlungsinitiative Opferschutz. Justizminister Ullrich Goll (FDP) spricht ebenfalls von einer "sinnvollen Investition in die Sicherheit der Menschen" - wenngleich sein Sprecher darauf verweist, dass in allen Gefängnissen des Landes Therapiemöglichkeiten für Sexual- und andere Straftäter bestehen. Allerdings nicht in dieser Form. Mehr ist schon finanziell nicht darstellbar, darin sind sich die Beteiligten einig. Angesichts der vermeintlichen Annehmlichkeiten für Vergewaltiger und Kinderschänder liest sich die Initiative Opferschutz für viele andere wohl wie eine Initiative Täterschutz. Der Mannheimer Anstaltsleiter Romeo Schüssler winkt ab: "Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo." Nirgendwo sonst finde eine so ausgeprägte Konfrontation mit dem eigenen Verbrechen statt.
 

16.11.2007 - aktualisiert: 16.11.2007 06:43 Uhr
© 2007 STUTTGARTER NACHRICHTEN online

Neue Abteilung für Sexualtäter (BNN)

Badische Neueste Nachrichten vom 12.11.2007



Ziele sind Prävention und Opferschutz (br-online.de)

http://www.br-online.de/mittagsmagazin/1611jvamannheim.shtml


Gewalt- und Sexualstraftäter

Ziele sind Prävention und Opferschutz



Das Pilotprojekt soll in Baden-Württemberg die Rückfälligkeit von Sexualstraftätern mit gezielten Therapien deutlich vermindern. Dort sollen zunächst zehn verurteilte Sexualstraftäter zwei Jahre lang in Gruppen- und Einzeltherapien behandelt werden. Wie die Gefängnisleitung in Mannheim mitteilte, ist durch entsprechende Versuche in der Schweiz wissenschaftlich belegt, dass bei einer gezielten Behandlung deutlich weniger Sexualstraftäter rückfällig werden.


Finanziert wird das Projekt zum größten Teil vom baden-württembergischen Landtag. Zwanzig Prozent der Kosten übernimmt die Initiative Opferschutz, ein Zusammenschluss aus Richtern, Staatsanwälten, Psychiatern und anderen Berufsgruppen. Die Therapie ist auf zwei Jahre angelegt und kombiniert bewährte Methoden mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. "Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz", erklärt der Leiter der JVA Mannheim, Romeo Schüssler. "Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie", sagt der Diplom-Psychologe der JVA, Matthias Freunscht. Die neu gewonnenen Erkenntnisse aus der Therapie könnten verurteilte Straftäter sofort im Alltag mit den anderen Gruppenmitgliedern umsetzen.
Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter, die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt wurden. Unter den Teilnehmern seien aber keine Pädophilen, fügte Schüssler hinzu.

Copyright (c) dpa - br-online.de

Einfach nur wegsperren ist keine Lösung (rnz.de)

http://www.rnz.de/zusammen10/00_20071116085200_Einfach_nur_wegsperren_ist_keine_Loesung.html


„Einfach nur wegsperren ist keine Lösung"

Hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt Mannheim werden gefährliche Straftäter seit gestern in der neuen Behandlungsabteilung therapiert. Neben vier Einzel- und vier Doppelzellen gibt es auch einen Gruppenraum (Bild). Fotos: vaf
Hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt Mannheim werden gefährliche Straftäter seit gestern in der neuen Behandlungsabteilung therapiert. Neben vier Einzel- und vier Doppelzellen gibt es auch einen Gruppenraum (Bild). Fotos: vaf

Von Stefan Hagen

"Die Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Resozialisierung. Einfach nur wegsperren ist keine Lösung". Regierungsdirektor Romeo Schüssler, Leiter der Justizvollzugsanstalt Mannheim (JVA), machte gestern unmissverständlich deutlich, dass die Gesellschaft ein Recht auf den bestmöglichen Schutz vor Straftätern hat. Und dazu gehöre auch eine wirkungsvolle Therapie, um die Rückfallquote nachhaltig zu senken.

Denn irgendwann öffnen sich die Tore wieder", sagte Schüssler anlässlich der gestrigen Eröffnung der Behandlungsabteilung für Gewalt- und Sexualstraftäter. Mit diesem Projekt geht die JVA Mannheim als erste Regelvollzugsanstalt in Baden-Württemberg bei der Therapie von Straftätern neue Wege.

Mit gezielten Einzel- und Gruppentherapien soll das Rückfallrisiko vermindert werden, denn "bisher wurden rund 50 Prozent der Gewalt- und Straftäter ohne Therapie aus der Haft entlassen", kritisierte Richter Klaus Böhm von der "Behandlungsinitiative Opferschutz". Deshalb habe man immer wieder neue Maßnahmen gefordert und sei damit im Stuttgarter Landtag auf offene Ohren gestoßen. "Das nenne ich verantwortungsvolle Politik", sagte Böhm.

So stellt der Landtag nun erstmals Mittel zur Behandlung von gefährlichen Straftätern in den Haftanstalten Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung. Die auf zwei Jahre ausgelegte Therapie wird vom Land mit 100 000 Euro pro Jahr finanziert. "Die restlichen Mittel sollen durch Spenden zusammenkommen", hofft Böhm auf weitere Geldgeber. "Ein Großteil der Straftäter bekommt bis heute keine individuelle Behandlung. Da haben wir einen großen Nachholbedarf", unterstrich auch CDU-Landtagsfraktionschef Stefan Mappus die Notwendigkeit des neuen Projekts.

"Dieser Ansatz muss unterstützt und gefördert werden", betonte der CDU-Politiker. Schließlich wolle man den Schutz der Bevölkerung optimieren. Ins gleiche Horn stieß Ministerialdirektor Michael Steindorfner vom Justizministerium. "Für die Landesregierung hat der Schutz der Bürger vor Sexualstraftätern oberste Priorität". Mannheim sei im Gesamtkonzept ein wichtiger Baustein. Er sei überzeugt, sagte Steindorfner, "dass die Abteilung über die Pilotphase hinaus eine anerkannte Einrichtung wird". Die neuen Maßnahmen sollen die Gefangenen in erster Linie dazu befähigen, nach der Entlassung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Dazu werden in der Therapie allgemeine rückfallverhütende Einstellungen, Fähigkeiten und Ressourcen aufgebaut beziehungsweise gefestigt. Außerdem wird eine intensive Deliktberatung mit Rückfallprophylaxe durchgeführt. Für die Realisierung des Modellversuchs hat die JVA Mannheim gesonderte Räumlichkeiten mit mehreren Zellentrakten innerhalb der Anstalt eingerichtet. Dort sind die zunächst zehn Gefangenen dauerhaft untergebracht.

"Aber eine Wunderheilung darf man nicht erwarten", zeigte sich Anstaltsleiter Schüssler realistisch. Auch werde man mit der Therapie nicht jeden Täter erreichen. "Das zu denken, wäre blauäugig". Aber für die Gefangenen werde die Therapie "kein Zuckerschlecken".

Copyright (c) rnz-online

Sexualverbrecher effektiv therapieren (stuttgarter-zeitung.de)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1567071?lastupdate=2007-11-15_09:17:25




Sexualverbrecher effektiv therapieren

JVA Mannheim
Das Mannheimer Gefängnis
Foto: dpa



In der JVA Mannheim finden Straftäter Hilfe in einer gezielten Therapie Mannheim - Neue Wege in der Therapie für Sexualstraftäter: In der Mannheimer Justizvollzugsanstalt (JVA) ist am Donnerstag die neue Behandlungsabteilung "Gewalt- und Sexualstraftäter" eröffnet worden. Damit komme die JVA dem wachsenden Bedürfnis nach Behandlung dieser Häftlinge entgegen, hieß es. Als erste Regelvollzugsanstalt in Baden-Württemberg will die JVA mit gezielten Einzel-und Gruppentherapien das Rückfallrisiko von Straftätern vermindern. Die Therapie ist auf zwei Jahre angelegt und kombiniert den Angaben zufolge bewährte Methoden mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

"Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz", erklärte der Leiter der JVA Mannheim, Romeo Schüssler vor der Eröffnung. Das Therapieangebot startet in Mannheim zunächst mit zehn Straftätern, die langjährige Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren wegen Sexualdelikten - insbesondere Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern - verbüßen.

In einem sanierten Zellentrakt außerhalb des Hauptgebäudes hat die JVA insgesamt vier Einzel- sowie vier Doppelzimmer für die Spezialabteilung geschaffen. Insgesamt stehen zwölf Therapieplätze zur Verfügung. Bei der Behandlung geht es um die Aufarbeitung der Tat und das Erlernen sozialer Kompetenzen. Den Patienten sollen Methoden an die Hand gegeben werden, sich in bestimmten für sie gefährlichen Situationen korrekt zu verhalten, ohne erneut straffällig zu werden. Betreut werden die Straftäter dabei von zwei Anstaltspsychologen und einem externen Psychologen. Nach einer späteren Entlassung sollen die Patienten die Möglichkeit haben, psychotherapeutisch nachbetreut zu werden.

"Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie", erklärt der Diplom-Psychologe der JVA, Matthias Freunscht. Die neu gewonnenen Erkenntnisse aus der Therapie könnten die verurteilte Straftäter sofort im Alltag mit den anderen Gruppenmitgliedern umsetzen. Auf Anregung der "Behandlungsinitiative Opferschutz" hatte der baden-württembergische Landtag Haushaltsmittel zur Behandlung gefährlicher Sexualtäter in den Gefängnissen Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung gestellt.

In der größten baden-württembergischen Haftanstalt in Mannheim und der Außenstelle des Gefängnisses in Heidelberg verbüßen derzeit rund 750 Gefangene ihre Haftstrafen, darunter rund 70 Sexualstraftäter. Im Rahmen des Projekts plant die JVA Mannheim eigenen Angaben zufolge die Einrichtung einer Ambulanz zur Täter- Betreuung nach der Haftentlassung.

Mehr Informationen im Internet:
www.behandlungsinitiative-opferschutz.de

(c) dpa/lsw

15.11.2007 - aktualisiert: 15.11.2007 16:00 Uhr

Therapieeinrichtung in Mannheim eingeweiht (de.news.yahoo.com)

http://de.news.yahoo.com/ap/20071115/twl-baden-wrttemberg-will-rckfallquote-v-8b73c05.html
AP - Donnerstag, 15. November, 15:34 Uhr


Baden-Württemberg will Rückfallquote von Sexualstraftätern senken Therapieeinrichtung in Mannheim eingeweiht


Karlsruhe (AP) Ein Pilotprojekt soll in Baden-Württemberg die Rückfälligkeit von Sexualstraftätern mit gezielten Therapien deutlich vermindern. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Stefan Mappus, eröffnete am Donnerstagnachmittag die Einrichtung in der Justizvollzugsanstalt Mannheim.
Dort sollen zunächst zehn verurteilte Sexualstraftäter zwei Jahre lang in Gruppen- und Einzeltherapien behandelt werden. Wie die Gefängnisleitung in Mannheim mitteilte, ist durch entsprechende Versuche in der Schweiz wissenschaftlich belegt, dass bei einer gezielten Behandlung deutlich weniger Sexualstraftäter rückfällig werden. Finanziert wird das Projekt zum größten Teil vom baden-württembergischen Landtag. Zwanzig Prozent der Kosten übernimmt die Initiative Opferschutz, ein Zusammenschluss aus Richtern, Staatsanwälten, Psychiatern und anderen Berufsgruppen.


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