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Immer brutalere Übergriffe (ka-news.de)

http://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=mwz2008110-491D


Behandlung der Straftäter als Opferschutz

Kinder gegen Kinder - nur eine Facette der aktuellen Gewaltdebatte (Foto: pol)
Karlsruhe - Nicht nur das Thema Jugendgewalt beherrscht derzeit die Schlagzeilen (ka-news berichtete) und scheint für manchen Politiker eine Steilvorlage im Wahlkampf (ka-news berichtete). Auch der Schutz vor Gewalt- und Sexualstraften Erwachsener ist anlässlich des jüngst gefassten Sexualstraftäters, der mit seinem "Kätzchentrick" gleich mehrere Male Kinder in Verstecke gelockt hatte (ka-news berichtete), wird der Ruf nach stärkerem Opferschutz stärker. Die Karlsruher Behandlungsinitiative Opferschutz setzt sich für eine Behandlung der Täter im Regelstrafvollzug ein.

Die 2005 gegründete Initiative ist ein beim Oberlandesgericht Karlsruhe ansässiger, interdisziplinärer Zusammenschluss von Richtern, Staatsanwälten, Vollzugsangehörigen, Psychiatern, Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeitern, Polizeibeamten, Rechtsanwälten, Wissenschaftler, Politikern und Journalisten, die sich für einen effektiven Opferschutz einsetzt. Ihr Leitmotiv: Die Beseitigung der vor allem im Regelstrafvollzug bestehenden erheblichen Defizite.

2007 Gruppen- oder Einzeltherapien bei 35 Strafgefangenen

Ein Schutz vor Gewalt- und Sexualstraftätern sei allein durch eine immer schärfer werdende gerichtliche Haft- und Sanktionspraxis nicht zu erreichen, so die Behandlungsinitiative Opferschutz. Entsprechend dürften gefährliche Gewalt- und Sexualstraftäter nicht ohne Durchführung einer indizierten deliktsorientierten Therapie aus der Haft entlassen werden. Nur wenn man der bei solchen Tätern oft vorliegenden Persönlichkeitsstörung "auf den Zahn fühlt", könne das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert werden.

JVA Karlsruhe (Foto: ka-news)

Nach dem Vorstoß der Behandlungsinitiative Opferschutz hat der Landtag von Baden-Württemberg Haushaltsmittel von 100.000 Euro für die Jahre 2007 und 2008 zur Behandlung von Gewalt- und Sexualstraftätern zur Verfügung gestellt, durch die im vergangenen Jahr Pilotprojekte in mehreren Haftanstalten durchgeführt werden konnten. Bei 35 Strafgefangenen wurde 2007 mit der Durchführung rückfallreduzierender Gruppen- oder Einzeltherapien begonnen. Zudem wurden die Behandlungsabteilung für "Gewalt- und Sexualstraftäter" in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim sowie die "Behandlungseinrichtung für schwere Gewalttäter im Regelvollzug" in der JVA Heimsheim eröffnet.

Und junge Gewalttäter, die nicht strafmündig sind?

Für dieses Frühjahr steht die Eröffnung der sozialtherapeutisch ausgerichteten Behandlungsabteilung für Gewaltstraftäter in der JVA Heilbronn an. Zudem will sich die Behandlungsinitiative Opferschutz vor allem mit dem Thema der "Nachsorge" beschäftigen. Zum Opferschutz gehöre es nicht nur, bei Straftätern frühestmöglich während der Haft mit der Durchführung der Therapien zu beginnen, sondern diese auch nach deren Entlassung fortzusetzen.

Und wie sieht die Betreuung von jungen Gewalttätern aus, die noch nicht strafmündig sind und damit nicht in den Genuss solcher Therapien kommen? Das Thema ist auch in Karlsruhe aktueller denn je: Erst unlängst hatte der Fall eines brutalen Übergriffs auf ein zwölf Jahre alte Mädchen einer weiblichen Schlägerbande an der Haltestelle Bannwaldallee für Aufsehen gesorgt (ka-news berichtete). Zwei der Täterinnen waren unter 14 Jahre alt. Bekanntermaßen beginnt die Strafmündigkeit erst mit Vollendung des 14. Lebensjahres.

"Konzentration immer zuerst auf den Täter" - Opfer vernachlässigt?

Fritz Bachholz, Pressesprecher der Polizei Karlsruhe, verweist in diesem Fall auf die Sozial- und Jugendbehörde in Karlsruhe. "Bis zum 18. Geburtstag greift das Jugendstrafrecht, zwischen 18 und 21 Jahren das Heranwachsendenstrafrecht. Hier hat das Gericht zu entscheiden, ob das Jugendstrafrecht angewendet wird", so Bachholz. Bei jungen Gewalttätern unter 14 Jahren gebe es Sozialisierungsmaßnahmen: Die kriminellen Kinder kommen dann unter Umständen ins Heim; den Eltern könnte das Erziehungsrecht entzogen werden.

Therapiebedarf besteht aber nicht nur auf der Seite der Täter, sondern auch (oder gerade) auf Seiten der Verbrechensopfer. "Was immer passiert, man konzentriert sich immer zuerst auf den Täter. Die Opfer werden vernachlässigt. Das ist eine generelle Feststellung", so Erhard Koch, stellvertretender Leiter der Karlsruher Außenstelle der Opferschutzorganisation Weißer Ring. "Die Tendenz der Opferzahlen ist steigend. Ich bekomme täglich Anrufe von Menschen, die Opfer geworden sind und Angstzustände haben", erklärt er gegenüber ka-news.

Sexuelle Übergriffe auf Kinder wirken sich erst Jahre später aus

Ansteigend sei auch die "Brutalität der Übergriffe, vor allem auf Menschen mit Migrationshintergrund". Insgesamt 420 Außenstellen und 3.000 ehrenamtliche Mitarbeiter hat der Weiße Ring. In der Außenstelle Karlsruhe sind 13 Ehrenamtliche tätig. Die Betreuung der Kriminalitätsopfer durch die Karlsruher Hilfsorganisation ist dabei so vielseitig wie die Bandbreite der Straftaten: "Raub, schwere Körperverletzung, auch Stalking ist ein großes Thema", zählt Koch auf.

Wie sieht die Unterstützung des Weißen Rings aus? "Menschlicher Beistand, Zuhören, braucht das Opfer anwaltliche Hilfe, ist das Opfer durch die Straftat in wirtschaftliche Nöte gekommen?", beschreibt er die "Rundumbehandlung", die je nach konkretem Fall variiert. Viele Opfer würden an Psychotherapeuten oder Ärzte weitergeleitet. Die Therapien zahlen in der Regel die Krankenkassen. Das Problem sei laut Koch, dass sich die Fälle sexueller Übergriffe auf Kinder teilweise erst Jahre später auswirken. Übrigens: Der Weiße Ring zahlt dem "Bannwaldallee-Opfer" nun einen Selbstverteidigungskurs! (mwz)


Meldung vom Sonntag, 13. Januar 2008  © ka-news 2008

Wegsperren allein reicht nicht (pforzheimer-zeitung)

Pforzheimer Zeitung

Wegsperren allein reicht nicht

Spezielle Therapie soll die Rückfallquote schwerer Gewalttäter verringern – Landesweiter Modellversuch auch in Heimsheim


Die Psychologen Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg wenden im Heimsheimer Knast eine neuartige kombinierte Einzel- und Gruppentherapie an, um knapp zehn schwere Gewalttäter nach der Entlassung vor einem Rückfall zu bewahren.  Foto: Seibel


HEIMSHEIM Die Zahl der Gewaltstraftaten in Baden-Württemberg ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen. Ein Pilotprojekt im Heimsheimer Gefängnis für schwere Gewalttäter soll die Rückfallquote senken.

PZ-REDAKTEUR
RALF STEINERT

Zwei Richter aus Pforzheim, die sich in der Initiative Opferschutz engagieren, haben den landesweiten Modellversuch in den Gefängnissen in Heimsheim, Mannheim und demnächst in Heilbronn auf den Weg gebracht. „Psychologen versuchen mit einer kombinierten Einzel- und Gruppentherapie, Sexualstraftäter und schwere Gewalttäter vor einem Rückfall zu bewahren“, sagen Hermann Meyer und Klaus Michael Böhm. „Wir wollen verhindern, dass es nach der Entlassung erneut Opfer gibt“, so Meyer, Vorsitzender Richter der Pforzheimer Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe, und Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe.

Die Schweiz als Vorbild

„Das darf doch nicht wahr sein“, sagten Meyer und Böhm, als sie entdeckten, dass es keine spezielle Therapie für Gewalttäter gibt. Die Behandlung von Straftätern diene nicht nur der Wiedereingliederung, sondern vor allem dem Opferschutz. Die Schweiz sei auf diesem Weg weiter als Deutschland. „Eine Studie des psychiatrisch-psychologische Dienstes im Justizvollzug in Zürich hat gezeigt, dass die Rückfallquote sogar halbiert werden kann, wenn die Täter ihre Straftat therapeutisch aufarbeiten“, sagt Klaus Michael Böhm. Nur die wenigsten Straftäter bleiben lebenslang im Knast. Die meisten kommen wieder raus, doch die Persönlichkeitsstörungen haben sich nicht in Luft aufgelöst. Wegsperren allein genügt nicht.

„In Zürich erhält jeder gefährliche Straftäter, der behandlungswillig und -fähig ist, bereits zu Beginn der Haft eine Therapie, die individuell auf ihn zugeschnitten ist“, lobt Böhm das Schweizer Konzept. Hierzulande fehle es in Zeiten leerer Kassen am Geld, ähnliche Behandlungskonzepte einzuführen. „Das darf doch nicht wahr sein“, sei es auch dem Pforzheimer Stefan Mappus entfahren, als Hermann Meyer mit ihm über die Lücke im Vollzug sprach. Mappus, Chef der CDU-Landtagsfraktion, handelte schnell – und die Regierungskoalition machte für die Jahre 2007 und 2008 jeweils 100 000 Euro für ein Pilotprojekt in drei baden-württembergischen Gefängnissen locker.

Jetzt musste auch die Opferschutz-Initiative schnell schalten. Richter, Staatsanwälte, Psychologen, Rechtsanwälte und Mitarbeiter im Vollzug, die in der Basisbewegung aktiv sind, tauschten ihre Ideen via Internet aus, um das Modell zu starten. Im November begann in Mannheim das Projekt für Sexualstraftäter, gestern war Heimsheim an der Reihe. „Erstmals können wir Tätern, die eine über vierjährige Strafe verbüßen, eine passende und Erfolg versprechende Therapie anbieten“, sagte Gefängnisleiter Hubert Fluhr. Die Behandlung ist kein Zuckerschlecken für die Knackis. „Nicht jeder ist dafür geeignet“, so Fluhr. Die externe Diplom-Psychologin Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg, Psychotherapeut im Heimsheimer Gefängnis, betreuen zwei Jahre lang knapp zehn Täter. Beide leiten gemeinsam die wöchentliche Gruppentherapie. Köhler übernimmt einmal pro Woche die Einzeltherapie.

PZ Modellversuch Straftäter Heimsheim.pdf (545.59 KB)

Therapie soll mehr Sicherheit bringen (gea.de)

http://www.gea.de/sixcms/detail.php?id=881470

Justizvollzug - Fachleute gegen Trend zum Wegsperren. »Behandlungsinitiative Opferschutz« will neue Wege gehen

Therapie soll mehr Sicherheit bringen

VON WOLFGANG JANISCH

KARLSRUHE. Es sind grauenvolle Morde wie jener an der 16-jährigen Carolin im Sommer 2005, die den Forderungen nach mehr Härte gegen Gewaltverbrecher seit Jahren Auftrieb verleihen. Forderungen, die längst erfüllt werden: Der Gesetzgeber hat die Strafen für Sexualdelikte deutlich nach oben geschraubt, und auch die Richter greifen härter durch - Haftstrafen über fünf Jahre für Vergewaltiger werden heute doppelt so häufig verhängt wie noch vor wenigen Jahren. Gegen den Mörder von Carolin, einen vorbestraften und dann nicht austherapierten Vergewaltiger, packte die Justiz gar das gesamte Instrumentarium aus: lebenslang, besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung.

Richter und Psychologen warnen

Doch machen härtere Strafen die Welt wirklich sicherer? Die Expertenkritik am Trend zum Wegsperren wird lauter. Richter, Gefängnisleiter und Psychologen mahnen seit Langem, dass sich eine psychische Störung des Täters nicht in Luft auflöst, nur weil er ein paar Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und weil eben nur drei Prozent der Täter zu lebenslang verurteilt werden, verlassen die allermeisten irgendwann das Gefängnis - nicht selten als tickende Zeitbomben, wenn sie zuvor nicht behandelt und therapiert worden sind. Einige der Kritiker haben nun in Baden-Württemberg die »Behandlungsinitiative Opferschutz« gegründet: Mit drei Modellprojekten wollen sie die Therapiemöglichkeiten im Südwesten verbessern.

Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Anfang der Carolin-Tragödie: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er Anträge zur Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt, erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

Dass Therapien kein Wellnessprogramm im Wohlfühlknast sind, sondern messbar Sicherheit schaffen, das lässt sich inzwischen wissenschaftlich belegen. Eine Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Justizvollzug in Zürich unter 300 Häftlingen stellte eine Senkung der Rückfallquote um 50 Prozent fest, wenn Täter mit einer speziell auf sie zugeschnittenen Therapie behandelt werden. Andere Untersuchungen, wie die des Psychiaters Hans-Ludwig-Kröber von der Berliner Charité, kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Den in Zürich erprobten Ansatz einer »deliktsorientierten« Mischung aus Gruppen- und Einzeltherapie will die Behandlungsinitiative nun in Baden-Württemberg umsetzen. Vor kurzem wurde das Therapieprojekt für Sexualstraftäter in der Vollzugsanstalt Mannheim gestartet, am Freitag folgte Heimsheim mit einem Programm für Gewalttäter. Wenn auch der dritte Teil des Projekts in Heilbronn läuft, werden etwa 35 Straftäter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult.

CDU-Fraktion macht Geld locker

Das ist nicht viel. Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden-Württemberg 450 Täter in Haft. Andererseits ist der Preis der erhöhten Sicherheit verblüffend gering: Je 100 000 Euro für 2007 und 2008 hat die CDU-Landtagsfraktion aus ihr zustehenden Haushaltsmitteln locker gemacht, etwa 20 000 Euro hat die »Behandlungsinitiative« eingeworben.

Dennoch bleibt das vorerst ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mehr als die Hälfte aller 8 300 Strafgefangenen im Land erhalten überhaupt keine Behandlung. Auch CDU-Fraktionschef Stefan Mappus, der den Weg für das Engagement seiner Fraktion ebnete, sieht im Südwesten »Nachholbedarf«, weil ein Großteil der inhaftierten Sexualstraftäter nicht individuell behandelt werde.

Bundesweit sind zwar in den vergangenen Jahren viele neue Plätze in speziellen sozialtherapeutischen Anstalten geschaffen worden. Schwierigkeiten bereitet den Therapeuten aber ein anderer Trend: In den letzten zehn Jahren haben viele Bundesländer sogenannte Vollzugslockerungen drastisch zusammengestrichen. (dpa)

Psychisch gestörte Täter sollen Schuldbewusstsein entwickeln
Pilotprojekte in Gefängnissen in Baden-Württemberg sollen die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren: So werden in Heimsheim acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar gewesen sein. Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie. Ziele: Die Häftlinge sollen Verantwortung für die Straftat übernehmen, Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen. Sie sollen lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. (dpa)

©  Reutlinger General-Anzeiger

Psychotherapie gegen hohe Rückfallquote (morgenweb.de)

http://www.morgenweb.de/nachrichten/politik/20071215_srv0000001899126.html

Pilotprojekt: Gewalttäter werden in Heimsheim behandelt

Psychotherapie gegen hohe Rückfallquote

Heimsheim. Drei Pilotprojekte in Gefängnissen in Baden-Württemberg sollen die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren. Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU), zeigte sich gestern in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim (Enzkreis), überzeugt, dass die Programme von Erfolg gekrönt sein und sich landesweit etablieren werden. Die "Behandlungsinitiative Opferschutz" hatte das Projekt angestoßen, um die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Straftäter zu verringern. Die CDU im Landtag fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100 000 Euro.

Erinnerung an Fall Carolin

Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Michael Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnerten an den tragischen Fall der ermordeten 16-jährigen Carolin: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt, erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

In Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht. Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie durch interne und externe Therapeuten.

Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen. Weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Männer weiter Kontakt zu den externen Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Doch auch bei Gewalttaten habe man mit psychotherapeutischen Behandlungen gute Erfahrungen gemacht, sagte Steindorfner. Diese sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. In Mannheim werden seit etwa einem Monat Sexualstraftäter behandelt, in Heilbronn sollen ab 2008 weniger schwere Gewalttäter therapiert werden.

Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht in Karlsruhe, sagte, ein Projekt wie in Heimsheim sei im Schweizer Kanton Zürich bereits Standard, in Deutschland jedoch noch Neuland. Er hoffe, dass das Land die Mittel auch nach 2008 weiter bereit stellen werde. Auch bei schweren Gewalttätern könne durch Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

Hälfte erhält keine Therapie

Wenn auch der dritte Teil des Projekts in Heilbronn läuft, werden im Südwesten etwa 35 Straftäter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult. Das ist nicht viel: Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden-Württemberg 450 Täter in Haft. Mehr als die Hälfte aller rund 8300 Strafgefangenen in Baden-Württemberg erhalten überhaupt keine Behandlung, sagt Böhm. lsw

© Mannheimer Morgen
15. Dezember 2007


Beim Menschen geht es nicht wie... (stuttgarter-zeitung.de)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1591212

Beim Menschen geht es nicht wie bei der Autoreparatur

Bundesweites Pilotprojekt startet im Heimsheimer Gefängnis - Lob für die besonderen Therapieansätze und Lacherfolg für den Bürgermeister

Heimsheim. In der Justizvollzugsanstalt ist gestern ein bundesweit einzigartiges Projekt vorgestellt worden: Gewalttäter sollen intensiv therapiert werden - und so ihre Zukunft in den Griff bekommen. Hochrangige Justizpolitiker und Experten haben sich dazu in Heimsheim getroffen.

Von Peter Meuer

So viel Justiz ist selten in einem Gefängnis versammelt: Generalstaatsanwälte, Richter, Justizpolitiker aller Couleur aus dem Landtag waren nach Heimsheim gekommen, um den Startschuss für ein besonderes Konzept zu geben. Schwere Gewalttäter, Mörder und Totschläger sollen ab Januar intensive Therapie erfahren. Der Verein Behandlungsinitiative Opferschutz hat das baden-württembergische Projekt ins Leben gerufen, das gleichzeitig noch in den Gefängnissen Mannheim und Heilbronn startet - dort allerdings mit Sexualstraftätern und leichten Gewalttätern (siehe auch Seite 8).

Gruppentherapien und eine regelmäßige psychotherapeutische Betreuung nach der Entlassung sollen Straftäter davon abhalten, später wieder gewalttätig zu werden. Die Psychotherapeutin Maria-Friederike Köhler gestaltet das Programm mit. Die 38-jährige hat in Jena und Leipzig Psychologie studiert und wird künftig an drei Tagen in der Woche zunächst acht Gewalttäter in Heimsheim betreuen. Sie hat schon vorher als Psychologin in der Sozialtherapie, im Strafvollzug und im Maßregelvollzug gearbeitet. Neu ist für sie eher, aus der bundesdeutschen Hauptstadt in die schwäbische Idylle zu ziehen. "Aber es fängt schon an, mir hier zu gefallen", sagt sie lächelnd, "sonst würde ich schließlich nicht herkommen." An dem Behandlungsprogramm waren mehrere baden-württembergische Justizvollzugsanstalten interessiert. Wieso ist die Wahl aber neben Mannheim und Heilbronn auf Heimsheim gefallen? "Das hat im Wesentlichen zwei Gründe, erklärt Richter Klaus Michael Böhm vom Oberlandesgericht Karlsruhe von der Behandlungsinitiative Opferschutz. "Es gibt hier einen entsprechenden Bedarf, andererseits haben wir in Heimsheim schon hervorragende Therapeuten mit viel Erfahrung." Diese Erfahrung in Heimsheim rührt nicht zuletzt daher, dass die Heimsheimer Anstaltspsychologen schon seit fast zehn Jahren ähnliche Gruppentherapien für Sexualstraftäter anbieten.

Die Ansätze zur Therapie für Gewalttäter sind ähnlich. "Die Täter müssen die Behandlung wollen, sich mit ihren eigenen dunklen Seiten auseinandersetzen", sagt der Psychologe Bert Mäckelburg vom Heimsheimer Gefängnis. "Sie müssen erkennen, wie sie zum Täter geworden sind." Das sei aber nicht wie eine Autoreparatur. Man könnte nicht einfach Teile eines Menschen austauschen.

Ein besonderes aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept sei in dieser Art bundesweit einzigartig. "Bei Vergewaltigungen wissen wir, dass nach solchen Therapien die Zahl der Rückfälle von etwa 40 Prozent auf 5 Prozent sinken kann", sagt der Richter Klaus Michael Böhm. Neben all den juristischen und politischen Schwergewichten, die sich gestern in der Justizvollzugsanstalt trafen, machte der Heimsheimer Bürgermeister Uwe Rupp eine gute Figur.

Er hatte die Lacher auf seiner Seite, weil er das Gefängnis mit seinen 500 Insassen als "Heimsheimer Höhenstadtteil" anpries. Tatsächlich sei die "JVA mittlerweile fester Bestandteil unserer Schleglerstadt", sagte Rupp auch mit Blick auf die vielen ehrenamtlichen Initiativen, die den Knastalltag erhellen.

15.12.2007 - aktualisiert: 15.12.2007 06:03 Uhr
© 2007 STUTTGARTER ZEITUNG online

Therapie für Gewalttäter (bietigheimerzeitung.de)

http://www.bietigheimerzeitung.de/bz/html/news/artikel_suedwestumschau.php4?artikel=3289975

HEIMSHEIM, 15. DEZEMBER 2007

STRAFVOLLZUG / PILOTPROJEKT IN DREI GEFÄNGNISSEN

Therapie für Gewalttäter

Rückfallquote soll verringert werden - Gute Erfahrungen

Ein Modellprojekt soll die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Gewalt- und Sexualstraftäter vermindern helfen. In Mannheim, Heimsheim und Heilbronn werden die Betroffenen zwei Jahre lang einer kombinierten Einzel- und Gruppenpsychotherapie unterzogen.

Ein Pilotprojekt in drei Gefängnissen im Land soll die Rückfallquote schwerer Gewalt- und Sexualstraftäter reduzieren. Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU), zeigte sich gestern in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim (Enzkreis) überzeugt, dass die Programme von Erfolg gekrönt sein und sich landesweit etablieren werden. Die Behandlungsinitiative Opferschutz hatte das Projekt angestoßen, um die Gefahren für die Allgemeinheit durch entlassene Straftäter zu verringern. Das Land fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100 000 Euro, die Initiative hat 20 000 Euro eingeworben.

In Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht.

Die Häftlinge bekommen zwei Jahre lang eine kombinierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie durch interne und externe Therapeuten. Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen; weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Strafgefangenen weiter Kontakt zu den externen Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Neuland in Deutschland

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Doch auch bei Gewalttaten habe man mit psychotherapeutischen Behandlungen gute Erfahrungen gemacht, sagte Steindorfner. Diese sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. In Mannheim werden seit etwa einem Monat Sexualstraftäter behandelt, in Heilbronn sollen von 2008 an weniger schwere Gewalttäter therapiert werden.

Das Projekt in Heimsheim erhält 30 000 Euro der Landesmittel und 5000 Euro von der Initiative Opferschutz. Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht in Karlsruhe und Mitbegründer der Initiative Opferschutz, sagte, ein solches Projekt sei im Schweizer Kanton Zürich bereits Standard, in Deutschland jedoch noch Neuland. Er hoffe, dass das Land die Mittel auch nach 2008 weiter bereitstellen werde. Auch bei schweren Gewalttätern könne durch solche Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

Böhm und der Strafrichter Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Rostocker Mordfall Carolin. Der Mörder der 16-Jährigen war nach sieben Jahren Haft wegen Vergewaltigung erst zwei Wochen vor der Tat im Juli 2005 entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt. Erst ein Jahr vor seiner Haftentlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren. Der 29-Jährige wurde für den Mädchenmord schließlich zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

VON LSW
© Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim mbH

Pilotprojekt für Gewaltstraftäter (swr.de)

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=2940664/10oji2/index.html

Heimsheim
Landesweites Pilotprojekt für Gewaltstraftäter

Ein psychotherapeutisches Pilotprojekt in mehreren Gefängnissen in
Baden-Württemberg soll die Rückfallquote bei Gewalttätern reduzieren.
Die Initiative Opferschutz hat das Projekt angeregt.

Quelle: SWR
Korridor mit Zellentüren in Haftanstalt

Bei dem Projekt werde eine kombinierte Einzel- und Gruppentherapie angewandt, erklärte Michael Steindorfner, Ministerialdirektor im Justizministerium (CDU). Das Land fördert die Modellversuche 2007 und 2008 mit jährlich 100.000 Euro.

In der Justizvollzugsanstalt Heimsheim werden nun acht Häftlinge therapiert, die wegen Mordes, Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung zu mehrjähriger Haft verurteilt wurden. Für die Teilnahme müssen psychische Störungen bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar sein, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht.

Schuldbewusstsein soll entwickelt werden

Ziele sind, dass die Häftlinge Verantwortung für die Straftat übernehmen, ein Schuldbewusstsein entwickeln und sich in die Opfer hineinversetzen; weiter sollen sie lernen, sich selbst kritisch zu betrachten und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach ihrer Entlassung sollen die Strafgefangenen weiter Kontakt zu den Therapeuten halten, damit die Behandlungserfolge gesichert sind.

Ähnliche Therapien gab es bisher ausschließlich für Sexualstraftäter oder in der Spezialanstalt auf dem Hohen Asperg im Kreis Ludwigsburg. Die psychotherapeutischen Behandlungen sollen nun auch im Regelstrafvollzug eingeführt werden. Auch bei Gewalttätern könne durch solche Therapien die Rückfallquote von mehr als 40 auf fünf Prozent reduziert werden, hieß es. Nur etwa zehn Prozent der Täter seien nicht therapierbar.

© SWR 2007

Therapieren statt nur wegsperren (stuttgarter-zeitung.de)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1591021?lastupdate=2007-12-14_16:03:51

Therapieren statt nur wegsperren

 



Sexualstraftäter einfach wegsperren? Um die Rückfallquote zu senken,
will eine Initiative die Therapie im Knast ausbauen. Foto: dpa

Kritiker des praktizierten Systems, Täter einfach wegzusperren, gründen die
"Behandlungsinitiative Opferschutz"

Karlsruhe - Es sind grauenvolle Morde wie jener an der 16- jährigen Carolin im Sommer 2005, die Forderungen nach mehr Härte gegen Gewaltverbrecher seit Jahren Konjunktur verleihen. Forderungen, die längst erfüllt werden: Der Gesetzgeber hat die Strafen für Sexualdelikte deutlich nach oben geschraubt und auch die Richter greifen härter durch - Haftstrafen über fünf Jahre für Vergewaltiger werden heute doppelt so häufig verhängt wie noch vor wenigen Jahren. Gegen den Mörder von Carolin, einen vorbestraften und dann nicht austherapierten Vergewaltiger, packte die Justiz gar das gesamte Instrumentarium aus: lebenslang, besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung.

Doch machen härtere Strafen die Welt wirklich sicherer? Die Expertenkritik am Trend zum Wegsperren wird lauter. Richter, Gefängnisleiter und Psychologen mahnen seit langem, dass sich eine psychische Störung des Täters nicht in Luft auflöst, nur weil er ein paar Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und weil eben nur drei Prozent der Täter zu lebenslang verurteilt werden, verlassen die allermeisten irgendwann das Gefängnis - nicht selten als tickende Zeitbomben, wenn sie zuvor nicht behandelt und therapiert worden sind. Einige der Kritiker haben nun in Baden-Württemberg die "Behandlungsinitiative Opferschutz" gegründet: Mit drei Modellprojekten wollen sie die Therapiemöglichkeiten im Südwesten verbessern.

Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Anfang der Carolin-Tragödie: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er Antrag um Antrag auf Aufnahme in die Sozialtherapie gestellt, erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung - zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.

Therapien sind kein Wohlfühlprogramm

Dass Therapien kein Wellnessprogramm im Wohlfühlknast sind, sondern messbar Sicherheit schaffen, das lässt sich inzwischen wissenschaftlich belegen. Eine Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Justizvollzug in Zürich unter 300 Häftlingen stellte eine Senkung der Rückfallquote um 50 Prozent fest, wenn Täter mit einer speziell auf sie zugeschnittenen Therapie behandelt werden. Andere Untersuchungen, wie die des Psychiaters Hans-Ludwig-Kröber von der Berliner Charité, kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Den in Zürich erprobten Ansatz einer "deliktsorientierten" Mischung aus Gruppen- und Einzeltherapie will die Behandlungsinitiative nun in Baden-Württemberg umsetzen. Vor kurzem wurde das Therapieprojekt für Sexualstraftäter in der Vollzugsanstalt Mannheim gestartet, am Freitag folgte Heimsheim mit einem Programm für Gewalttäter. Wenn auch der dritte Teil des Projekts in Heilbronn läuft, werden etwa 35 Straftäter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult.

450 Sexualstraftäter allein im Land

Das ist nicht viel. Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden-Württemberg 450 Täter in Haft. Andererseits ist der Preis der erhöhten Sicherheit verblüffend gering: Je 100.000 Euro für die Jahre 2007 und 2008 hat die CDU-Landtagsfraktion aus ihr zustehenden Haushaltsmitteln locker gemacht, etwa 20.000 Euro hat die "Behandlungsinitiative" eingeworben.

Dennoch bleibt das vorerst ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mehr als die Hälfte aller rund 8300 Strafgefangenen in Baden-Württemberg erhalten überhaupt keine Behandlung, schreibt Böhm in einer Fachzeitschrift. Auch CDU-Fraktionschef Stefan Mappus, der den Weg für das Engagement seiner Fraktion ebnete, sieht im Südwesten "Nachholbedarf", weil ein Großteil der inhaftierten Sexualstraftäter nicht individuell behandelt werde.

Bundesweit sind zwar in den vergangenen Jahren viele neue Plätze in speziellen sozialtherapeutischen Anstalten geschaffen worden. Schwierigkeiten bereitet den Therapeuten aber ein anderer Trend. In den letzten zehn Jahren haben viele Bundesländer sogenannte Vollzugslockerungen drastisch zusammengestrichen. Der offene Vollzug wurde in Hamburg auf weniger als ein Drittel zurückgefahren, ähnlich sieht es im ehemals liberalen Hessen aus, und in Bremen hat sich die Zahl halbiert. Auch Hafturlaube werden reduziert - obwohl die ersten vorsichtigen Schritte in die Freiheit eigentlich zum therapeutischen Konzept gehören, kritisiert Bernd Wischka, Leiter der Sozialtherapie in der Justizvollzugsanstalt Lingen: "Wir haben immer mehr Leute, die nicht auf ihre Entlassung vorbereitet sind."

dpa/lsw
14.12.2007 - aktualisiert: 14.12.2007 16:03 Uhr


Festakt Justizvollzugsanstalt Heimsheim (stratfrecht-online.de)

http://www.strafrecht-online.de/?id=708


Festakt anlässlich der Einführung des
Behandlungsprogramms für schwere Gewaltstraftäter im Regelvollzug
in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim

Zeit: 14.12.2007, 10.30 Uhr

Ort: Justizvollzugsanstalt Heimsheim


Neben dem bereits seit 1998 bestehenden Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter wird jetzt in der JVA Heimsheim zusätzlich ein Behandlungsprogramm für schwere Gewaltstraftäter eingerichtet.

Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass das Ende Januar 1998 in Kraft getretene Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straftaten zwar zu einer Ausweitung der Behandlung von Sexualstraftätern führte, andere nicht minder gefährliche Täter, wie vor allem schwere Gewaltstraftäter, hiervon aber weitgehend unberücksichtigt blieben. Die Maßnahme dient dem Opferschutz, denn nach gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen kann durch eine indizierte Therapie das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert werden.

Bei dieser Maßnahme handelt es sich landesweit um das erste Projekt einer umfassenden psychotherapeutischen Behandlung schwerer Gewaltstraftäter im Regelstrafvollzug.

Dabei kombiniert es mehrere bewährte und wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethoden und stützt sich neben den eigenen, in fast 10-jähriger Therapiearbeit mit Sexualstraftätern gewonnenen Erfahrungen auf die Erkenntnisse mehrerer im Strafvollzug, in der Sozialtherapie sowie im Maßregelvollzug tätiger Fachleute. So erhalten die Strafgefangenen neben einer auf dem bewährten „Behandlungsprogramm für Straftäter (BPS)“ von Wischka u.a. (2002) basierenden Gruppenpsychotherapie zusätzlich eine durch die Psychotherapeutische Ambulanz des Bewährungshilfevereins Stuttgart e. V übernommene einzelpsychotherapeutische Behandlung, in welcher die mit dem Delikt in Zusammenhang stehenden psychischen Störungen behandelt werden.

Eine solche Kombination verschiedener psychotherapeutischer Ansätze bietet nach Erfahrungen aus der bundesdeutschen Sozialtherapie sowie aus dem Strafvollzug der Schweiz - dem psychiatrisch-psychologischen Dienst - PPD – des Züricher Amtes für Justizvollzug - eine verlässliche Grundlage für eine deutliche Reduzierung des Rückfallrisikos und damit einem effektiven Opferschutz. Durch die Anbindung der externen Psychotherapie an die Psychotherapeutische Ambulanz des Bewährungshilfevereins Stuttgart e.V. wird auf die seit 1998 bestehende enge Zusammenarbeit bei der Behandlung von Sexualstraftätern aufgebaut. Somit ist sichergestellt, dass die in der Haft begonnene Behandlung auch nach der Entlassung im Wege der ambulanten Nachsorge fortgesetzt werden kann.

Bundesweit einmalig ist das Projekt auch im Hinblick auf seine Finanzierung. Es reiht sich ein in insgesamt drei in Baden Württemberg durchgeführte Modelversuche zur Behandlung gefährlicher Gewalt- und Sexualstraftäter, deren Kosten aus Sondermitteln des Landtages von Baden Württemberg und aus Zuwendungen (zu 20 %) der Behandlungsinitiative Opferschutz - und damit von Bürgern –  getragen werden.

An der Eröffnungsfeierlichkeit werden zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Justiz teilnehmen.

 

Zum Projekt in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim im Einzelnen:

Die Gruppe besteht aus acht Teilnehmern, welche alle Strafen von mehr als vier Jahren zu verbüßen haben. Die bei diesen vorhandenen psychischen Störungen sind bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar geworden, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht. Die Einzelpsychotherapien finden einmal wöchentlich bei einer externen Psychotherapeutin innerhalb der JVA Heimsheim statt, wohingegen die einmal wö-chentlich stattfindenden Gruppenpsychotherapiesitzungen dort gemeinsam von der externen Psychotherapeutin und einem Anstaltspsychologen geleitet werden.

Die Behandlungskonzeption lehnt sich an bestehende Therapiemanuale, wie etwa das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter (BPS, Wischka et al., 2002), an. Als Therapieziele sind unter anderem vorgesehen: die Verantwortungsübernahme für die Straftat, die Entwicklung von Schuld- und Konfliktbewusstsein, die Übernahme der Opferperspektive, das Erkennen eigener Defizite bzw. Schwachpunkte insbesondere in Zusammenhang mit der Tatbegehung, der Aufbau von Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle und sozialen Fertigkeiten, die Aufarbeitung sonstiger tatrelevanter Defizite sowie vor allem die Rückfallvermeidung. Die Unterbringung der Strafgefangenen in einer gesonderten Behandlungsabteilung wird angestrebt, ist aber wegen der baulichen Voraussetzungen derzeit noch nicht möglich. Sämtliche Gefangene gehen einer Arbeit innerhalb der Anstalt nach. Die Kernbehandlungszeit ist auf zwei Jahre angelegt.

 

Organisatorische Hinweise:

Aus Sicherheitsgründen ist eine vorherige namentliche Anmeldung der Teilnehmer unter 07033-3001-105 oder -210 oder durch Rückmail an die Behandlungsinitiative Opferschutz erforderlich.

Eine google-map-Wegbeschreibung zur JVA Heimsheim finden Sie unter:  www.behandlungsinitiative-opferschutz.de (Standorte)

Damit es nicht noch mal passiert (pz-news.de)

http://www.pz-news.de/region/sonstige/97998/

Damit es nicht noch mal passiert


Justizvollzugsanstalt Heimsheim startet neues Behandlungsmodell für schwere Gewalttäter 

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Der Opferschutz steht im Mittelpunkt eines Behandlungsmodelles für Gewalttäter, das im Heimsheimer Gefängnis startet.





HEIMSHEIM. An der Justizvollzugsanstalt Heimsheim wird ein psychotherapeutisches Behandlungsprogramm für schwere Gewalttäter eingerichtet. Es ist das erste Projekt mit diesem Zuschnitt in Baden-Württemberg.

Die Gruppe besteht aus acht Teilnehmern, die alle Strafen von mehr als vier Jahren zu verbüßen haben. Die vorhandenen psychischen Störungen sind bereits im Vorfeld der schweren Gewalttat erkennbar geworden, so dass ohne psychotherapeutische Behandlung eine erhebliche Rückfallgefahr besteht.

Die Einzelpsychotherapien finden einmal wöchentlich bei einer externen Psychotherapeutin innerhalb des Gefängnisses in Heimsheim statt, die wöchentlichen Gruppenpsychotherapie-Sitzungen werden gemeinsam von der externen Psychotherapeutin und einem Anstaltspsychologen geleitet.

Verantwortung übernehmen

Die Behandlungskonzeption lehnt sich an bestehende Therapiekonzepte, wie etwa das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter an, dass es in der Heimsheimer Vollzugsanstalt bereist seit 1998 gibt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Als Therapieziele sind unter anderem vorgesehen: die Verantwortungsübernahme für die Straftat, die Entwicklung von Schuld- und Konfliktbewusstsein, die Übernahme der Opferperspektive, das Erkennen eigener Defizite insbesondere in Zusammenhang mit der Tat, der Aufbau von Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle und soziale Fertigkeiten und vor allem die Rückfallvermeidung. Die Unterbringung der Strafgefangenen in einer gesonderten Behandlungsabteilung wird angestrebt, ist aber wegen der baulichen Voraussetzungen derzeit noch nicht möglich. Sämtliche Gefangene gehen einer Arbeit innerhalb der Anstalt nach. Die Kernbehandlungszeit ist auf zwei Jahre angelegt.

Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass das Ende Januar 1998 in Kraft getretene Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straftaten zwar zu einer Ausweitung der Behandlung von Sexualstraftätern führte, andere nicht minder gefährliche Täter – vor allem schwere Gewaltstraftäter – hiervon aber weitgehend unberücksichtigt blieben.

Beitrag für den Opferschutz

Die Maßnahme dient dem Opferschutz, denn nach gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen könne durch eine Therapie das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert werden. Bei dieser Maßnahme handelt es sich in Baden-Württemberg um das erste Projekt einer umfassenden psychotherapeutischen Behandlung schwerer Gewaltstraftäter im Regelstrafvollzug.

Bundesweit einmalig ist das Projekt auch im Hinblick auf seine Finanzierung. Es reiht sich ein in insgesamt drei in Baden-Württemberg durchgeführte Modellversuche zur Behandlung gefährlicher Gewalt- und Sexualstraftäter, deren Kosten aus Sondermitteln des Landtages von Baden Württemberg und aus Zuwendungen (zu 20 Prozent) der Behandlungsinitiative Opferschutz – und damit von Bürgern – getragen werden.

An der Eröffnungsfeier am 14. Dezember werden zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Justiz teilnehmen.

Erstellt am: 29.11.2007

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