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Kinderpornografie ist keine Kunst - sondern Missbrauch

Aktuelle Pressemitteilung: Kinderpornografie ist keine Kunst sondern Missbrauch

BIOS Baden-Württemberg: Therapien mit Konsumenten von Kinderpornografie

machen 20 Prozent aller Behandlungen aus

Vor dem Landgericht Verden beginnt am Montag (23. Februar 2015) der Prozess gegen den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy, der sich wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten muss. Es ist Sache des Gerichts über Unschuld oder Schuld des ehemaligen Politikers zu befinden.

Gesamtgesellschaftlich haben Verfahren wegen des Besitzes oder Kaufs von Kinderpornografie deutlich zugenommen. Die Kriminalstatistik verzeichnete zwischen 2012 und 2013 eine Zunahme von 28 Prozent. In absoluten Zahlen wurden 2013 gegen 4.144 Verdächtige ermittelt.[1]

Auch bei der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS) melden sich in Baden-Württemberg jährlich zwischen 15 und 25 Tatgeneigte zu einer Therapie an, weil sie – meist über das Internet – Kinderpornografie bezogen haben. Insgesamt macht diese Gruppe 20 Prozent der psychologischen Behandlungen von Tatgeneigten bei BIOS in Baden-Württemberg aus. Ziel der Therapien ist neben Mechanismen zur Selbstkontrolle, bei den Tatgeneigten Empathie mit den Opfern zu entwickeln.

Eindeutig verfehlt ist der Vergleich von Posing-Fotos nackter Kinder mit männlichen Akten in der Kunst, wie ihn Sebastian Edathy in einem Interview gezogen hat[2]. Wäre der Vergleich zutreffend, gäbe es keinen lukrativen Markt für Kinderpornografie. Erwachsene mit pädophilen Neigungen würden auf Kunstkataloge zurückgreifen.

Bei Posing-Fotos werden real lebende Kinder und Jugendliche vermarktet und zum Objekt gemacht. Sie werden in geschlechtsbetonten Posen fotografiert. Die Aufnahmen werden nicht unter ästhetischen Gesichtspunkten produziert, sondern sollen Konsumenten als sexuell ansprechendes Material verkauft werden. Bei „harter“ Kinderpornografie wird realer sexueller Missbrauch abgebildet.

Je jünger die Opfer sind und je länger der Missbrauch andauert, umso gravierender sind die psychischen Folgen. Kinder und Jugendliche machen die Erfahrung, dass sie Erwachsenen zu Diensten sein müssen und sich auch deren sexuellen Wünschen anzupassen haben. Ihr eigener Wille oder ihr Schamgefühl zählen nicht.

Der Gesetzgeber hat 2008 und 2014 die Strafgesetze verschärft. Dies allein genügt jedoch nicht, um Opfer zu schützen. BIOS sieht in Behandlungsangeboten für Tatgeneigte – also für Erwachsene, die noch nicht wegen Sexualdelikten abgeurteilt wurden oder noch keine Straftaten begangen haben –  präventiven Opferschutz. Denn wo kein Täter, da kein Opfer. Rückfälle bzw. erstmalige Straftaten können nicht gänzlich verhindert, aber das Risiko ihrer Begehung kann durch Therapien zumindest halbiert werden.

Im Übrigen erfüllen Besteller von Kinderpornografie in ihrer Mehrheit nicht die Diagnose „Pädophilie“. Eine solche liegt nämlich nach ICD 10 nur vor, wenn eine sexuelle Präferenz für Kinder - die sich meist in der Vorpubertät entwickelt -  besteht. Etwa 80 Prozent aller potenziellen Täter erfüllen – was zuweist übersehen oder verschwiegen wird - diese diagnostischen Kriterien nicht. Sie weichen aus mangelndem Selbstbewusstsein, wegen Partnerproblemen, Machtphantasien oder mangelnder Empathiefähigkeit auf Kinder aus. In der Regel wird ein Bündel unterschiedlicher Motive vorhanden sein: insbesondere neben pädophilen Neigungen sehr häufig auch ein Ausweichen auf Kinder, da man Angst vor Sexualität mit erwachsenen Frauen hat. Oder aber Motive sind: sexueller Kick; Dissozialität bzw. sexuelle Verwahrlosung.

Aufgrund der Entstehungsart und der Intention von kinderpornografischen-  oder aber „Posing-Bildern“ sind diese jedenfalls aus Sicht des präventiven Opferschutzes dem sexuellen Missbrauch zuzuordnen. Konsumenten von Posing- und kinderpornographischen Bildern schaffen einen Markt zur Herstellung solcher Aufnahmen. Damit sind die Konsumenten – und nicht nur die Hersteller - solcher Bilder verantwortlich für die Umstände, unter denen solche Bilder zustande kommen, nämlich durch Drohung, Manipulation, Zwang und Gewalt auf Kinder, die bestimmte, sexuell stimulierende Posen einnehmen sollen.

Erschwerend kommt hinzu, dass „Posing-Bilder“, wie die Erfahrung in der Arbeit mit Tätern und Opfern zeigt, häufig „nur“ der Beginn eines schweren sexuellen Missbrauchs sind. Kindern, von denen „Posing-Bilder“ angefertigt werden, sind nämlich häufig im weiteren Verlauf Opfer eines schweren sexuellen Missbrauchs. Besonders in „Tauschbörsen“ werden diejenigen Personen, welche „Posing-Bilder“ zur Verfügung stellen, oft dazu motiviert, auch Bilder mit eindeutig sexuellen Handlungen mit den abgebildeten Kindern zu zeigen.

BIOS fordert mehr bundesweite Angebote zur Behandlung von potenziell Tatgeneigten, unabhängig davon, ob diese ausnahmsweise die Diagnose der „Pädophilie“ aufweisen oder nicht. Außerdem bedarf es einer bundesweiten Finanzierung durch Aufnahme dieser Personengruppe in das Versorgungssystem der Krankenkassen.

 Ergänzender Hinweis: Die Quote von lediglich etwa 20% an pädohilen Straftätern entspricht der derzeiten Ergebnisses des Präventionsprojekts "Keine Gewalt- udn sexualstraftaten" auch beim Konsum kinderponografischer Aufnahmen. Wir weisen allerdings darauf hin, dass anderweitige Untersuchungen insoweit einen weitaus Höheren Anteil an pädophilen Konsumente aufweisen.


[1] Bundesministerium des Innern: Polizeiliche Kriminalstatistik 2013. Veröffentlicht am 4.6.2014

[2] Spiegel  vom 16.3.2014

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