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Justizminister des Landes Baden Württemberg Herr Rainer Stickelberger MdL besucht BIOS und lobt die Arbeit des Vereins

Justizminister Rainer Stickelberger zu Besuch bei der BIOS e.V. 

Besuch BIOS Stickelberger 001Von Rechts:


Justizminister Stickelberger, 

Dr. Heinz-Scheurer, Therapeutischer Leiter, 

RiOLG Klaus Böhm, 1. Vorsitzender von BIOS 

 

(Foto: Bold von KA-News am Ortsitz des Vereins)

 

 Karlsruhe (ks)

Bei einem Besuch der "Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS)" würdigte Baden-Württembergs Justizminister Rainer Stickelberger die Arbeit der Initiative und äußerte sich zum Umgang mit (Sexual-) Straftätern im Land. Insbesondere hob er die Wichtigkeit der engen Zusammenarbeit des Landes mit dem Verein hervor - nur so könne eine Verbesserung der Organisationsstruktur erreicht werden.

 Und hier Ausschnitte aus dem Artikel mit Dank an KA-News:

...“ Die Initiave BIOS betreut sowohl Opfer als auch Täter sexueller Gewaltverbrechen. Dabei gehe es neben der Therapie für bereits straffällig gewordene Täter ebenso um die Prävention solcher Delikte. Erster Vorsitzender der Initiative Klaus Michael Böhm erläuterte, der Umfang der Betreuung belaufe sich auf etwa 400 laufende Therapien. Darunter seien ungefähr 70 Prozent "abgestrafte" Täter, der Rest sei in präventiver Behandlung.

In den Räumlichkeiten der "forensischen Ambulanz Baden", in denen ausschließlich die Opferbetreuung stattfindet, würdigte Justizminister Stickelberger die Arbeit der Initiatve und hob deren Wichtigkeit hervor: "Im Strafvollzug ist eine Aufarbeitung der Straftat meist nicht möglich, umso wichtiger ist eine professionelle Betreuung der Täter außerhalb der Haft."

Besonders hob er hervor, dass BIOS nicht punktuell sondern "in die Fläche" wirke, also über mehrere Stützpunkte im Land verteilt. Generell gehe es bei Straftätern nach der Haft oft darum, soziale Strukturen wiederherzustellen. "Betroffene haben häufig besonders schwere Schicksale, da reicht eine Betreuung in der Haft alleine nicht aus", sagte Stickelberger.

Auch der Tatprävention misst der Justizminister einen hohen Wert bei. Ziel sei es selbstverständlich nicht, Menschen zu inhaftieren. Vielmehr sei es erstrebenswert, jede einzelne Straftat zu verhindern. Aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten nannte er die hohen Kosten für das Land durch eine Haft: So würde jeder Hafttag etwa 110 Euro kosten, im Jugendbereich meist noch mehr. "Wenn man durch gezielte Therapie oder Prävention solche Delikte verhindern kann, ist das gut angelegtes Geld", sagt Stickelberger. “...

...“Der Minister indes hob die besondere Herangehensweise des Vereins hervor: "Neben den Tätern hat BIOS auch die Opfer im Blick. Diese Beidseitigkeit ist besonders wichtig", sagte er. Mit Blick auf die Täter ergänzte er: "Behandlungsvollzug ist immer besser als Strafvollzug. “...

 
Sowie ein Bericht im im schwäbischen Tagblatt online

 http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/ueberregional/baden-wuerttemberg_artikel,-Jeder-Euro-ist-gut-angelegt-_arid,244453.html

Mit freundlichen Grüßen

Minister Stickelberger


Der Verein dankt dem Justziministerium Baden-Württemberg, insbesondere dem Justizminster für seine Unterstützung bei der Verbesserung des präventiven Opferschutzes im Lande!


Justizminister Rainer Stickelberger, MdL

 

 

 

 

 Hier ein Bericht von Herrn Zschunke (dpa u.a.), den wir

mit freundlicher „Genehmigung der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, Hamburg abdrucken dürfen. Hierfür danke für dpa herzlich.

 

Präventiver Opferschutz: Therapie bevor es zu spät ist

Von Peter Zschunke, dpa

 

Es geht darum, potenzielle Gewalttäter zu behandeln und so Straftaten zu verhindern. Das Präventionsprogramm ist bundesweit einmalig. Doch die Therapeuten stoßen oft auf einen Mangel an Empathie und ein starres Männlichkeitsbild. 

Karlsruhe (dpa/lsw) - Wenn um Mitternacht das Telefon klingelt, weiß Anna Beckers, dass sie gebraucht wird. Die Psychologin behandelt «Tatgeneigte». Das sind meist Männer, die aufgrund ihrer psychischen Verfassung oder wegen wiederholter Gewaltfantasien eine Straftat begehen könnten. Die 29-Jährige leitet das Präventionsprogramm «Keine Gewalt- und Sexualstraftat begehen», in dem zurzeit 110 Männer behandelt werden. Jeden Monat kommen neun dazu - sie melden sich selbst, können auch ohne Angabe ihres Namens eine Therapie bekommen.

Das 2010 gestartete Programm der Forensischen Ambulanz Baden (FAB) ist ein Projekt der Behandlungs-Initiative Opferschutz (BIOS) in Baden-Württemberg. «Das Präventionsprogramm ist in dieser Form einmalig in ganz Deutschland», sagt BIOS-Vorsitzender Klaus Michael Böhm, der als Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe arbeitet und sich aus dieser Erfahrung heraus für den Opferschutz engagiert. Ein eher forschungsorientiertes Präventionsprogramm am Berliner Universitätsklinikum Charité ist auf Pädophile beschränkt.

«Wir kümmern uns nicht nur um potenzielle Täter, die einem Kind schaden könnten, sondern auch um potenzielle Vergewaltiger und Gewaltstraftäter bis hin zu häuslicher Gewalt und Stalkern», erklärt Beckers. «Wir haben auch Tatgeneigte aufgenommen, die an der Charité abgewiesen wurden, von denen aus unserer Sicht aber durchaus ein Risiko ausgeht.»

Behandelt werden sie in einer sogenannten deliktorientierten Psychotherapie. Deren Ziel sei es, «den Täter oder Tatgeneigten so weit zu stabilisieren, dass er keine Straftaten begeht und ein zufriedenes Leben in sozialer Verantwortung führen kann», erklärt Heinz Scheurer, der therapeutische Leiter der von BIOS eingerichteten Ambulanz.

Diese hat acht Außenstellen von Mannheim bis Freiburg - geplant sind zwei weitere - und beschäftigt sieben feste und 40 freie Mitarbeiter. Die therapeutischen Gespräche mit bereits verurteilten Straftätern beginnen mit einer Deliktrekonstruktion. Was hat zum Delikt geführt? Wie ist es abgelaufen? Wie hat sich der Täter gefühlt? Was waren die Folgen für Opfer und Täter?

Dann folgt eine Rückfallprophylaxe: Hier wird untersucht, welche Risikofaktoren noch bestehen und wie diese aufgefangen werden könnten. «Schließlich erkunden wir deliktrelevante Persönlichkeitsmerkmale, etwa eine geringe Steuerungsfähigkeit oder ein schlechtes Selbstwertgefühl», erklärt Scheurer. Die Kosten dafür trägt zumeist das Land.

Das Präventionsprogramm hingegen wird weitgehend vom Verein BIOS mit seinen 110 Mitgliedern und aus der Zuweisung von Geldbußen finanziert. Der Verein sei dem Justizministerium in Stuttgart dankbar für die finanzielle Unterstützung und hoffe jetzt, dass auch das Präventionsprogramm Landesmittel erhalten werde, sagt Richter Böhm.

«Baden-Württemberg ist in Deutschland zum Musterland für Opferschutz geworden.»

Aber können so wirklich Straftaten verhindert werden? Diese Frage will eine Studie an der Universität Heidelberg beantworten. «Wir wollen untersuchen, ob sich während der Behandlung bei den Probanden Veränderungen in kriminologisch relevanten Merkmalen ergeben», erklärt der Direktor des Instituts für Kriminologie, Dieter Dölling. Eines dieser Merkmale sei die «Selbstkontrolle, die verhindert, dass die Bestrebungen, die sie in sich spüren, zu Delikten führen.»

Neigung zur Gewalt ist vielfach mit einem starren Rollenbild verbunden. «Es ist ein Problem, dass viele glauben, einem bestimmten Männlichkeitsbild gerecht werden zu müssen», sagt Scheurer. Positive Fähigkeiten würden oft nicht genug gefördert, kritisiert der 66-jährige Psychologe. «Wir werden eher zu Narzissten erzogen, so dass es vor allem auf Selbstverwirklichung, Macht und bestimmte Statussymbole ankommt. Da kann unsere Klientel schlecht mithalten.»

Die Therapeuten erfahren oft, dass es den von ihnen behandelten Menschen an Empathie fehlt. «Wir haben Tatgeneigte, die im Internet den Drang haben, nach kinderpornografischem Material zu suchen», sagt Anna Beckers. «Viele Männer wollen gar nicht verstehen, dass diese Bilder nicht auf den Bäumen wachsen und dass Kinder Füchterliches erlebt haben müssen, um zu diesen Bildern zu kommen.»

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