BIOS schließt Kooperationsvertrag mit der Evangelischen Landeskirche Baden.

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Pressemitteilung vom 15.07.2011

Neuer Therapieansatz für Gewalt- und Sexualstraftäter vorgestellt

Notiz zur Pressekonferenz am 15. Juli 2011 in Karlsruhe


Das Projekt: Die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e. V. richtet in den Vollzugsanstalten Adelsheim und Offenburg in Abstimmung mit dem Justizministerium Baden-Württemberg zwei neue BIOS-Behandlungsabteilungen ein, in denen heranwachsende und erwachsene Gewalt- oder Sexualstraftäter mit einem neuen Ansatz psychologisch behandelt werden. Zielgruppe sind Strafgefangene, die eine erhöhte Rückfälligkeit aufweisen und für die ein intensiver gruppen- und einzeltherapeutischer Behandlungsbedarf besteht. Der gemeinnützige Verein wird dabei von der ebenfalls gemeinnützigen Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt.

Hintergrund: Durch konsequente psychotherapeutische Behandlung lassen sich die Rückfallquoten bei Gewalt- und Sexualstraftätern um bis zu 60 Prozent reduzieren. Dies ergab eine aktuelle Studie des Amtes für Justizvolllzug des Kantons Zürich. Die Angebote wirken sich zudem positiv auf die öffentlichen Finanzen aus: Ohne diese Therapieangebote hätte der Kanton Zürich mehr als das Doppelte der jährlichen Kosten für den Psychiatrisch Psychologischen Dienst (PPD) aufwenden müssen – vor allem für Haftmehrkosten, Opferschutz und stationäre Klinikaufenthalte der Täter. Mit den beiden neuen BIOS-Behandlungsabteilungen in Adelsheim und Offenburg sind entsprechende erfolgreiche Ansätze jetzt auch in Deutschland geplant. Beide Projekte werden neben den vier bereits bestehenden BIOS-Behandlungsabteilungen in die wissenschaftliche Begleitforschung der Universität Heidelberg einbezogen.



Vertreter auf dem Podium

- Klaus Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe und 1. Vorsitzender der Behandlungsabteilung Opferschutz (BIOS-BW) e. V.:
„Die neuen BIOS-Behandlungsabteilungen sind bis dato bundesweit einzigartige Leuchtturmprojekte. Ich danke Dr. Manfred Lautenschläger, dass seine Stiftung die beiden Projekte in Offenburg und Adelsheim finanziell unterstützt.“

- Dr. h. c. Manfred Lautenschläger, Gründer der Manfred Lautenschläger-Stiftung, erläuterte die Beweggründe für das Spendenengagement seiner Stiftung.

- Markus Klein, Therapeutischer Leiter der Forensischen Ambulanz Baden, präsentierte die ambulante Nachsorge der aus den BIOS-Behandlungsabteilungen entlassenden Täter und schilderte den Kostenaufwand dafür.
„Um die Rückfallwahrscheinlichkeit von Gewalttätern nachhaltig zu mindern, ist eine ambulante Nachsorge besonders wichtig. In der Forensischen Ambulanz Baden ist beispielsweise bei derzeit 250 laufenden Behandlungen in den vergangenen drei Jahren noch kein Täter bekanntermaßen einschlägig rückfällig geworden.“

- Maida Dietlein, stellvertretende Leiterin der JVA Adelsheim und Volker Kersting, geschäftsführender Sozialarbeiter JVA Offenburg, stellten die beiden Projekte im Detail vor.



Die Projekte im Detail

BIOS-Behandlungsabteilung in der JVA Adelsheim

Zielgruppe: Unsichere und gehemmte junge Strafgefangene, die wegen dieser psychischen Disposition entweder straffällig geworden oder auch während des Strafvollzugs Opfer von Übergriffen anderer Strafgefangener geworden sind.

Arbeitsbeginn:       September 2011

Die Justizvollzugsanstalt Adelsheim ist mit 474 Haftplätzen die zentrale Jugendstrafanstalt in Baden-Württemberg. Sie vollzieht hauptsächlich Jugendstrafen an jungen männlichen Gefangenen. Rund die Hälfte der Insassen verbüßt eine Jugendstrafe wegen eines Gewaltdelikts. Nahezu 50 Prozent der Insassen besitzen einen Migrationshintergrund. Nachdem auch innerhalb der Anstalt zahlreiche tätliche Übergriffe unter Gefangenen auftraten, hatte die Anstalt zusammen mit der Führungsakademie Baden-Württemberg Ende 2009 eine Wertanalyse zu diesem Thema durchgeführt. Im Anschluss daran entwickelte die Anstalt für einen Teilbereich (zwei Unterkunftshäuser im intern gelockerten Vollzug) ein neues Erziehungskonzept mit differenzierten pädagogischen und psychotherapeutischen Inhalten.

Ein wichtiges Element dieser neuen Konzeption bildet das gruppenpsychotherapeutische Training sozialer Kompetenz. 25 bis 30 Prozent der betroffenen jungen Gefangenen gelten als sozial schwach bzw. überfordert und inkompetent (ängstlich, unsicher, zurückhaltend, gehemmt, durchsetzungsschwach) - mit tendenziell passivem und defensivem Verhalten und somit unfähig, Konflikte angemessen zu lösen. Aus psychologischer Sicht erscheint Delinquenz unter diesem Aspekt häufig als missglückte, nonkonforme, wenig realitätsgerechte, letztlich erfolglose Kompensation einer Selbstwertproblematik mit frühen Mangel- und Verlusterfahrungen.

In den gruppen- und einzeltherapeutischen Sitzungen (Dauer jeweils drei Monate) werden den Strafgefangenen soziale Fertigkeiten vermittelt, die bei bislang unsicheren, gehemmten jungen Strafgefangenen für das Leben in einer Gemeinschaft erforderlich sind. Die jungen Strafgefangenen lernen hierbei erfolgreich und selbstsicher zu kommunizieren, Strategien zur Problemlösung zu entwickeln und angemessen mit Ärger und Enttäuschung umzugehen.

Die Teilnahme ist auf 8 bis 10 Gefangene begrenzt. Neben einer wöchentlichen Gruppensitzung erhält jeder Teilnehmer psychotherapeutische Einzelgespräche. Ein Trainingskurs dauert 3 Monate.




BIOS-Behandlungsabteilung in der JVA Offenburg

Zielgruppe: Gewalt- und Sexualstraftäter, die neben einer die Tat mitverursachenden Persönlichkeitsstörung auch eine Suchtmittelproblematik aufweisen.

Arbeitsbeginn: November / Dezember 2011

In der JVA Offenburg ist  - wie in vielen Justizvollzugsanstalten - eine hohe Anzahl an Menschen mit einer Suchtmittelproblematik inhaftiert. Allein der Anteil an Gefangenen mit einer Problematik im Bereich illegaler Drogen wird auf mindestens 25 Prozent geschätzt. Der Begriff „Problematik“ umfasst das Feld von leichterem missbräuchlichem Konsum bis hin zu Schwerstabhängigkeit mit Chronifizierung. Bei vielen Gefangenen steht die Suchtmittelproblematik in einem engen Zusammenhang mit der Straffälligkeit. Resozialisierungsbemühungen müssen diesen Zusammenhang berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund wird durch BIOS eine Behandlungsabteilung für Gefangene mit einer Suchtmittelproblematik und einer einschlägigen Vorstrafe eingerichtet.

Einmal wöchentlich wird eine suchtspezifische Gruppensitzung stattfinden, daneben psychologische Einzelgespräche, die die Gruppensitzung flankieren und vertiefen, aber auch auf weitere persönliche Anliegen der Gefangenen eingehen. Geplant sind zwei Gruppen mit jeweils 10 Gefangenen und einer Behandlungsdauer von ca. einem Jahr.


Über BIOS
Die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e. V. setzt sich landesweit für die Verhinderung von Straftaten ein. Neben zahlreichen einzeltherapeutischen Maßnahmen unterstützt der gemeinnützige Verein bereits in den Justizvollzugsanstalten Mannheim, Heimsheim, Heilbronn und Bruchsaal vier BIOS-Behandlungsabteilungen, in denen gefährliche Gewalt- und Sexualstraftäter psychologisch behandelt werden. Außerdem unterhält er die Forensische Ambulanz Baden (FAB).
Weitere Informationen unter www.bios-bw.de.

Über die Manfred Lautenschläger-Stiftung
Die gemeinnützige Manfred Lautenschläger-Stiftung wurde 2002 vom MLP-Gründer Manfred Lautenschläger ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, durch Wissenschaft und Innovation das Leben der Menschen in unserer Gesellschaft zu verbessern. Im Fokus stehen Völkerverständigung, die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen und die Forschungsförderung. Mit Hilfe der Stiftung konnte beispielsweise am Universitätsklinikum Heidelberg die Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik als eines der modernsten Kinderkrankenhäuser in Europa realisiert oder die Forschungsarbeit am Deutschen Krebsforschungszentrum entscheidend weiterentwickelt werden. Weitere Informationen unter
www.ml-stiftung.de
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Freundliche Grüße

Klaus Böhm
1. Vorsitzender der Behandlungsabteilung Opferschutz (BIOS-BW) e. V








 

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