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Therapieren ist billiger als Wegsperren

 

Karlsruhe, den  7./8. Februar 2011

Presseerklärung

Therapieren ist billiger als Wegsperren

Dies ist einer im Auftrag der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. erstellten aktuellen Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 4. Februar 2011 zu entnehmen.  Danach konnten aufgrund der dort seit 1997 konsequent durchgeführten psychotherapeutischen Behandlungen von straffällig gewordenen Gewalt- und Sexualstraftätern in oder außerhalb des Strafvollzugs schon allein die ansonsten angefallenen Haftkosten um mehr als die Hälfe gesenkt werden. Bei der Untersuchung wurden die aktuellen Ergebnisse der Züricher Rückfalluntersuchungen berücksichtigt, nach welchen durch die dort praktizierte konsequente psychotherapeutische Behandlung von Gewalt- und Sexualstraftäter die Rückfallrate um mindestens 63 % gesenkt werden konnte und nunmehr bei lediglich 3 % liegt. Nach der Studie müsste der Kanton Zürich ohne die derzeitigen therapeutischen Angebote schon allein wegen der Haftmehrkosten mehr als das Doppelte der jährlich für den Psychiatrischen Psychologischen Dienst (PPD) anfallenden Kosten von 3 Millionen SchweizerFranken (CHF) aufwenden.

 

Die Untersuchung wurde von der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V.  im Hinblick auf das von ihr dem Bundesministerium der Justiz am 3. März 2009 vorgelegte „BIOS-Memorandum“ in Auftrag gegeben, nach welchem - wie in der Schweiz - auch in Deutschland bereits in der gerichtlichen Hauptverhandlung gefährliche Gewalt- und Sexualstraftäter durch einen Sachverständigen daraufhin untersucht werden sollen, ob sie an einer psychischen Störung leiden und sie psychotherapeutisch behandelt werden können. Auch soll das Gericht zur Anordnung therapeutischer Maßnahmen befugt sein. Durch eine solche verbesserte opferschützende Ausrichtung des Strafrechts soll verhindert werden, dass weiterhin solche Täter mit der Folge einer erhöhten Rückfallgefahr unbehandelt aus der Haft entlassen werden, sei es weil dort die tatmitauslösende Persönlichkeitsstörung unerkannt bleibt oder aber für die notwendigen therapeutischen Maßnahmen kein Geld vorhanden ist. Die insoweit in Deutschland bestehenden und im BIOS-Memorandum“ aufgezeigten Behandlungsdefizite waren auch Gegenstand des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg (EGMR) vom 17.  Dezember 2009 (19359/04) und werden voraussichtlich auch in der Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruheam 8. Februar 2011 zur „Sicherungsverwahrung“  zur Sprache kommen.

 

 Das „BIOS-Memorandum“war bereits am 17. März  2010 Gegenstand einer öffentlichen Anhörung der FDP-Bundestagsfraktion zum Thema „Lösungen und Wege im Kampf gegen die Kinderpornografie“ im Reichtagsgebäude in Berlin und ist bezüglich dieser Tätergruppe auch in ein Eckpunktepapier der Regierungsfraktionen eingeflossen. Mehr hierzu finden Sie auf unserer Homepage unter www.bios-bw.de unter Bundestagsdiskussion. Dort ist auch die neue Studie aus Zürich im Volltext eingestellt.

 

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