BIOS schließt Kooperationsvertrag mit der Evangelischen Landeskirche Baden.

fab logo

Opferschutz-Partner


BIOS-Newsletter Empfange HTML?
Besucher heute:31
Besucher gestern:17
Besucher diesen Monat:253
Besucher dieses Jahr:5104
Tägliche Besucher:5716
Montliche Besucher:8421

Psychiatrisch-Psychologischer Dienst Kanton Zürich (PPD)

Das Zürcher PPD-Modell und BIOS:
Prävention und Opferschutz als gemeinsame Programmatik

Jeder Mensch hat das Recht, nicht Opfer einer Gewalt- oder Sexualstraftat zu werden. Aus diesem Recht ergibt sich die Verpflichtung des Staates, in bestmöglicher Weise für die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu sorgen. Der hier beschriebene Grundsatz ist die Ausgangsthese der Zürcher Opferschutz-Charta (www.z-o-c.org). In ihr werden 10 Paradigmen formuliert, die für eine verbesserte Prävention und einen besseren Opferschutz wichtig sind. Dabei geht es z. B. darum, dass der Präventionsgedanke im Strafverfahren, im Strafprozess und in der Justizvollzugspraxis einen gleichrangigen Stellenwert gegenüber dem Schuldprinzip erhalten soll. Der Umgang der Justiz mit Straftaten darf sich nicht in einer Interaktion zwischen Staat und Täter erschöpfen. Opfer und potentielle Opfer haben legitime Interessen, die gleichberechtigt berücksichtigt werden müssen.

 

Zwar gibt es leider keine 100%ige Sicherheit. Aber es kann viel getan werden. Für ein effektives Gefährlichkeitsmanagement von Gewalt- und Sexualstraftätern ist die flächendeckende Verfügbarkeit professioneller Risikobeurteilungen sowie risikosenkender Therapien für rückfallgefährdete Straftäter von grosser Bedeutung. Andererseits geht es aber auch darum, die kleine Gruppe der hoch gefährlichen und nicht therapierbaren Täter frühzeitig zu erkennen und langfristig zu sichern.

 

Das Zürcher Modell ist ein konsequent auf Prävention ausgerichteter Justizvollzug. Es realisiert weitgehend die erwähnten Prinzipien. Die von Klaus Michael Böhm, RiOLG Karlsruhe, ins Leben gerufene Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS e.V.) hat mit verschiedenen Initiativen vorbildliche Entwicklungsarbeit geleistet, auch in Deutschland dem Präventions- und Opferschutzgedanken mehr Geltung zu verschaffen. Aufgrund der gemeinsamen Zielsetzungen ist BIOS für den Zürcher PPD daher in Deutschland ein zentraler Kooperationspartner.

 

Organisation und Struktur des Zürcher PPD Modells

 

Im PPD arbeiten derzeit rund 60 Mitarbeitende unterschiedlicher Berufsgruppen (Psychologie, Medizin, Krankenpflege) interdisziplinär zusammen.

 

Die wichtigsten Geschäftsfelder des PPD

 

Durchführung deliktpräventiver Therapieangebote und
Risikoeinschätzungen mit Schwerpunkt Gewalt- und Sexualdelinquenz

 

Ca. 250 Straftäter befinden sich fortlaufend in deliktpräventiven Behandlungsprogrammen, die strafvollzugsbegleitend oder auch in Freiheit durchgeführt werden. Die Therapien finden in Gruppen oder im Einzelsetting statt.

 

Psychiatrische Grundversorgung aller Gefängnisse
sowie Straf- und Massnahmenvollzugseinrichtungen im Kanton Zürich

 

Jährlich werden durch den PPD rund 1.300 Straftäter in den Gefängnissen des Kantons Zürich betreut. Im Zentrum der psychiatrischen Grundversorgung steht die Beeinflussung und Stabilisierung akuter psychiatrischer Zustandsbilder während der Haftsituation. Jährlich werden im PPD rund 12.000 Konsultationen durchgeführt.

 

Evaluation und Qualitätssicherung

 

Die Evaluation von therapeutischen Programmen sowie die Untersuchung und Weiterentwicklung von Verfahren der Prognosebildung gehören zu den Schwerpunkten der anwendungsorientierten Forschung des PPD.

Das Spezielle am Zürcher PPD-Modell ist die strukturelle und organisatorische Integration des Dienstes in die Justiz. Der Dienst ist ein gleichberechtigter, in die Entscheidungsstrukturen eingebundener Partner des Gefängniswesens oder der Bewährungshilfe und Strafvollstreckung.

 

Rechtliches

In der Schweiz gibt es im Gegensatz zu Deutschland ein breites Instrumentarium gerichtlich angeordneter Therapiemassnahmen: stationäre Therapien (in forensisch-psychiatrischen Kliniken, in speziellen Massnahmeeinrichtungen und in spezialisierten Abteilungen von Strafanstalten), ambulante strafvollzugsbegleitende Therapien, die nach Entlassung aus dem Strafvollzug weitergeführt werden können, ambulante Therapien in Freiheit unter Aufschub einer Haftstrafe oder ambulante Therapien begleitend zu einer ausgesprochenen Bewährungsstrafe. Die Frage, ob eine ambulante oder stationäre Therapie angeordnet wird, ist völlig unabhängig von der Frage der Schuldfähigkeit.

 

Zudem ist das System durchlässig, d. h. Massnahmen können je nach Erfordernis gewechselt oder kombiniert werden. Um solche Massnahmen anzuordnen, ist ein psychiatrisches Gutachten zwingend erforderlich.    

 

Aufgrund der rechtlichen Ausgangslage handelt es sich dabei im Unterschied zu Deutschland praktisch auch immer um ein Prognosegutachten, weil die Voraussetzung für die Anordnung einer Massnahme darin besteht, zunächst die Rückfallgefahr darzustellen.

 

Darüber hinaus gibt es z. B. in Zürich durch unseren Dienst das so genannte Kurzgutachten-Projekt. Es handelt sich um fokale Risikobeurteilungen, die z. B. dann erstellt werden, wenn Personen schwere Gewalttaten androhen. Solche fokalen Risikobeurteilungen werden z. B. vorgenommen, bevor eine Person aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Das hat auch den Vorteil, dass dann deliktpräventive Massnahmen im Rahmen von Ersatzanordnungen vor der     Entlassung aus der Untersuchungshaft ausgesprochen werden können. Das Projekt läuft seit dem Jahr 2000 und ist bis jetzt sehr erfolgreich.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass insgesamt in der Schweiz aufgrund der gesetzlichen Bedingungen, speziell aber im Kanton Zürich aufgrund unserer Versorgungssituation die Risikoorientierung schon im erkennenden Verfahren und dann später im gesamten Vollzug zusammen mit der Zurverfügungstellung flächendeckender Präventionsangebote im Vergleich zu Deutschland sehr viel stärker verankert ist und praktiziert wird.

 

Die neue Studie aus Zürich ist hier im Volltext eingestellt.

Studie Zürich Kosteneffizienz


Weitere Informationen zum PPD:

www.ppd.zh.ch

Weitere Informationen zu Forschungsarbeiten:

www.zurichforensic.org

Weitere Informationen zur Zürcher Opferschutz-Charta:

www.z-o-c.org

 

QR-Code dieser Seite