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Behandlung gefährlicher Sexualstraftäter - ka-news



Forensische Ambulanz Baden
 

Behandlung gefährlicher Sexualstraftäter

Quelle: ka-news.de
Die Forensische Ambulanz Baden
hat Räumlichkeiten im Amtsgericht
(Foto: ka-news)
Karlsruhe - Am gestrigen Dienstag wurde die Forensische Ambulanz Baden offiziell eingeweiht. Mit der Bereitstellung von Räumlichkeiten im Amtsgericht Karlsruhe wurde im Februar dieses Jahres dafür der Weg geebnet. Zuvor hatte sich die 2005 gegründete Behandlungs-Initiative Karlsruhe dafür eingesetzt (ka-news berichtete).

Mit der Forensischen Ambulanz Baden will die Behandlungsinitiative Opferschutz die Angebote zur Behandlung gefährlicher Gewalt- und Sexualstraftäter ergänzen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass durch eine entsprechende Behandlung das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert wird. Und eben diese Rückfallprophylaxe dient dem Opferschutz. Es ist jedoch unabdingbar, dass die Behandlung nach der Entlassung fortgeführt wird. Die Möglichkeit von Nachsorgebehandlungen in Forensischen Ambulanzen sind inzwischen vom Gesetzgeber ausdrücklich vorgesehen. Zu diesem Zweck hat die Forensische Ambulanz Baden am 2. Juni ihren Arbeitsbetrieb aufgenommen.

Voraussetzung ist ein Behandlungsvertrag

Für eine psychotherapeutische Behandlung eines Rechtsbrechers in der Forensischen Ambulanz Baden gibt es zahlreiche Voraussetzungen. Dazu gehört zu allererst eine Verurteilung wegen eines Gewalt- oder Sexualdelikts sowie eine Behandlungsbereitschaft des Verurteilten mit dem Abschluss eines Behandlungsvertrages. Außerdem muss der Straftäter seinen künftigen Therapeuten von der Schweigepflicht entbinden. Sollte der Rechtsbrecher noch inhaftiert sein, muss die Justizvollzugsanstalt einen Antrag stellen. Natürlich spielt auch die Finanzierung eine wichtige Rolle. Daher gehört zu den Voraussetzungen einer Behandlung auch, bereits im Vorfeld die Möglichkeiten abzuklären, wie die therapeutischen Maßnahmen finanziert werden können.

Vor einer ambulanten Therapie erfolgt die Prüfung der Durchführbarkeit in enger Abstimmung aller Beteiligten. Denn die Therapeuten der Forensischen Ambulanz verfügen über ein breites Angebotsspektrum. Dazu gehören sowohl psychotherapeutische Behandlungen im Einzel- wie auch im Gruppensetting, aber auch Paar- und Familiengespräche. Zum Spektrum gehört es auch im Bedarfsfall Kontrollmaßnahmen durchzuführen: Blutspiegelkontrolle, Drogenscreenings und Alkoholtests. Außerdem sollen Probanden im Einzelfall auch zuhause aufgesucht werden. Damit sich der Therapeut ein realistisches Bild ihrer Lebensbedingungen schaffen kann.

Der Aufbau eines Angebotes zur Behandlung von polizeilich Auffälligen, der Opferbehandlung sowie der Erstellung von Behandlungsgutachten befindet sich derzeit noch in der Prüfungsphase. (ps/pdr)


Meldung vom Mittwoch, 12. November 2008 © ka-news 2008

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Bessere Therapie-Angebote - Stuttgarter Nachrichten

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/1871164_0_2147_
bessere-therapie-angebote-fuer-entlassene-sexualtaeter.html

Bessere Therapie-Angebote für entlassene Sexualtäter

Gezielte Betreuung nach der Haft - Psychologe: Strenge ist kontraproduktiv


Karlsruhe - Baden-Württemberg baut die Therapie-Angebote für entlassene Gewalt- und Sexualverbrecher aus. In Karlsruhe wurde am Dienstag die Forensische Ambulanz Baden eröffnet. Gefährliche Straftäter werden dort auch nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis psychotherapeutisch und psychiatrisch behandelt.

VON WOLFGANG JANISCH

Die ersten Monate nach der Entlassung sind immer die gefährlichsten, doch bisher ist es gutgegangen. Ein Deutscher mit türkischen Wurzeln, dreimal wegen Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung verurteilt, inzwischen aus dem Gefängnis in Kehl entlassen: Seit Juni geht er einmal pro Woche zur Therapie, er leidet an einer Empathie-Störung, also der mangelnden Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen. Er ist einer von rund drei Dutzend Straftätern, die derzeit in der Forensischen Ambulanz Baden in Karlsruhe behandelt werden.

"Eine Empathie-Störung kann man grundsätzlich beheben", sagt Klaus Böhm, Richter und Mitinitiator jener Initiative, der die Forensische Ambulanz ihre Existenz verdankt. Die "Behandlungsinitiative Opferschutz" (BIOS), als Zusammenschluss von Juristen, Therapeuten und Wissenschaftlern gegründet, macht schon im Namen deutlich, dass es ihr keineswegs um Wellnessangebote für Schwerverbrecher geht: Erklärtes Ziel ist es, die Rückfallgefahr bei Gewalt- und Sexualstraftätern zu senken - und damit potenzielle Opfer zu schützen. "Therapie ist Opferschutz", bekräftigt auch Justizminister Ulrich Goll (FDP).

Die Forensische Ambulanz ist bereits das vierte Projekt, das die Initiative auf den Weg gebracht hat. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim läuft seit einem Jahr ein Pilotprojekt für Sexualstraftäter. In der JVA Heimsheim werden Gewalttäter therapiert - eine Klientel, der sich seit März auch die JVA Heilbronn verstärkt zuwendet. Dort wird ein "Anti-Gewalt-Training" angeboten. Bei so viel Eifer will das Justizministerium nicht zurückstehen: Goll beeilte sich am Dienstag, auf die Aktivitäten des Landes beim Ausbau von Therapie-Angeboten hinzuweisen - wie etwa die 60 Plätze in der Sozialtherapie der JVA Offenburg.

In Karlsruhe geht es nicht um die Schlimmsten der Schlimmen, "normalerweise kümmern wir uns um die mittelschweren Fälle", sagt Böhm. Die Besonderheit: Die Sexual- und Gewalttäter werden an der Schwelle zur Freiheit therapiert, also an dem Punkt, an dem sie die "Laborsituation" im Knast verlassen und sich im wirklichen Leben bewähren. Behandlung wirkt - wenn bestimmte Qualitätsstandards eingehalten würden. Dadurch könne die Rückfallrate um zehn Prozent gesenkt werden, sagt Dieter Dölling, Professor in Heidelberg.

Das klingt natürlich alles nach Kuscheltherapie - muss nicht auch ein wenig Härte ins Spiel kommen? Dazu konnte der Psychologie-Professor Peter Fiedler eine Botschaft beisteuern. Seine Forschungen belegen: Konfrontation und Disziplinierung sind kontraproduktiv - die Straftäter verschließen sich wie eine Auster. Fiedlers Fazit: "Je disziplinierter in Behandlungseinrichtungen gearbeitet wird, umso höher fallen in der Regel die Rückfallzahlen aus."

Artikel aus den STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 12.11.2008

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