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Aktuelles

Neue Studie aus Berlin: Therapie senkt das Rückfallrisiko entlassener Straftäter um 85 Prozent.

Neue Studie aus Berlin: Therapie senkt das Rückfallrisiko entlassener Straftäter um 85 Prozent.

Zwei Jahre Therapie sind für einen dauerhaften Erfolg jedoch nicht ausreichend.

Opferschutz bedeutet auch, das Rückfallrisiko von Straftätern zu senken, die aus dem Gefängnis entlassen wurden. Diese Überzeugung prägt die Arbeit der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V., die im Jahr 2008 die Forensische Ambulanz Baden (FAB) gründete.  Die FAB arbeitet mittlerweile in zehn Städten in Baden-Württemberg mit entlassenen Häftlingen, die unter gerichtlich angeordneter Führungsaufsicht stehen, weil die Begehung weiterer Straftaten droht. In der FAB sind  gegenwärtig 109 entlassene Straftäter mit sog. Führungsaufsicht in Behandlung.

Nun wurde erstmals die Wirksamkeit der Betreuung am Beispiel der Forensischen Therapeutischen Ambulanz (FTA) in Berlin ausgewertet, die bereits 2005 gegründet wurde.

Die Auswertung ergab, dass das Rückfallrisiko von behandelten, entlassenen Straftätern während der therapeutischen Betreuung um 85 Prozent geringer war als bei Entlassenen ohne Betreuung. Bei den entlassenen Straftätern ohne therapeutische Nachsorge wurde mehr als jeder zweite bald wieder angezeigt (59%), bei den therapeutische Begleiteten gab es kaum Strafanzeigen. Dies entspricht auch den Erfahrungen der FAB.

Die nachhaltige Sicherung eines straflosen Lebens erfordert aber eine sehr lange Betreuung, auch das hat die Berliner Untersuchung gezeigt. In der Berliner Ambulanz wurden entlassene Strafgefangene zunächst nur zwei Jahre lang behandelt. Danach stieg die Rückfälligkeit der Straftäter jedoch wieder deutlich an. Die Studie von Julia Sauter und Prof. Klaus-Peter Dahlke (Berlin) soll demnächst veröffentlicht werden und liegt BIOS-BW e.V. bereits vor. In Berlin wurde die Behandlungsdauer zwischenzeitlich erhöht.

Auch das deckt sich vollständig mit den Erfahrungen der FAB. Eine therapeutische Begleitung entlassener Strafgefangener mit schlechter Prognose sollte nach Überzeugung von BIOS-BW e.V. fünf Jahre dauern. Dazu muss man wissen, dass ein Gericht Führungsaufsicht nebst einer Therapie- oder Vorstellungsweisung nur bei gravierenden Straftaten und einer Verurteilung zu mindestens sechs Monaten Haft ausspricht (siehe Hintergrund). Meist ist die Haftzeit viel länger. Nach der Entlassung aus einer langen Gefängnishaft ist die Rückfallgefahr jedoch besonders hoch.

Arbeitslosigkeit, fehlende familiäre und soziale Kontakte und Wohnungsprobleme sind eindeutig nachgewiesene Risikofaktoren. Hinzu kommen Persönlichkeitsstörungen, die in der Haftzeit meist nicht behandelt, oft sogar nicht einmal diagnostiziert wurden. All diese Probleme aufzuarbeiten und möglichst zu lösen, ist in zwei Jahren nur selten möglich. Die aktuelle Auswertung belegt, dass für eine Therapieweisung der Zeitrahmen von fünf Jahren, den BIOS-BW e.V. regelmäßig bei den Gerichten beantragt, notwendig und sinnvoll ist.

Das Argument, dass Langzeittherapien Strafgefangener zu viel Geld kosten, ist nach Überzeugung von BIOS-BW e.V. falsch. Ein Gefängnisplatz ist teurer, er kostet im Bundesdurchschnitt täglich rund 100 Euro.

Es liegt also nicht nur im Interesse potenzieller Opfer sondern auch des Steuerzahlers, mehr für die Resozialisierung entlassener Straftäter zu tun.

Auch die Bundesregierung hat das Thema aufgegriffen und vor wenigen Wochen erstmals eine Studie zur Rückfälligkeit von Straftätern vorgelegt. Diese Studie belegt, dass die Rückfallgefahr entlassener Straftäter umso höher ist, je gravierender die Straftat und je länger die Haftzeit war (42 % bei schwerem Raub, 24 % bei sexuellem Missbrauch). Mit dieser Risikogruppe arbeiten die forensischen Ambulanzen.

Hintergrund:

Seit 2007 kann das Gericht auch nach einer Haftentlassung Führungsaufsicht und therapeutische Behandlung des entlassenen Straftäters anordnen. Hierfür sind vor allem forensische Ambulanzen vorgesehen. Sie sind den zusätzlich beauftragten Bewährungshelfern gleichgestellt. Das Gericht kann neben einer Therapieweisung auch anordnen, dass sich der Täter zur Prüfung der Notwendigkeit einer Therapie in einer Ambulanz vorzustellen hat und zudem Platz- oder Kontaktverbote erteilen. Voraussetzungen sind, dass der Straftäter zu mindestens sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden war und die Gefahr weiterer Straftaten besteht. Vor allem bei Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren tritt die Maßregel zudem schon kraft Gesetzes ein, wenn dem Täter bei Entlassung keine günstige Kriminalprognose gestellt werden kann.

Der Verein:

BIOS-BW e.V. ist ein gemeinnützig anerkannter Verein, der neben der FAB in Baden-Württemberg und der Psychotherapeutischen Ambulanz Koblenz (PAKo) in Rheinland Pfalz auch das Projekt „Keine Sexual- und Gewaltstraftat begehen “ trägt. Im letztgenannten reinen Präventionsprojekt werden Therapien für Tatgeneigte angeboten, also für Personen, die noch nicht rechtskräftig verurteilt wurden.

Räumlich getrennt hat BIOS-BW e.V. 2014 eine Notfallambulanz für traumatisierte Menschen eingerichtet, die Opfer einer Straftat wurden. Die Opfer- und Traumaambulanz Karlsruhe/Baden (OTA) bietet schnelle Hilfe in Krisensituationen und will Wartezeiten überbrücken.

BIOS-BW e.V. ist auf Spenden angewiesen. Helfen Sie uns, zu helfen!

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