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Aktuelles

Auf Teufel komm raus

Auf Teufel komm raus - Filmabend

Sicherungsverwahrung

Das Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg zeigte am Mittwoch, 2. November 2011 um 19.00 Uhr im Heidelberger Gloria-Kino den Dokumentarfilm "Auf Teufel komm raus". Als Kooperationspartner fungieren die beiden Vereine Prävention Rhein-Neckar e.V. und Sicheres Heidelberg e.V.. Es geht in dem Film um den mehrfach verurteilten und immer noch als gefährlich eingestuften Sexualstraftäter Karl D., nach dessen Entlassung aus der Haft sich eine Bürgerbewegung formiert, die seinen Wegzug aus der Gemeinde erreichen will. Im Anschluss an den Film fand mit den Besuchern der Veranstaltung - das Kino war ausverkauft - eine Diskussion und ein Filmgespräch mit Experten statt. Podiumsteilnehmer waren: Richter am Oberlandesgericht Klaus Böhm (Vorsitzender der Behandlungsinitiative Opferschutz BW); Prof. Dr. Axel Dessecker, Kriminologische Zentralstelle Wiesbaden; Dr. Ineke Pruin, Universität Heidelberg; Dr. Holger-C. Rohne, Anwaltsverein Heidelberg; Dr. Angelika Treibel, Universität Heidelberg.
 

 

Für BIOS wies RiOLG Klaus Böhm darauf hin, dass sich nicht nur die Frage stelle, wie die Gesellschaft mit gefährlichen Gewalt- oder Sexualstraftätern nach einer Haftentlassung - dies sei bei 99 % aller  Täter der Fall - umgehe, sondern auch die Frage, was der Staat unternehme, damit es nicht zu einer Wiederholung der Tat komme. Unter Bezug  auf das dem BMJ am 3.3.2009 vorgelegte BIOS Memorandum (siehe diese Homepage unter "Memorandum") wurde darauf hingewiesen, dass der Fall des Karl D. nach Aktenlage exemplarisch die Behandlungsdefizite in Deutschland belege. Es spreche viel dafür, dass Karl D. während 20 Jahren Haft zu keinem Zeitpunkt eine ausreichende psychotherapeutische Behandlung erhalten habe oder eine solche zumindest wirklich ernsthaft und nachhaltig - vor allem auch zu Beginn der Haft  - versucht wurde, vielmehr wurde nach Ablauf der Haft seine Unterbringung in der nachträglichen Sicherungsverwahrung beantragt.

 

Im Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13.01.2010 (1 StR 372/09) ist hierzu wie folgt ausgeführt:

…. 

 

11

Im Rahmen der Prüfung einer bedingten Entlassung aus der Strafhaft erstattete der Sachverständige Prof. Dr. A. ein Psychiatrisches Gutachten. Angesichts der nach seiner Einschätzung fortbestehenden Gefährlichkeit des Verurteilten empfahl er eine bedingte Entlassung nicht.

 

12

Der Verurteilte bewarb sich während der Strafhaft zweimal für eine Sexualtherapie in anderen Vollzugsanstalten. Von einer dieser Einrichtungen wurde er abgelehnt, da er - im Jahre 1951 geboren - zu alt sei. Die in einer weiteren Anstalt schon begonnene Therapie wurde abgebrochen, da der Verurteilte nach Einschätzung der Therapeuten noch eine zu lange Reststrafe zu verbüßen hatte. Erst im Jahre 2007 - am 17. April 2008 stand das Haftende an - solte der Verurteilte in die sozialtherapeutische Abteilung seiner Justizvollzugsanstalt verlegt werden. Der Verurteilte widersetzte sich, da er nicht krank sei. Dies wurde mit einem dreitägigen Arrest disziplinarisch geahndet - der einzigen Disziplinarmaßnahme gegen den Verurteilten während der gesamten Haftzeit. Nachdem er - dann wohl doch verlegt - zu einer Mitwirkung an der Therapie gleichwohl nicht zu gewinnen war, wurde er wieder in den Normalvollzug überwiesen.

….

 

Der Originalbeschluss, aus welche sich auch die Gründe der Ablehnung einer nachträglichen Sicherungsverwahrung ergeben, wird als Anlage in Kürze hier als pdf-Dokument eingestellt:

 

Urteil des Bundesgerichtshofs

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