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BIOS-Forderung zu "Posing-Bildern": Kinder brauchen mehr Schutz

Stellungnahme der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. zu sogenannten „Posing-Bildern“

Allgemeines

Die „Edathy-Affäre“ hat zu einer intensiven und teilweise kontrovers geführten Diskussion um die auch strafrechtliche Relevanz von sog. Posing- und Nacktbildern von Kindern und ihre Bedeutung für die Gefahr eines sexuellen Missbrauchs geführt. Es existieren Pläne der Bundesregierung, im Kampf gegen die Kinderpornographie das Strafrecht auch im Hinblick auf die Strafbarkeit von „Posing-Bilder“ auszuweiten (vgl. hierzu den unten als pdf-Dokument eingestellten Referentenentwurf der Bundesregierung, dort Seite 35).

Unter „Posing-Bildern“ versteht man vor allem Darstellungen von Kindern in sexuell aufreizenden Posen. Abzugrenzen sind diese Bilder von Nacktbildern, die unbekleidete Kinder darstellen, ohne dass dabei auf sexuelle Merkmale fokussiert wird. Sie sind auch - unabhängig von der Strafbarkeit im Einzelfall nach § 184 b StGB - zu unterscheiden von der harten Kinderpornographie, die Texte, Bilder und Videos enthalten, die sexuelle Handlungen an, vor und von Kindern zum Inhalt haben.

„Posing-Bilder“ sind in der Regel keine Zufallsaufnahmen. Es muss im Gegenteil davon ausgegangen werden, dass das betroffene Kind seine Posen auf Anweisung eines Erwachsenen eingenommen hat, wobei insoweit ein Abhängigkeitsverhältniss ausgenutzt wird oder Versprechungen und Drohungen von den Tätern eingesetzt werden, um das Kind dazu zu veranlassen, die ihm an sich vollkommen fremden Posen einzunehmen. Diese entsprechen auch in keinster Weise dem natürlichen Verhalten von Kindern. Die Bilder werden nicht aufgrund künstlerisch-ästhetischer Ziele produziert, sondern sind eindeutig sexuell motiviert und sollen Konsumenten als sexuell ansprechendes Material präsentiert werden. In der Öffentlichkeit gibt es Meinungsverschiedenheiten, ob man das Strafrecht ausweiten und die Strafbarkeit der Herstellung und des Konsums von sog. „Posing-Bildern“ ausweiten soll.

Hierzu nehmen wir aus Sicht des präventiven Opferschutzes im Hinblick auf die vor allem notwendige Aufkläung und die Behandlung von Konsumenten solche Bilder wie folgt Stellung:

Auswirkungen der Herstellung und des Konsums von „Posing-Bildern“ auf Opfer

Aufgrund der Entstehungsart und der Intention von „Posing-Bildern“ sind diese jedenfalls aus Sicht des präventiven Opferschutzes dem sexuellen Missbrauch zuzuordnen.  Konsumenten von Posing- und kinderpornographischen Bildern schaffen einen Markt zur Herstellung solcher Aufnahmen. Damit sind die Konsumenten – und nicht nur die Hersteller - solcher Bilder verantwortlich für die Umstände, unter denen solche Bilder zu Stande kommen, nämlich durch Drohung, Manipulation, Zwang und Gewalt auf Kinder, die bestimmte, sexuell stimulierende Posen einnehmen sollen. Kinder oder auch Jugendliche auf „Posing-Bildern“ leiden daran, dass ihre Bilder einer häufig großen Zahl von interessierten Personen, wie im Internet, angeboten werden. Personen, die sie nicht kennen und bei denen sie nicht wissen, was ihre Bilder bei ihnen auslösen. Sie empfinden intensive und zeitlich überdauernde Scham- und Schuldgefühle. Erschwerend kommt hinzu, dass „Posing-Bilder“, wie die Erfahrung in der Arbeit mit Tätern und Opfern zeigt, häufig „nur“ der Beginn eines schweren sexuellen Missbrauchs sind. Kindern, von denen „Posing-Bilder“ angefertigt werden, sind nämlich häufig im weiteren Verlauf Opfer eines schweren sexuellen Missbrauchs. Besonders in „Tauschbörsen“ werden diejenigen Personen, welche „Posing-Bilder“ zur Verfügung stellen, oft von anderen Nutzern dazu motiviert, auch Bilder zu produzieren und zur Verfügung zu stellen, die eindeutige sexuelle Handlungen mit dem auf den „Posing-Bildern“ abgebildeten Kindern zeigen. Immer wieder werden auch Bilderserien verkauft bzw. getauscht, die eine Abfolge vom „Posing bis hin zu Abbildungen des schweren sexuellen Missbrauchs“ präsentieren.

Auswirkungen des Konsums von „Posing-Bilder“ auf Täter

Betrachten und Besitz von „Posing-Bildern“ sind häufig Vorboten für weitere Sexualdelikte, die noch mit größerer Schädlichkeit verbunden sind, nämlich für Kinderpornographie und sexuellen Missbrauch. Personen, die solche Bilder regelmäßig betrachten, steigern oft ihre pädophilen Interessen und konsumieren dann harte Kinderpornographie; letzten Endes kann es dann auch zum sexuellen Missbrauch kommen. Aus unserer Arbeit mit Tätern und Tatgeneigten können wir eindeutig feststellen, dass die Mehrzahl der Konsumenten von kinderpornographischem Material zunächst „Posing-Bilder“ betrachteten, welche auch im Netz relativ einfach zu finden sind und bei denen bisher keine Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung besteht, sie dann aber im Laufe der Zeit auch Bezugsquellen für kinderpornographisches Material mit eindeutigen sexuellen Missbrauchshandlungen suchen. Wie beim sexuellen Missbrauch und bei der Kinderpornographie liegen dem Betrachten und Sammeln von „Posing-Bildern“ unterschiedliche destruktive Motive, Bedürfnisse und Wünsche zu Grunde. In der Regel wird ein Bündel unterschiedlicher Motive vorhanden sein: insbesondere pädophile Neigungen oder aber sehr häufig auch ein Ausweichen auf Kinder, da man Angst vor Sexualität mit erwachsenen Frauen hat. Andere Motive sind: Sexueller Kick; Dissozialität bzw. sexuelle Verwahrlosung.

Therapienotwendigkeit bei Personen mit Konsum von „Posing- Bildern“

„Posing-Bilder“ sind häufig der Einstieg in den Konsum bislang bereits strafbewährter Kinderpornographie bzw. sie werden als Ersatz konsumiert, um strafrechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Deshalb bedürfen Personen, welche solche Aufnahmen regelmäßig betrachten, ebenso eines therapeutischen Behandlungsangebots wie Personen, welche regelmäßig kinderpornografische Bilder konsumieren oder aber zur Begehung sexueller Übergriffe an Kindern neigen oder aber solche schon begangen haben. Es besteht sehr oft eine erhebliche Therapienotwendigkeit, um künftige Gefahren für Kinder abzuwehren. Insoweit ist therapeutisch vor allem eine Bearbeitung von Phantasien dieser aus Sicht des präventiven Opferschutzes durchaus tatgeneigten Personen angezeigt. Dabei sollte sich die Behandlung vor allem auf die Gründe und auslösenden Ursachen für die über den Einzelfall hinausgehende Betrachtung von „Posing-Bildern“, die Folgen für die Opfer, Gewinnung von Opfer-Empathie und Sensibilisierung und Umgang hinsichtlich Risikosituationen ausrichten.

Oft besteht das Problem der Therapiemotivation. Es fehlt es an der Einsicht der Konsumenten für die Folgen ihrer Handlungen. Sie argumentieren, sie würden ja den Kindern nichts Schädliches tun, alles laufe ja in ihrer Phantasie ab. Hier ist insbesondere in der Therapie mit ihnen zu bearbeiten, dass sie einen für Kinder schädlichen Markt für solche „Posing-Bilder“ schaffen und der Konsum von „Posing-Bildern“ oft eine Vorstufe zu einem konkreten sexuellen Missbrauch darstellt.

BIOS-Forderung

Kinder bedürfen vermehrt unseres Schutzes. Dafür benötigen wir neben der Aufklärung potentieller Konsumenten über die Schädlichkeit der Herstellung und des Konsums von „Posing-Bildern“ und auch der Öffentlichkeit, insbesondere an Schulen  und Kindergärten, vor allem ein ausreichendes bundesweites Behandlungsangebot, weil man letztendlich nur hierdurch Kinder vor solchen Übergriffen schützen kann.

Denn wo kein Täter, da kein Opfer!

Solche Behandlungsangebote bestehen bereits in Baden-Württemberg. Unter anderem werden dort in dem BIOS-Präventionsprojekt „Keine Gewalt- und Sexualstraftat begehen“ derzeit bereits etwa 140 sog. Tatgeneigte betreut.

Anbei auch als pdf-Datei der derzeitge Referentenentwurf (vgl. hierzu Seite 35):

Referentenentwurf der Bunderegierung

 

 

Klaus Michael Böhm

1. Vorsitzender

Karlsruhe, den 20.04.2014

 

 Anbei

 

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